Cherry KC 500 MX LP im Test: Eine neue flache Standard-Tastatur für das gehobene Büro
Cherry hat mit der KC 500 MX LP eine Tastatur mit einem gewichtigen Argument im Programm: Sie ist flach. Die Tastatur kombiniert Fullsize- oder TKL-Format mit Low-Profile-Tastern der zweiten Generation. Auf dem Papier ist das eine tolle Kombination und im Test ist sie es auch. Sonderwünsche verbittet sich die Tastatur jedoch.
Die Cherry KC 500 MX LP ist „eine Standardtastatur für das gehobene Bürosegment“; genau so lässt es sich am besten beschreiben. Mehr als dieses eng auszulegende Konzept sollte man jedoch nicht wollen. Alle Details im Test.
- Flache, relativ leise Taster
- Fullsize & TKL-Layout
- 4 sinnvolle- Zusatztasten
- Taster brauchen Einlaufphase
- Tastenbelegung fast unveränderlich
Cherry KC 500 LP im Überblick
Die Cherry KC 500 LP (Preisvergleich) folgt dem Jahrzehnte alten Cherry-Format für Office-Tastaturen. Der Platz über dem Nummernblock wird mit vier Zusatztasten gefüllt, ansonsten gibt es die „Essentials“ in Form einer einfarbig weißen Beleuchtung, die Cherry „klassisch“ nennt und vor allem die Lesbarkeit der Beschriftung verbessern soll.
Datenübertragung funktioniert ausschließlich über ein USB-C-Kabel. Die Keys-Software des Herstellers kann ein paar Tasten neu belegen, allerdings nur in Software, was einen permanenten Betrieb im Hintergrund voraussetzt. Im Kern ist die KC 500 LP „eine“ Tastatur, die vor allem zum Eingeben gedacht ist – entweder im Vollformat oder als Tenkeyless-Version.
| Cherry KC 500 MX LP TKL | Cherry KC 500 MX LP | |
|---|---|---|
| Größe (L × B × H): | 35,0 × 12,4 × 2,1 cm | 42,6 × 12,4 × 2,1 cm |
| Layout: | 85% ISO („tenkeyless“) | 100% ISO (Fullsize) |
| Gewicht: | 535 g | 652 g |
| Gehäuse-Material: | Kunststoff | |
| Kabel: | USB/Type-C-USB (modular) | |
| Hub-Funktion: | – | |
| Key-Rollover: | 6-KRO | |
| Schalter: | Cherry MX Low Profile 2.0 Ivory | |
| Switch Plate: | Aluminium | |
| Tasten: | Form: zylindrisch Material: PBT-Kunststoff Beschriftung: Double-shot molding flache Tasten |
|
| Zusatztasten: | – | 3 × Medien 1 × Extra |
| Medienfunktionen: | Stumm, Lautstärke, Abspielen/Pause, Vor/Zurück | |
| Zusatzfunktionen: | Helligkeit (regeln, ausschalten), Programmverknüpfungen | |
| Beleuchtung: | Farbe: Weiß | |
| Makros & Programmierung: | teilweise programmierbar | |
| Preis: | ab 93 € | ab 102 € |
Taster: Low Profile in Generation 2
Eingaben werden mit Low-Profile-2.0-Tastern erzeugt. Sie bekommen die Neuerungen der MX2-Taster verpasst. Das soll ihnen größere Geschmeidigkeit, geringere Lautstärke und weniger Spiel in der Tastenkappe bescheren.
Die verbauten MX Low Profile Ivory gibt es exklusiv in der KC 500 LP. Von den gewöhnlichen MX Low Profile Red 2.0 unterscheiden sie sich nur durch die Farbe des Stempels. Die helle Einfärbung soll die Ausleuchtung verbessern, das Weiß kommt aber auch den weißen LEDs zu Gute. Ivory-Taster sind demnach linear und leichtgängiger abgestimmt. Ein klar ansteigender Widerstand erlaubt eine gewisse Präzision, die Verringerung von Vorlauf und Gesamtweg sorgen für Agilität und Zackigkeit.
Cherry MX Low Profile 2.0 Red/Ivory |
Cherry MX Low Profile Red |
Cherry MX Low Profile Speed |
|
|---|---|---|---|
| Charakteristik: | linear | ||
| Hubweg: | 3,2 mm | ||
| Widerstand: | ? ? | ||
| Position des Signalpunktes: | 1,2 mm | 1,0 mm | |
| Widerstand am Signalpunkt: | 45 g | ||
| Widerstand am Druckpunkt: | – | ||
| Lebensdauer (Anschläge): | 100 Mio. | 50 Mio. | |
MX LP 2.0 können liefern. In der gegenwärtigen Umgebung fallen sie aber auch durch ihre mittlerweile eigene Charakteristik auf: Sie lassen direkt nach dem Auspacken das Eingleiten erspüren, sind leicht rau und das gleichmäßig über alle Taster hinweg. Was am Anfang fast schon arg ungehobelt wirkt, gibt sich mit zunehmender Nutzungsdauer. Diese Einlaufzeit muss man im Hinterkopf behalten.
Beim Arbeiten fällt diese Eigenheit aber selbst initial kaum ins Gewicht. Hier werden die Taster eher mit mehr Kraft und schnell betätigt, sodass Feinheiten untergehen. Zum Schreiben gibt der LP-Switch durch die Verbindung von mittlerer Schwergängigkeit, kurzem Hub und flachem Aufbau eine gute Figur ab.
Vollends geschliffen verhielten sich die Taster nach den zwei Wochen Nutzungsdauer noch nicht, vor allem nicht auf selten genutzten Tasten; dieser deutliche und relativ lange Break-In ist tendenziell eine Cherry-Besonderheit. Etwas deutlicher stören die Stabilisatoren unter der Eingabetaste. Am äußersten Rand betätigt wird das Feedback sporadisch sehr teigig, der Widerstand steigt stark. Man muss aber auch sagen: Insgesamt führte das nicht dazu, die KC 500 beiseite legen zu wollen. Die Tastatur ist unter dem Strich ein angenehmes Schreibgerät. Zum Spielen eignet sich das Modell ebenfalls, bei langsameren Tastendrücken wünscht man sich allerdings eher noch etwas mehr Geschmeidigkeit von den Tastern.
Das rauere Eingleiten ist ohnehin eine Eigenheit, die bei flachen Tastern verbreitet ist. Es geht aber nicht nur mit normalen, großen Tastern Out of the Box besser: Ihr größter Gegenspieler, die Gateron Low Profile 2.0, die unter anderem in der Keychron K3 Max (Test) verwendet werden, fühlen sich in diesem Bereich noch hochwertiger an. An den Klassenprimus Falchion RX (Test) reichen beide nicht heran; Asus baut sofort sanft eingleitende und gleichzeitig flache Taster.
Die rein weiße Hintergrundbeleuchtung sichert gute Ablesbarkeit. Weiß ist dank der monochromen Ausrichtung tatsächlich ein reiner Farbton und sorgt dafür, dass auch die dunklen Tasten lesbar sind. Aufgrund des dort geringen Kontrasts ist ein Betrieb mit deaktivierten LEDs nicht zu empfehlen. Rot leuchten nur Status-LEDs unter den entsprechenden Tasten. Sie sind vielleicht ein wenig zu hell, werden aber mit der normalen Beleuchtung zusammen gedimmt.
Trotz weißer Stempel nimmt die Helligkeit im unteren Bereich der Tastenkappe ab, bei normalem Sitzabstand mit flachen Blickwinkel ergibt sich ein sichtbarer Verlauf auch in der Beschriftung etwa beim Mail-Icon.
Alltag & Akustik
Im Alltag funktioniert die KC 500 LP gut. Das ist kein Wunder, Layout und Software sind altbekannt und langerprobt. Auch die Lautstärke hat Cherry im Griff.
Akustik: Leise dank flach
Eine einzelne Schicht Dämmung aus banalem Schaumstoff reicht Cherry, um die KC 500 LP auf dezente Lautstärke zu trimmen. Den Rest übernehmen die flachen Taster, die durch ihren geringen Schallkörper und flache Tastenkappen ohnehin Leisetreter sind.
So erreicht die KC 500 LP ein subjektiv ähnliches Lautstärkeniveau wie die aufwändiger gedämmte Sharkoon SGK50 S3 PBT (Test). Im Vergleich mit flachen Tastaturen positioniert sich die KC 500 LP ihrer Preisklasse gemäß. Sie agiert merklich ruhiger als eine Sharkoon PureWriter der ersten Generation und punktet mit satterem und dumpferem Klang. So wird sie ein deutliches Upgrade. Sie eignet sich damit gut zum ruhigen Arbeiten.
Das Ende der Fahnenstange ist mit der KC 500 aber nicht erreicht. Schöner geht es, wenn noch mehr Geld in die Hand genommen wird. Eine Keychron aus der K-Serie, wie etwa die K3, kann das noch einmal besser: Sie eliminiert noch mehr Hall. Am hochwertigsten bleibt die Asus Falchion RX, die Anschläge am präzisesten herausarbeitet.
Alltag: Funktioniert. Punkt.
Das Gesamtpaket funktioniert gut, was letztlich eine Frage der Übung ist. Die brauchen die eng eingefassten Funktions- und Pfeiltasten für ein paar Tage, ebenso das Vertauschen von Zahlen- und Zeichenfunktion. Für den angedachten Einsatz ergibt das tatsächlich Sinn: Wer viel tippt, sucht eher Sonderzeichen als die normale Funktion, die man dann schnell blind beherrscht.
Ansonsten liefert die KC 500 LP das, was das Datenblatt verspricht: Ein unauffälliges Eingabegerät ohne Extras, bei dem das, was da ist, einfach läuft. Wünschen würde man sich nur den Entfall der etwas dreckempfindlichen Vertiefung, die das Tastenfeld rahmt. Sie passt nicht ganz ins nüchtern-funktionale Bild.
Software wird auf der Produktseite der KC 500 LP nicht erwähnt. Sie kann jedoch mit Cherry Keys zumindest begrenzt programmiert werden. Die universelle Software erlaubt das Neubelegen der F-Reihe sowie von Druck, Rollen und Pause, solange sie im Hintergrund läuft. So kann sie den Arbeitsalltag ein wenig erleichtern, bleibt im Umfang aber weit hinter dem, was sonst möglich ist. Vor allem das Belegen der FN-Ebene kann sinnvoll sein, je spezieller gearbeitet wird.
Fazit
Die Cherry KC 500 LP ist „eine Standardtastatur für das gehobene Bürosegment“; genau so lässt es sich am besten beschreiben. Mehr als dieses eng auszulegende Konzept sollte man jedoch nicht wollen.
Das heißt, dass sich Sonderwünsche verbieten. 15 Tasten neu belegen, das ist alles, was die KC 500 anbieten kann. Von FN-Makros und Co kann man nur träumen. Das und die leichte, vor allem anfängliche Kratzigkeit der Taster, die zumindest eine längere Einlaufphase verlangen, sprechen gegen das Modell.
Nach der Break-In-Phase funktioniert sie in ihrer Rolle aber gut: Als flaches, angenehm zu bedienendes und relativ leises Eingabegerät. Auch der Preis erscheint aktuell realistisch gewählt. Für rund 100 Euro gibt es keine direkte Konkurrenz mit flachen Tastern.
Alternativen gibt es hingegen. Keychrons K-Serie gibt es in viel mehr Formaten, mit deutlich mehr Ausstattung, besseren Tastern und quelloffener Software. Sie kostet aber 50 Prozent mehr. Echte Konkurrenz wäre eher die Logitech MX Mechanical, die bei den Tastern eher weniger überzeugt. Muss es kein Vollformat sein, kann man mit der Sharkoon PureWriter alternativ etwas Geld sparen, um eine flache Tastatur zu bekommen.
- Flache, relativ leise Taster
- Fullsize & TKL-Layout
- 4 sinnvolle- Zusatztasten
- Taster brauchen Einlaufphase
- Tastenbelegung fast unveränderlich
ComputerBase hat die KC 500 LP von Cherry leihweise zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.
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