GeForce Now App für Steam Deck im Test: 4K, RT, DLSS und Anti-Cheat auf Valves Gaming-Handheld
Ab sofort ist Nvidia GeForce Now als native App für das Steam Deck verfügbar. AAA-Spiele und Titel mit störrischer Anti-Cheat-Software werden damit spielbar. Bis dato mussten sich Spieler mit einem Installationsscript für den Browser und eingeschränkten Features begnügen. ComputerBase hat Leistung und Laufzeit getestet.
GeForce Now auf dem Steam Deck
Beinahe 10 Jahre ist es her, dass Nvidia GeForce Now vorgestellt hat und damit Spielleistung unabhängig vom Endgerät via Streaming bereitstellt: Auf dem PC, dem Notebook oder immer mehr Fernsehern. Und gegen die bekannte Abo-Gebühr lässt sich der Dienst mit dem heutigen Tag auch per nativer App auf dem Steam Deck nutzen. Angekündigt hatte der Konzern das zur CES 2025 vor knapp einem halben Jahr.
Bereits zuvor war die Nutzung von GeForce Now auf dem mobilen Linux-Handheld möglich. Nvidia stellte dafür ein Installations-Skript (Nvidia Support) bereit, das die Flatpak-Version von Google Chrome auf dem Steam Deck installierte und dieses als Steam-fremdes-Spiel in der Bibliothek des Nutzers hinterlegte.
Mit GeForce Now gegen die Steam-Deck-Schwächen
Fehlende Exklusiv-Titel, eingeschränkte Leistung (und Qualität), keine Anti-Cheat-Software-Titel und die geringe Akkulaufzeit – nicht jeder Interessent ist bisher vom Steam Deck überzeugt. Nvidia GeForce Now auf dem Steam Deck kann diese Kritikpunkte potentiell lösen – gegen Gebühr.
Durch die Berechnung der Grafik im Serverzentrum spielt die eigentliche Leistung des Steam Decks keine Rolle mehr. Ohne lokale Rasterung verlängert sich die Akkulaufzeit bedeutend und auch wenn sich die Auflösung des Decks nicht ändert, werden 4K mit 60 FPS am heimischen Fernseher möglich. Raytracing, DLSS – kein Problem. Garniert wird das Ganze mit HDR10-Support. Und Spiele mit Anti-Cheat-Mechanismus, der nicht unter Linux läuft? Laufen auch.
Installation bleibt einfach
Die Installation der nativen App ähnelt der bisherigen Methode. Anstatt einen Flatpak-basierten-Browser zu nutzen und GeForce Now darin auszuführen, zeichnet sich die neue App selbst für die Darstellung der Spiele-Streams verantwortlich. Nach der Installation findet sich die Anwendung ganz regulär in der Spiele-Bibliothek. Die manuelle Anpassung der Controller-Einstellungen stellt die Kompatibilität mit einem Großteil der Spiele sicher.
Erfahrungsbericht auf dem Steam Deck
Über GeForce Now hatte die Redaktion bereits früher berichtet. Viel hat sich seitdem getan. Nicht nur ist die Leistung bedeutend gestiegen, auch haben sich Spiele insbesondere beim Raytracing deutlich gewandelt und Upscaling-Techniken wie DLSS 4 versprechen nicht nur Leistung, sondern auch bessere Bildqualität. Doch was davon kommt am Ende auch auf dem Steam Deck an? Getestet hat das die Redaktion mit GeForce Now Ultimate auf dem Steam Deck.
Spielauswahl
RTX-4080-Leistung auf einer mobilen Konsole? Grund genug für den Test grafisch anspruchsvolle Spiele zu wählen, die das Steam Deck allein niemals rendern könnte. Die Redaktion hat sich fünf Spiele näher angeschaut. Richtige Benchmarks sind in der Cloud nicht möglich, daher bleibt nur der subjektive Eindruck im Vergleich zu nativ auf dem Steam Deck ausgeführten Spielen – und die Metriken, welche Nvidia bereit stellt.
Fortnite
Spiele auf Basis der Unreal Engine laufen in der Regel gut unter Linux. Auch kann der Easy Anti-Cheat aus demselben Hause unter Linux ausgeführt werden – wenn die Entwickler die Option aktivieren. Bei Fortnite weigert sich Epic Games trotz bester Voraussetzungen bisher.
Doch mit GeForce Now wird der Titel auch auf dem Linux-Handheld spielbar. Dabei kommt auch die hohe Rechenleistung der RTX 4080 zur Geltung und trotz maximalen Grafikeinstellungen liefern die Server im Rechenzentrum teilweise weit über 100 FPS, was in einem absolut flüssigen 60-FPS-Stream resultiert.
Final Fantasy XVI
Final Fantasy XVI (Test) ist ein sehr fordernder Titel. Auch mit teurer Hardware kann es schwer sein flüssige Bildraten zu erreichen. Im Test von Final Fantasy XVI unter Linux zum Release war das Steam Deck schlicht zu schwach um den Titel wiederzugeben. Auch hier kann GeForce Now Wunder bewirken und in Verbindung mit der RTX 4080 aus dem Ultimate-Paket flüssige 60 FPS auch in anspruchsvollen Szenen liefern – bei maximaler Bildqualität und langer Akkulaufzeit.
Indiana Jones und der Große Kreis
Trotz seiner herausragenden Raytracing-Grafik läuft Indiana Jones bei entsprechend gewählten Einstellungen auch auf dem Steam Deck. Natürlich müssen hierfür Kompromisse in der Grafik-Qualität begangen werden. Ob das so Spaß macht, muss jeder Spieler für sich selbst wissen.
Mit GeForce Now kommt man auch auf der mobilen Konsole in den Genuss von hochaufgelöster Raytracing-Grafik mit ordentlicher Performance. Einen Einblick in der Indiana-Jones-Erlebnis auf dem Steam Deck bietet der YouTube-Kanal GameTechPlanet:
Assassin's Creed Shadows
Die neueste Ausgabe des Assassin's-Creed-Franchise bringt den Spieler nach Japan und Grafikkarten an die im Technik Test zu Assassin's Creed: Shadows an die Grenze. Zwar lässt sich der Titel durch Anpassen der Grafikeinstellungen auf dem Steam Deck spielbar machen, mehr als 30 FPS gibt es aber nicht.
Mit GeForce Now auf dem Steam Deck ist es möglich, das wirklich beeindruckende bei Shadows zur Geltung zu bringen: Raytracing. Dabei ist es sogar möglich, durch das Hochschrauben der Einstellungen die in Nvidias Servern Hardware Full HD ins Limit und damit unter 60 FPS zu bringen. Mit dem Einsatz von Upscaling erhalten Spieler absolut solide 60 Bilder.
Kingdom Come: Deliverance 2
Das Mittelalter-Rollenspiel hatte sich bereit zu Release im im Linux-Test zu Kingdom Come: Deliverance 2 auf dem Steam Deck bewährt. Selbst mit dem mittleren Preset und ohne Upscaling waren um die 30 FPS möglich. Mit GeForce Now allerdings wird die Grafik auf dem Deck auf die nächste Stufe gehoben. DLSS 4 mitsamt Transformer-Modell, auf maximale Einstellungen gestellte Grafikeinstellungen und Downsampling von Full HD liefern enorme Schärfe und Bildqualität – und das bei durchgängig 60 Bildern in der Sekunde.
Technische Hintergründe
Nvidia codiert den Spielestream im 10-Bit HEVC-Format, angepasst an die Auflösung der Ausgabe. Im Falle des Steam Decks also in 1.280 × 800 Pixeln. Dabei beansprucht die Übertragung ca. 17 Mbps der Internetleitung. Die Belastung für die APU der Konsole bleibt gering, sie kann das Videosignal in Hardware decodieren: Mangohud meldet einen Stromverbrauch für den CPU-Teil von ca. 0,5 Watt und für die GPU von 0,2 Watt. Während die CPU dabei in der Auslastung zwischen 5 und 10 Prozent schwankt, verbleibt die GPU stabil bei 10 Prozent. Der Gesamtstromverbrauch des Handheld lag bei um die 7 Watt, was größtenteils auf das LCD-Display zurückzuführen ist. Den Ping für die Verbindung zeigt Nvidia in der Sitzung mit einer 100k-Leitung mit 12 ms an.
Nvidia selbst spricht von 50 Prozent längerer Akkulaufzeit im Vergleich zu auf dem Deck ausgeführten Spielen. Auch die Redaktion konnte im Test eine deutlich verlängerte Akku-Laufzeit wahrnehmen.
Zum aktuellen Zeitpunkt ist auf dem Steam Deck nur eine 60-FPS-Ausgabe möglich. Die 90-FPS-Ausgabe wird noch für einen zukünftigen Release evaluiert. Die Bildrate bleibt auch gleich bei Anschluss eines 4K-Fernsehers. Nur im Falle eines angeschlossenen 1.440p-Monitors liefert GeForce Now auch 120 FPS. Insbesondere die 60 FPS bei 4K stellen eine Besonderheit der nativen Steam Deck App dar. HDR ist je nach Paket und Fähigkeiten des Displays ebenfalls möglich.
Abo-Modelle
GeForce Now ist in drei Abo-Modellen verfügbar. Neben einer kostenlosen und werbefinanzierten Variante, welche sich durch auf die auf eine Stunde begrenzte Spielesitzung inklusive Warteschlange beschränkt, bietet Nvidia auch noch die Versionen Performance und Ultimate an. Während bei Performance 6 Stunden am Stück gespielt werden kann und die Qualität für 2.560 × 1.440 mitsamt RTX reicht, gibt es bei Ultimate die Leistung einer RTX 4080 mit 4K-HDR-Ausgabe und bis zu 240 FPS mitsamt Raytracing und Nvidia-Features wie DLSS 3, Reflex und Cloud G-Sync.
| Stufe | Free | Performance | Ultimate |
|---|---|---|---|
| CPU | Basic | 8 vCPUs | 16 vCPUs |
| GPU | Basic | GeForce RTX | RTX 4080 |
| Sitzungsdauer | 1 Stunde | 6 Stunden | 8 Stunden |
| Wartezeit | Längste | Kurze | Kürzeste |
| Features | DLSS 4, Nvidia Reflex, AV1 Encoding | ||
| Kosten | werbefinanziert | 54,99 € * | 109,99 € * |
| Anmerkungen | * auf 6 Monate bezogen | ||
Fazit
Die Idee, die eingeschränkte Rechenleistung des Steam Decks zu umgehen und die Spielegrafik auf potenter Hardware abseits vom Handheld zu berechnen, ist nicht neu. Nvidia GeForce Now ist es auch nicht. Doch mit dem Release der nativen Steam-Deck-App wird das, was vorher schon über Umwege möglich war, jetzt optimal umgesetzt.
Anwendung herunterladen, anklicken und dem Installer folgen – einfacher geht es nicht. Und auch der Feature-Umfang überbietet bereits jetzt die bisherige Lösung mit einem Flatpak-basierten Browser.
Grafik und Performance ist im Zusammenspiel ein Gamechanger für alle, denen die Leistung des Steam Decks nicht ausreicht, oder die einfach gern per Anti-Cheat geschützte Titel wie Fortnite spielen möchten, ohne gleich Windows auf dem Handheld zu installieren – denn das geht unter SteamOS nicht.
Mit GeForce Now wandelt sich das Steam Deck in einem Dock so zu einer vollwertigen Konsole am heimischen TV mit einer Grafikqualität, die sich sehen lassen kann. Interessenten haben die Möglichkeit über die werbefinanzierte und kostenlose Version das Ganze auszutesten. Das Ein-Monats-Abo startet bei 10,99 Euro.
Es gibt aber auch eine Alternative für diejenigen, die über einen bereits mehr oder weniger potenten heimischen PC verfügen. Denn dann kann man seinen Spielekatalog mit den kostenlosen Tools Sunshine (GitHub) und Moonlight (GitHub) auf das Steam Deck streamen.
Die Redaktion hat die native Steam-Deck-App von GeForce Now im Vorfeld der Veröffentlichung von Nvidia unter NDA zum Test erhalten. Eine Einflussnahme fand nicht statt. Einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungstermin.
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