Ugreen iDX6011 Pro im Test: High-End-NAS will mit lokaler AI Daten und Fotos auswerten

Frank Hüber
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Ugreen iDX6011 Pro im Test: High-End-NAS will mit lokaler AI Daten und Fotos auswerten

Das Ugreen iDX6011 Pro ist mehr als ein NAS. Mit Intel Core Ultra 7 255H, 64 GB RAM, 2× 10 GbE, OCuLink und Thunderbolt sucht die Hardware seinesgleichen. Und mit lokaler AI will Ugreen künstliche Intelligenz direkt auf das NAS bringen. Das funktioniert im Test wegen zu vieler Einschränkungen aber aktuell nur bedingt.

Mit dem NASync iDX6011 Pro bringt Ugreen ein NAS-System der besonderen Art. Es verspricht nicht nur AI, sondern auf dem NAS läuft lokal eine eigene AI, die offline und ohne Übertragung in die Cloud lokal Antworten gibt. Auf Wunsch kann man zusätzlich für allgemeine Anfragen auch eine Cloud-AI nutzen, muss es aber eben nicht. Auf diese Weise lassen sich auch sensible und persönliche Daten durch AI auswerten, die man nicht in die Cloud laden möchte. Doch dafür braucht es schnelle Hardware, was die zweite Besonderheit des Ugreen NASync iDX6011 Pro ist. Denn an Leistung fehlt es diesem NAS mit Intel Core Ultra 7 255H „Arrow Lake-H“ und 64 GB RAM nicht. Im Test muss das iDX6011 Pro nicht nur zeigen, was die AI schon kann, sondern auch, wie sich das NAS im Alltag schlägt und welche Fortschritte Ugreen in diesem Bereich in den letzten Monaten gemacht hat.

Preis und Verfügbarkeit

Diese Technik hat ihren Preis. Weshalb Ugreen eigentlich erneut mit umfangreichen Rabatten zum Start werben wollte und Interessenten noch die Option haben sollten, sich das NAS vor dem Start der Kickstarter-Kampagne mit bis zu 40 Prozent Rabatt zu sichern. Doch diese Aktion musste Ugreen wegen der aktuellen Preisschwankungen und -steigerungen auf dem Komponentenmarkt vorzeitig beenden, da nicht gewährleistet werden konnte, dass man alle Interessenten zeitnah auch beliefern können wird. Hiermit dürften die Preise für SSD und RAM gemeint sein, denn mit bis zu 64 GB LPDDR5X in den NAS-Systemen und einer SSD für das Betriebssystem haben sich die Preise der Systeme auch in der Fertigung seit ihrer Ankündigung stark verändert.

Die Kickstarter-Kampagne am 24. März soll noch starten, doch welche Preise dann aufgerufen werden und ob man die NAS-Systeme überhaupt bestellen können wird, erscheint derzeit unsicher. Auf der Website werden aktuell keine Preise für die NAS-Systeme zum Start auf Kickstarter mehr genannt. Bisher war ein Start auf Kickstarter mit 30 Prozent Rabatt vorgesehen.

Ugreen möchte aber vorerst nicht noch mehr Nachfrage erzeugen, die man am Ende womöglich nicht bedienen kann. Die neuen NAS-Systeme werden auf der Website deshalb derzeit als „ausverkauft“ geführt, die Anzahlung und Sicherung des Rabatts sind anders als bisher kommuniziert nicht mehr und somit nicht bis zum 23. März möglich.

Die nachfolgende Tabelle zeigt noch einmal die bisher kommunizierten Preise, die aber unter Umständen keine Relevanz mehr haben.

Alte Preisstruktur der iDX6011-Serie
Modell UVP Super Early Bird
(„Sold Out“)
Early Bird
(Kickstarter 24.3. bis 7.5.2026)
NASync iDX6011 Pro 64 GB 2.599 Euro 1.559 Euro (-40 %) 1.819 Euro (-30 %)
NASync iDX6011 64 GB 1.999 Euro 1.199 Euro (-40 %) 1.399 Euro (-30 %)
NASync iDX6011 32 GB 1.699 Euro 999 Euro (-40 %) 1.189 Euro (-30 %)
Lieferumfang des Ugreen iDX6011 Pro
Lieferumfang des Ugreen iDX6011 Pro
Zubehör des Ugreen iDX6011 Pro
Zubehör des Ugreen iDX6011 Pro
Ugreen iDX6011 Pro
Ugreen iDX6011 Pro

Die Auslieferung der beiden neuen iDX-NAS an Käufer sollte ursprünglich ab Mai starten, wobei diejenigen, die zuerst auf Kickstarter zuschlagen, wie üblich zuerst beliefert werden. Ob dieser Zeitplan noch Bestand hat, bleibt ebenfalls abzuwarten. Sobald hierzu neue Informationen verfügbar sind, wird ComputerBase darüber berichten.

Mit einer UVP von 2.599 Euro ist das im Test vertretene Ugreen NASync iDX6011 Pro 64 GB demnach kein NAS, das man mal eben nebenbei erwirbt, sondern eine Anschaffung, die gut überlegt sein will. Denn HDDs und gegebenenfalls SSDs, die im NAS genutzt werden, müssen auch noch erworben werden und sind aktuell nicht durch ihren günstigen Preis in den Schlagzeilen.

Die Hardware des iDX6011 Pro

Bevor es genauer um die AI im iDX6011 Pro geht, wird zunächst ein Blick auf die Hardware geworfen, die all dies überhaupt erst ermöglicht.

Das iDX6011 Pro kann bis zu 6 SATA-Laufwerke (HDDs und SSDs) und zwei M.2-Laufwerke aufnehmen. Auf diese Weise lassen sich derzeit bis zu 196 TB Speicherkapazität im NAS realisieren. Hierfür verfügt es über die klassischen sechs Laufwerksrahmen eines NAS an der Vorderseite, die gegen das ungewollte, schnelle Entwenden gesichert werden können. Denn auch abseits von AI erfüllt das NAS alle klassischen Aufgaben eines solchen, also beispielsweise die lokale Speicherung von Dateien und Fotos und automatisierte Backups und Synchronisationsaufgaben. Das System selbst liegt erneut auf einer internen SSD mit 128 GB und ist somit von den eingesetzten Laufwerken entkoppelt.

Bei den Anschlüssen wird Ugreen-typisch viel geboten. Zwei 10-GbE-Anschlüsse, zwei USB-A-2.0-Ports, ein USB-A-3.2-Anschluss, HDMI und OCuLink stehen an der Rückseite zur Verfügung. Vorne sind der Power-Knopf, die System-LEDs, ein SD-Kartenleser, zwei Thunderbolt-Ports und ein USB-A-3.2-Anschluss platziert.

Ugreen iDX6011 Pro mit USB-A und 2x Thunderbolt 4
Ugreen iDX6011 Pro mit USB-A und 2x Thunderbolt 4
Status-LEDs des Ugreen iDX6011 Pro
Status-LEDs des Ugreen iDX6011 Pro

Das iDX6011 Pro verfügt an der Vorderseite im Gegensatz zum iDX6011 zusätzlich über ein Display, das rund 3,7 Zoll groß ist, sich per Touch aktivieren lässt und unter anderem die Auslastung der CPU, NPU, GPU und des RAMs anzeigt. Durch Wischbewegungen lassen sich detailliertere Statistiken einzelner Bereiche und beispielsweise auch des Netzwerks und Temperaturen der verbauten HDDs aufrufen. Zur Steuerung des NAS ist das Display jedoch nicht gedacht.

Blickt man etwas weiter nach innen, stellt sich zunächst die Frage, wie man die M.2-SSDs und eine etwaige PCIe-Karte einsetzt. RAM und M.2-Steckplätze sitzen nämlich nicht an der Unterseite, sondern man muss die rechte Seitenwand abnehmen, um an den PCIe-Steckplatz (Gen4 x8) und die M.2-Ports zu gelangen. Passendes Werkzeug liefert Ugreen mit. Auch zusätzliche Kühlkörper mit Wärmeleitpads für zwei M.2-SSDs liegen dem NAS bei. Bei theoretischen Tests sorgen die M.2-Schnittstellen mit 6 GB/s nicht für einen Flaschenhals. Bei einer Erweiterungskarte für PCIe ist zu beachten, dass sie ausschließlich über den Slot mit Strom versorgt wird.

Leistungsstarke Grafikkarten etwa für die KI-Beschleunigung werden hier deshalb nicht eingesetzt, was auch vom Platz nicht passen würde. Sie werden über Thunderbolt oder OCuLink mit einem eGPU-Gehäuse angeschlossen. Passende Nvidia-Treiber und das Nvidia Toolkit lassen sich im App Center beim Einsatz einer Nvidia-Grafikkarte installieren. Grundsätzlich lassen sich aber auch AMD-Grafikkarten in einem eGPU-Dock nutzen und werden als solche vom NAS erkannt.

ComputerBase wollte die eGPU-Fähigkeiten des iDX6011 Pro im Test ebenfalls begutachten. Wie sich nach mehrmaliger Rücksprache mit Ugreen und Tests seitens Ugreen herausstellte, ist das verwendete Razer Core X derzeit aber offenbar nicht mit dem iDX6011 Pro kompatibel. Das per Thunderbolt verbundene Gehäuse, das ComputerBase für den Test mit einer RTX 4070 Ti und einer RTX 2080 bestückt hat, wird vom NAS nicht als eGPU-Dock erkannt. Ugreen versucht noch herauszufinden, woran diese Inkompatibilität liegt. Sicher gewährleistet wird deshalb derzeit nur die Nutzung des Ugreen eGPU Dock CM980 (Model 75730) am iDX6011 Pro. Offen ist auch noch, ob dann ausschließlich die eGPU für alle AI-Aufgaben genutzt wird, für welche überhaupt genau und ob die AI-Leistung des Intel-Prozessors dann dauerhaft ungenutzt bleibt.

Zu beachten ist zudem, dass eGPU-Gehäuse am iDX6011 Pro nicht hotplug-fähig sind. Das bedeutet, dass das NAS immer erst ausgeschaltet, die eGPU verbunden und dann das NAS wieder eingeschaltet werden muss. Zudem muss beachtet werden, dass der Nvidia-Treiber und das -Toolkit vor dem Anschließen der eGPU installiert sein müssen.

PCIe- und M.2-Slots liegen hinter der Abdeckung
PCIe- und M.2-Slots liegen hinter der Abdeckung
Werkzeug zum Öffnen des Ugreen iDX6011 Pro ist Teil des Lieferumfangs
Werkzeug zum Öffnen des Ugreen iDX6011 Pro ist Teil des Lieferumfangs
Nach hinten offener PCIe-x8-Slot im iDX6011 Pro
Nach hinten offener PCIe-x8-Slot im iDX6011 Pro

Leistungsstarke CPU von Intel

Als Prozessor des iDX6011 Pro dient ein Intel Core Ultra 7 255H „Arrow Lake-H“, der neben 16 Kernen und 16 Threads auch 96 TOPS für AI-Aufgaben bietet. Er ist mit 28 Watt konfiguriert, was auch für den Intel Core Ultra 5 125H im iDX6011 gilt, der 14 Kerne mit 18 Threads und 33 TOPS bietet. Dank integrierter Grafikeinheit können die Intel-CPUs auch Bilder über den 8K-HDMI-Ausgang der NAS-Systeme ausgeben. Der Intel Core Ultra 7 255H bietet mit 24 MB doppelt so viel Cache wie der i5-1235U in der DXP6800 Pro. Diese CPU erfordert eine gute Kühlung. Ugreen setzt hierfür auf einen flachen Kupferkühler mit zwei Lüftern, der am Boden des NAS sitzt und warme Luft aus der linken Seite des NAS herauspustet. Er stammt von Coolcox und ist über vier Heatpipes mit dem Kühlkörper direkt auf der CPU verbunden.

Zwei Lüfter und vier Heatpipes für die CPU
Zwei Lüfter und vier Heatpipes für die CPU
Zwei Lüfter stecken am Boden im CPU-Kühler
Zwei Lüfter stecken am Boden im CPU-Kühler
CPU-Kühler des iDX6011 Pro
CPU-Kühler des iDX6011 Pro

Von Coolcox stammen auch die zwei 120 × 120 × 25 mm großen Lüfter, die über die Rückseite des NAS kalte Luft ansaugen, um Laufwerke und CPU zu kühlen. Sie lassen sich theoretisch gegen eigene Modelle tauschen, da sie über 4-Pin-Stecker angeschlossen sind, wenn man die geklebten Gummiabdeckungen von den Schrauben an der Rückseite entfernt und das NAS öffnet. Nötig erscheint das jedoch nicht, denn die beiden großen Lüfter arbeiten im Alltag stets leise.

Das interne Netzteil des iDX6011 Pro stammt von Channel Well Technology (CWT) und liefert bis zu 300 Watt. Es wird über einen integrierten, kleinen Lüfter aktiv gekühlt.

Das interne 300-Watt-Netzteil des iDX6011 Pro
Das interne 300-Watt-Netzteil des iDX6011 Pro
Das interne Netzteil des Ugreen iDX6011 Pro leistet 300 Watt und nervt im Idle
Das interne Netzteil des Ugreen iDX6011 Pro leistet 300 Watt und nervt im Idle

Insgesamt sorgen somit fünf Lüfter für die Kühlung der Komponenten im Ugreen iDX6011 Pro.

Verlöteter RAM statt Module

RAM-Steckplätze sucht man beim iDX6001 Pro anders als bei den DXP-Modellen jedoch vergeblich. Denn Ugreen nutzt bei den beiden neuen NAS verlöteten RAM. Ein Upgrade durch den Besitzer ist somit ausgeschlossen. Dafür kommt LPDDR5x zum Einsatz, während bei den DXP-NAS normale DDR5-Module genutzt werden.

Auch deshalb dürfte Ugreen beide Modelle ab Werk bereits mit viel RAM ausstatten. Das iDX6011 kommt wahlweise mit 32 oder 64 GB LPDDR5x, das iDX6011 Pro immer mit 64 GB Arbeitsspeicher. Gegenüber ComputerBase begründet Ugreen die Entscheidung für schnellen LPDDR5x-8400 aber auch mit höheren Datentransferraten und schnellerem Zugriff, der insbesondere für AI-Aufgaben wichtig sei. Bei LPDDR5x erlaubt Intel offiziell bis zu 8.400 MT/s, bei DDR5 wäre hingegen offiziell bei 6.400 MT/s Schluss. Da Ugreen sich an diese Spezifikationen hält, stellt LPDDR5x somit in der Tat die schnellere Wahl dar, lässt dem Nutzer aber weniger Spielraum für Upgrades.

Ugreen NASync iDX6011 Ugreen NASync iDX6011 Pro Ugreen NASync DXP6800 Pro
Prozessor Intel Core Ultra 5 125H
14/18 Kerne/Threads
33 TOPS
Intel Core Ultra 7 255H
16/16 Kerne/Threads
96 TOPS
Intel i5-1235U
10/12 Kerne/Threads
Arbeitsspeicher 32 GB / 64 GB LPDDR5x 64 GB LPDDR5x 8 GB DDR5 SO-DIMM
Maximale Speicherkapazität 196 TB (6 SATA + 2 NVMe)
Netzwerk 2 × 10 GbE (bis zu 20 Gbit/s mit Aggregation)
Erweiterbarkeit 1 × PCIe-Slot (Gen4 x8) 1 × PCIe-Slot (Gen4 x8)
OCuLink für eGPU
1 × PCIe-Slot (Gen4 x4)
Weitere Anschlüsse 2 × Thunderbolt 4, 2 × USB-A, HDMI, SD-Kartenleser

Hervorragende Verarbeitung

Was bei all dem auffällt, ist die erneut hervorragende Verarbeitung des iDX6011 Pro. Das Metallgehäuse macht nicht nur einen hochwertigen Eindruck, es passt auch perfekt zusammen, ohne scharfe Kanten oder optische Mängel wie große Spaltmaße. Auch der Innenraum ist mitsamt Kabelführung sehr gut gestaltet.

Rückseite des Ugreen iDX6011 Pro mit abgenommenem Staubfilter
Rückseite des Ugreen iDX6011 Pro mit abgenommenem Staubfilter
Das PCB zum Verbinden der sechs Laufwerke im iDX6011 Pro
Das PCB zum Verbinden der sechs Laufwerke im iDX6011 Pro
Stromversorgung für die HDDs im iDX6011 Pro
Stromversorgung für die HDDs im iDX6011 Pro

Inbetriebnahme des Ugreen-AI-NAS

Die Inbetriebnahme des AI-NAS iDX6011 Pro unterscheidet sich zunächst nicht von den anderen Systemen von Ugreen. Auspacken, HDDs einsetzen, Strom und LAN anschließen und einschalten. Die HDDs lassen sich, sofern man 3,5-Zoll-Modelle wählt, schrauben- und werkzeuglos in die Laufwerksrahmen einsetzen.

Um das System anschließend zu konfigurieren, kann die Adresse find.ugnas.com im Browser aufgerufen und so auf die Web-Oberfläche des iDX6011 Pro zugegriffen werden. Der Nutzer wird Schritt für Schritt durch die Einrichtung geführt. Nach Benutzername und Passwort muss ein Speicherpool und Volume angelegt und Freigabeordner erstellt werden. Ohne können keine Daten auf dem NAS gespeichert oder Apps installiert werden. Etwaige Software-Updates für das System lassen sich direkt nach der Ersteinrichtung installieren.

Ugreen iDX6011 Pro
Ugreen iDX6011 Pro

Bei der Laufwerkskonfiguration kann man zwischen Einzellaufwerk, JBOD, RAID 0, RAID 1 RAID 5, RAID 5 + Hot Spare, RAID 6 und RAID 10 wählen, je nach Anzahl der eingebauten Laufwerke. Neben ext4 wird auch btrfs als Dateisystem bei der Formatierung der Laufwerke unterstützt. Neben der Erstellung von Snapshots wird auch eine Dateiversionierung geboten, so dass die wichtigsten Funktionen gegen unbeabsichtigtes Löschen von Dateien abgedeckt sind.

UGOS auf dem iDX6001 Pro
UGOS auf dem iDX6001 Pro

Ugreen arbeitet weiterhin an der Verbesserung des Betriebssystems für die eigenen NAS-Systeme, UGOS Pro, kann aber trotz vieler Fortschritte noch nicht in jeder Hinsicht mit führenden Systemen wie dem DiskStation Manager (DSM) von Synology mithalten. Ein zentraler Punkt fehlt weiterhin: die Verschlüsselung der Dateien und Ordner oder ganzer Volumes auf dem NAS. Ugreen hat zwar eine Tresor-App veröffentlicht, mit der man einen geschützten Bereich erstellen und in diesem Dateien gesondert speichern kann, dieser lässt sich aber gerade nicht als Freigabeordner anlegen. Die Tresor-App muss über das App Center installiert werden und erhält ein Passwort, um Dateien im Tresor verschlüsselt abzulegen. Dateien können über den Dateimanager in den Tresor verschoben werden. Automatisierte Backups in den verschlüsselten Bereich sind aber ebensowenig möglich wie der Zugriff über SMB oder andere Standards. An die Einfachheit und Zugänglichkeit einer Ordnerverschlüsselung kommt dieser Tresor jedoch bei Weitem nicht heran und ist somit kein adäquater Ersatz.

Über kürzliche und geplante Updates informiert Ugreen auf der eigenen Website. Die Ordnerverschlüsselung wird darin nicht mehr aufgeführt.

Für weitere Details zu virtuellen Maschinen auf dem NAS, dem Videozentrum und anderen Apps wird an dieser Stelle auf die bisherigen Tests der Ugreen-NAS verwiesen. Denn an dieser Stelle soll sich im Folgenden der wichtigsten Neuerung, der lokalen AI gewidmet werden.

AI läuft vollständig lokal, Cloud nur zusätzlich

Zentrale Neuerung der iDX-Serie und des Betriebssystems sind nämlich die AI-Funktionen des NAS, die keinerlei Daten in die Cloud übertragen. Nur auf Wunsch kann der Nutzer auch ChatGPT von OpenAI über das NAS nutzen und eine Cloud-Anbindung für alle Anfragen, die sich nicht anhand der Daten auf dem NAS beantworten lassen, herstellen. Die lokale AI kann nicht nur bei der Organisation der Daten helfen, sondern auch Inhalte zusammenfassen, thematisch passende Dokumente zu einer semantischen Suchanfrage aus vielen Dokumenten finden oder Fotos automatisch gruppieren und auch hier bei der Suche ganz konkreter Bildinhalte helfen, wie man es schon von Smartphones kennt.

Die Grenze zwischen NAS als reinem Netzwerkspeicher für Dateien, auf die mehrere Personen jederzeit zugreifen können, und einem echten Heimserver, der auch anspruchsvollere Aufgaben und Anwendungen ausführen kann, verschwimmt mit den iDX-NAS von Ugreen noch stärker als mit der bisherigen NASync-DXP-Serie (Tests). Grundsätzlich stehen auf dem iDX6011 Pro alle Funktionen zur Verfügung, die bisher auch auf den NAS der DXP-Serie angeboten wurden – mit AI kommen nur noch weitere hinzu.

Wichtig anzumerken ist, dass ComputerBase derzeit die AI-Funktionen noch im Rahmen einer Betaphase nutzt. Bis das iDX6011 Pro im Mai an Kunden ausgeliefert wird, kann und wird Ugreen also noch einige Verbesserungen vornehmen und gerade die noch nicht mit dem letzten Feinschliff versehenen Stellen im UI ausbessern. Diese Aspekte sind deshalb nicht zentraler Bestandteil des Tests, der auf diesen Betastatus Rücksicht nimmt.

Die AI-Funktionen im Test

Wie bereits erwähnt, können die neuen AI-NAS von Ugreen ihre AI-Aufgaben rein lokal bearbeiten, ohne dass eine Internetverbindung bestehen muss und (persönliche) Daten hochgeladen werden. Das ist einer der zentralen Bausteine der Systeme.

So kann die AI auch auf private oder geschäftliche Daten losgelassen werden, die ausschließlich lokal auf dem NAS gespeichert sind und die man nicht in die Cloud hochladen möchte.

Wenn gewollt, lässt sich beispielsweise im AI-Assistant Uliya jedoch das Modell umschalten und auf die Cloud-AI zurückgreifen, beispielsweise um allgemeine Wissensfragen oder Anfragen, für die auf Echtzeitinformationen zurückgegriffen werden muss, beantworten zu lassen. Diese Entscheidung liegt jedoch beim Benutzer, man muss dem NAS diese Möglichkeit nicht eröffnen.

Zum Start der AI-NAS bietet Ugreen verschiedene AI-Anwendungen, die sich in drei Bereiche unterteilen:

  • Media & Entertainment
  • File Management & Search
  • AI Chat

Jeder Bereich bietet wiederum verschiedene Apps:

Media & Entertainment:
  • Fotos
  • Music
  • Theater
File Management & Search:
  • Voice Memos
  • Files
  • Universal Search
AI Chat:
  • AI Console
  • Uliya

Auf einzelne dieser Apps und Funktionen wird im Folgenden kurz eingegangen.

AI Console

Nach der Ersteinrichtung des NAS sind die AI-Funktionen und Modelle noch deaktiviert und nicht heruntergeladen. Die AI Console ist deshalb erste Anlaufstelle um die LLM auszuwählen, herunterzuladen und zu aktivieren. Hier lässt sich auch ein API-Key für ChatGPT hinterlegen, um eine Bezahlversion der Online-AI mit dem NAS zu verknüpfen. In der AI Console legt man auch fest, auf welche Apps, die unterstützt werden, beispielsweise der AI-Assistent Uliya Zugriff haben soll. Aktiviert man die AI-Funktionen und das Sprachmodell, merkt man dies auch sofort am reservierten Arbeitsspeicher, denn allein das LLM benötigt 12,5 Gigabyte RAM.

In der AI Console kann man die Modelle verwalten und Cloud-APIs anbinden

Fotos

Die Fotos-App auf dem NAS erkennt Gesichter, Tiere, Objekte, Szenen und Texte auf Bildern und kategorisiert sie anhand dieser Informationen automatisch. Auch wenn man alle Bilder in einen Ordner hochlädt, erstellt das NAS unter „Albums“ verschiedene „Ordner“, die nach Personen, Orte, Videos und Objekte gegliedert sind. Allerdings erst, wenn man in den Einstellungen der Fotos-App auch die AI-Funktionen aktiviert hat, denn nach der Installation der App sind diese zunächst deaktiviert, da sie fortwährend Ressourcen des NAS verbrauchen.

Der Nutzer kann über die Suchfunktion dann auch selbst nach passenden Motiven anhand einer semantischen Suchanfrage suchen. Fängt man an, einen Satz einzutippen, etwa „Frau mit einem weißen Oberteil“ wird die Intelligent Search eingeblendet. In der Praxis führen aber viele Suchanfragen ins Leere und zeigen „no result“, obwohl ein passendes Bild vorhanden wäre.

Inkonsistente Suchergebnisse in der Fotos-App und in Uliya

Aus Fotos von einem Konzert werden im Test drei Bilder zu „Frau mit einem Mikrofon“ gefunden, es sind jedoch mehrere Dutzend auf dem NAS gespeichert. An einer nicht abgeschlossenen Erkennung liegt das in diesem Beispiel nicht, das System hat diese beendet. Beim einfachen Suchbegriff „Frau“ findet das NAS hingegen plötzlich gar keine Bilder mehr. Eine Frau mit Mikrofon gibt es, eine Frau aber nicht.

Inkonsistente Suchergebnisse in der Fotos-App und in Uliya

Zum Suchbegriff „Meer“ findet er passende Bilder, allerdings zu wenige, und zeigt auch einen Ordner „Sea“ mit einem Vorschaubild an. Wählt man ihn aus, erhält man dann jedoch plötzlich „no results found“.

Hier gibt es derzeit also noch die ein oder andere Ungereimtheit, die sich auch im AI-Assistenten Uliya zeigt, mit dem man über „Smart Commands“ nämlich auch in den eigenen Fotos suchen kann. Sucht man hier nach Bildern, kann man aus den Suchergebnissen direkt in die Fotos-App springen, um sich die Bilder dort anzeigen zu lassen. Doch auch hier passiert es, dass die in Uliya angezeigten Fotos in der App dann zu „no results found“ führen, man sie sich dort also doch nicht anzeigen lassen kann.

Inkonsistente Suchergebnisse in der Fotos-App und in Uliya

Die semantische Suche in der Foto-App und über den Smart Command in Uliy ist derzeit in der Beta also noch stark verbesserungswürdig.

Werden Fotos erkannt, kann man diese theoretisch aber auch gleich entsprechend gruppieren lassen, um später einfacher wieder auf sie zugreifen zu können. Eine so vorgenommene Gruppierung von Fotos lässt sich jedoch nicht auf andere Systeme übertragen, denn passende EXIF-Tags lassen sich (derzeit) nicht exportieren.

Die Fotos-App kann von einer eGPU profitieren und diese zur Bildanalyse nutzen, wenn eine solche mit dem NAS verbunden ist.

Uliya AI-Chat

Der Uliya KI-Chat ermöglicht es Nutzern, über ein integriertes Sprachmodell (LLM) natürliche Fragen zu gespeicherten Dateien zu stellen, Dokumente zusammenzufassen, Notizen zu erstellen und offline auf eine private Wissensdatenbank zuzugreifen. Auch in diesem Fall bleiben die Daten lokal auf dem NAS. In den Einstellungen lässt sich aktivieren, dass eine verbundene, externe GPU für Uliya genutzt und die Verarbeitung beschleunigen soll. Uliya unterstützt eine Vielzahl von Sprachen, wobei man bei den Anfragen auch ständig zwischen diesen wechseln kann.

Kein uneingeschränkter Zugriff auf NAS-Daten

Allerdings, und diese Erkenntnis kommt im Laufe des Tests dann doch überrraschend, hat Uliya gar keinen Zugriff auf die gespeicherten Dateien des NAS. Und man kann ihr diesen Zugriff auch nicht gewähren. Stellt man eine Anfrage zu den gespeicherten Inhalten, beispielsweise dass alle PDFs auf dem NAS zu einem Thema angezeigt werden sollen, kann Uliya dies nicht erfüllen, da der Zugriff fehlt. Das erwartet man anders beziehungsweise möchte zumindest die Option haben, der lokalen AI auch vollen Zugriff auf alle Inhalte zu geben. Möglich ist dies derzeit nicht. Die einzige Option, Uliya Zugriff auf Dateien zu geben, besteht deshalb darin, sie bei der jeweiligen Anfrage mit hochzuladen oder aber in Knowledge Bases, also Wissensdatenbanken, oder Zusammenfassungen manuell auf dem NAS auszuwählen. Nur in diesen beiden Fällen kann Uliya auf die lokalen Dateien zugreifen, die in Anzahl und Größe jedoch beschränkt sind. Zudem kann man hier selbst auf dem NAS keinen Ordner auswählen, sondern nur die Dateien direkt. Alternativ kann man Dateien für die jeweilige Anfrage hochladen, was aber auch zu umständlich ist. Unterstützt werden txt, docx und pdf, also auch keine Bilder. Auch PDFs mit Bildern können nicht ausgewertet werden.

Auf gespeicherte Dateien hat Uliya keinen Zugriff
Auf gespeicherte Dateien hat Uliya keinen Zugriff

Die Möglichkeiten sind deshalb zu begrenzt. Wenn man Inhalte erst selbst sortieren und in Uliya hochladen oder auf dem NAS heraussuchen muss, um sie nutzen zu können, geht ein großer Vorteil eines AI-Chatbots schon verloren.

Keine Grafiken, Bilder oder Videos

Zudem kann Uliya keinerlei Bilder, Videos oder Dokumente wie ein Excel-Sheet erstellen. Auch hier wird Potenzial liegen gelassen, denn so ist es auch anhand einer Knowledge Base nicht möglich, die Informationen graphisch etwa in einem Diagramm auswerten zu lassen.

Uliya kann keine Bilder erstellen
Uliya kann keine Bilder erstellen

Über die bereits erwähnten Smart Commands kann man in Uliya auf ausgewählte Apps wie etwa Fotos oder das Videocenter zugreifen. Wie erwähnt ist das allerdings noch inkonsistent und liefert in Uliya nicht immer dieselben Ergebnisse wie in den Apps oder die Übergabe und Anzeige des Ergebnisses in der App scheitert dann. Smart Commands können aber auch genutzt werden, um die Musikwiedergabe über das NAS oder die Lüftergeschwindigkeit zu steuern. Umso wichtiger wäre es, hierauf auch schnell und einfach über das Smartphone zugreifen zu können.

gpt-4.1-mini für Online-Anfragen

In Uliya lässt sich wie bereits erwähnt auch auf die Cloud-AI umstellen, so dass Fragen beantwortet werden können, die nichts mit dem NAS oder den darauf gespeicherten Daten zu tun haben. Wahlweise kann man neben der Online-Suche, die Google zu Rate zieht, auch das AI-Modell vom lokalen Qwen3 auf gpt-4.1-mini wechseln. Es kann jederzeit zwischen dem lokalen Sprachmodell und dem Webzugriff gewechselt werden.

Auf dem Smartphone fehlt AI

Zum Testzeitpunkt lässt sich Uliya zudem nur über die Desktop-App am PC nutzen. In der Smartphone-App taucht Uliya nirgends auf und lässt sich auch über die Einstellungen nicht aufrufen. Hier kommt aktuell nur der Hinweis, dass man Uliya derzeit in der Smartphone-App nicht nutzen kann. Auch das gilt es unbedingt zu ändern. Eine AI, die nur umständlich zugänglich ist, ist nutzlos. Am besten sollte Ugreen eine eigene App für Uliya einführen, die man genauso einfach nutzen kann wie die App von ChatGPT. Und wenn man Uliya auf dem NAS mit ChatGPT verbunden hat, dann sollte man in dieser App auch einfach und schnell zwischen lokaler und Cloud-Anfrage wechseln können. Und am besten kann man Anfragen dann auch per Spracheingabe stellen, denn so nutzen viele AI auf dem Smartphone. Kein Tippen, sondern einfach sagen, was man möchte.

Universal Search bietet eine lokale, textbasierte Suche im Stile von Spotlight auf macOS. Mit ihr sollen sich Inhalte anhand natürlicher Anfragen, die den gesuchten Inhalt beschreiben, finden lassen. In der Praxis funktioniert das aber noch nicht. Denn ist die Sucheingabe nicht Bestandteil des Dateinamens, wird nichts gefunden. Der Inhalt von Dateien wird somit, zumindest derzeit noch nicht durchsucht. Bei Fotos sieht das, unter den oben im Abschnitt zur Fotos-App genannten Einschränkungen anders aus. Hier kann der Inhalt beschrieben werden und es werden inhaltlich passende Fotos anzeegt – zumindest manchmal. Denn die Ergebnisse unterscheiden sich schlussendlich nicht von der Suche in der Fotos-App selbst, sind also auch noch verbesserungswürdig.

GIF Universal Search: Lokal intelligent suchen (Bild: UGREEN)
Einstellungen der Universal Search
Einstellungen der Universal Search
Apps, auf die die Universal Search Zugriff hat
Apps, auf die die Universal Search Zugriff hat

Positiv ist, dass bei dieser Suche auch nach Einstellungen des NAS und Erwähnungen im Support-Bereich des NAS gesucht werden kann. So lässt sich auch nach Optionen des NAS suchen, wenn man nicht genau weiß, hinter welcher Kategorie im Control Panel sie sich verstecken.

Voice Memos

Mit der Funktion „Sprachmemos“ können Audioaufnahmen auf das NAS hochgeladen und direkt auf dem Gerät transkribiert, übersetzt und zusammengefasst werden. Dabei erkennt das NAS auch verschiedene Sprecher, denen sich auch direkt in der App auf dem NAS passende Namen zuordnen lassen.

GIF Voice Memos transkribieren (Bild: UGREEN)

Das Sprachmodell belegt im Test selbst noch einmal gut 8 GB Arbeitsspeicher, wenn es genutzt wird. Die Transkription ist in verschiedenen Sprachen wie Deutsch und Englisch aber auch Chinesisch und Japanisch möglich. Über Kategorien kann man festlegen um was für eine Art von Audioinhalt es sich handelt. Die lokale AI kann dabei nicht nur den Audioinhalt transkribieren, sondern fasst diesen anschließend auch zusammen und kann eine Mind-Map erstellen. Im Test funktioniert diese Funktion, die von den lokalen Inhalten auf dem NAS entkoppelt ist, zuverlässig. Sprache wird bei halbwegs klarer Aussprache fehlerfrei transkribiert und auch verschiedene Sprecher werden gut erkannt und automatisch zugeordnet. Auch bei der Auswertung erfindet die AI keine Inhalte, die gar nicht Teil der Audiodatei waren. Die Funktion der Sprachmemos auf dem iDX6011 Pro ist somit gelungen.

Files

Files, die AI-Dateiorganisation der iDX-Serie, soll dafür sorgen, dass Dokumente, Fotos und Downloads beim Hochladen automatisch nach Typ, Datum und Name sortiert werden. Was im Test auch in der Files-App aber nicht klappt, ist die semantische Suche. Wer nach Inhalten sucht, erhält derzeit keine Treffer. Nur der Dateiname oder Bestandteile führen aktuell zum Ergebnis.

GIF AI-Dateimanager: Daten mit KI organisieren (Bild: UGREEN)

Zwischenfazit zur lokalen AI

Insgesamt sind die AI-Funktionen auf dem iDX6011 Pro somit vor allem auf die Textgenerierung, Transkription, das Suchen und die Analyse beschränkt, zielen aber nicht auf die Erstellung neuer Inhalte. Vor allem beim Suchen von Inhalten sind die Ergebnisse derzeit aber noch nicht zufriedenstellend und der Zugriff von Uliya auf lokale Dateien zu eingeschränkt und zu umständlich. Anders als erwartet durchsucht das NAS derzeit – außer bei Fotos – nicht schon im Hintergrund den Inhalt von Daten auf dem NAS, sondern wertet Inhalte erst bei einer konkreten Anfrage und der Auswahl der hierfür heranzuziehenden Daten aus. Das ist im Alltag jedoch zu umständlich.

Den AI-Funktionen fehlt somit eine Option, vollen Zugriff auf alle Inhalte oder anhand von Benutzerrechten zu erteilen, damit einzelne Nutzer nur ihre gespeicherten Inhalte für ihre AI-Anfragen freigeben können.

Zumindest in der aktuellen Betaphase wirkt die AI zu sehr vom restlichen System entkoppelt, der Chatbot ist nicht allgegenwärtig und man kann ihm, wenn man es möchte, nicht ausreichend Zugriff auf Inhalte gewähren. Die durchaus sinnvollen Nutzungsmöglichkeiten etwa zu Analysen und Zusammenfassungen sind deshalb zu umständlich implementiert und dass man beispielsweise derzeit nicht einmal alle Dokumente zu einem Thema auf dem NAS heraussuchen lassen kann, ist enttäuschend.