Corsair K70 Pro TKL im Test: Tastatur mischt analoge und normale Taster
Corsairs Tenkeyless-Tastatur K70 Pro TKL gibt es mit herkömmlichen und analogen Tastern – und zwar gleichzeitig in einer Misch-Tastatur. Auch beim Layout spielt Corsair und opfert drei weitere Regeltasten für Extras. Das ist zumindest einmal mutig. Ob es auch gut ist, klärt der Test.
Prinzipiell schrumpft Corsair mit der K70 Pro TKL einfach eine bewährte Tastatur auf ein kompakteres Format. Damit funktioniert sie in vielen Bereichen vernünftig, wenn auch selten mit inspirierter Brillianz. Nur: Zu zwei Sorten Taster kann es in diesem Fall kaum zwei Meinungen geben. Alle Details im Test.
- Geschmeidige, leichtgängige Analogtaster
- Sinnvolle Zusatztasten
- Analogtechnik im TKL-Format
- Taster-Mischbestückung
- Hartkantiger Drehregler
- Eingeschränkte Konfigurationsmöglichkeiten
- Schmale Handballenauflage
Corsair K70 Pro TKL
Corsair verkürzt und vereinfacht bei der K70 Pro TKL die K70 Max (Test), streicht aber mehr als nur den Nummernblock. Durch das Opfern von „Rollen“, „Druck“ und „Pause“ schafft das Unternehmen Platz für eine Medientaste, einen programmierbaren Drehregler und Taste zum Einschalten des „Game Mode“.
Bei der K70 Pro TKL wird zudem der Spielemodus neu gedacht. Er schaltet dort nicht nur ein paar Tasten(-kombinationen) aus. Zusätzlich wechselt er die Polling-Rate auf, je nach Setting, maximal 8.000 Hz, aktiviert Rapid Trigger, deaktiviert Makros, Doppelbelegungen von Tasten und LED-Effekte.
Ansonsten bietet die Tastatur klassentypisches von der RGB-Beleuchtung bis hin zur magnetisch befestigten, aber schmalen Handballenauflage mit Kunstleder-Polster. Tasten, allerdings nicht die FN-Ebene, können wie mittlerweile üblich über iCUE konfiguriert werden. Dazu ist die Software zwingend notwendig.
| Corsair K70 Pro TKL | |
|---|---|
| Größe (L × B × H): | 36,6 × 13,5 (21,2) × 3,9 (4,8) cm Handballenauflage |
| Layout: | 85% Plus ISO (erweitert) |
| Gewicht: | 967 g |
| Gehäuse-Material: | Aluminium/Kunststoff |
| Kabel: | 1,80 m, USB/Type-C-USB (modular) |
| Hub-Funktion: | – |
| Key-Rollover: | N-KRO |
| Schalter: | Corsair MGX Hyperdrive Analoge Taster |
| Switch Plate: | Aluminium |
| Tasten: | Form: zylindrisch Material: ABS-Kunststoff Beschriftung: Double-shot molding Variante Form: zylindrisch Material: PBT-Kunststoff Beschriftung: Double-shot molding |
| Zusatztasten: | 2 × Medien Scrollrad (Helligkeit, Lautstärke) |
| Medienfunktionen: | Stumm, Lautstärke, Abspielen/Pause, Stopp, Vor/Zurück |
| Zusatzfunktionen: | Profile wechseln, Helligkeit (regeln, ausschalten), LED-Modi, Gaming-Modus |
| Beleuchtung: | Farbe: RGB Modi: Atmungseffekt, Welleneffekt, Reaktiver Modus, umlaufende Aktivierung, Gaming-Beleuchtung, Farbschleife Sonstige: individuelle LED-Profile |
| Makros & Programmierung: | 8.092 kB, 5 Profile, Hardware-Wiedergabe vollständig (inkl. Sekundärbelegung) programmierbar |
| Preis: | ab 140 € / 190 € |
Analoge Taster in Version 2
Die Einordnung im Pro-Lineup hat allerdings irreführendes Potential. Eigentlich sitzt das Modell zwischen beiden Serien. Während es die K70 Pro nur mit herkömmlichen mechanischen Tastern gibt, besitzt die TKL-Version wie sonst nur die Max-Version einstellbare analoge Taster mit Hall-Effekt-Sensoren. Sie erfassen die Eindrücktiefe des dazu mit Magneten versehenen Stempels.
In der K70 Pro TKL findet die zweite Generation von Corsairs linearen MGX-Tastern Verwendung, die sich am türkis gefärbten Stempel erkennen lässt. Der Zusatz „Hyperdrive“ verspricht große Änderungen, die tatsächlich alle Bereiche des Tasters umfassen.
Der Stempel wird nun mit je zwei Führungsschienen pro Seite geführt („Double Rail“), was auf Gateron als Fertiger hindeutet, und werksseitig geschmiert. Der Widerstand bleibt zwischen 30 und 55 Gramm, der maximale Hub bei 4,1 Millimetern. Dabei überzeugen die Taster mit sauberem und reibungsfreiem Eingleiten. Der etwas verringerte Widerstand sortiert die Modelle zwischen NZXT und Wootings Lekker-45-Tastern ein.
Sie sind damit agiler als der magnetische „Standardtaster“, aber dadurch schwieriger präzise zu nutzen, insbesondere bei sehr frühem Signalpunkt. Hier kommt es aufgrund der Leichtgängigkeit schnell zu versehentlichen Fehlauslösungen. Ein halber Millimeter und weniger eignet sich ganz im Gegensatz zu den schwergängigeren Versionen bei den Hyperdrive-Modellen nicht mehr unbedingt zum Arbeiten. Spiele gehen schon eher, eine gewisse Fehleranfälligkeit bleibt. Bewusste Betätigung belohnt der Taster dafür mit gefühlter Geschwindigkeit. Vorrangig zum Spielen gebaut, suggeriert diese Abstimmung. Alltagstauglichkeit bleibt jedoch voll erhalten, weil für Normal- und Spielemodus eine individuelle Empfindlichkeit festgelegt werden kann.
Einen extrem frühen Signalpunkt wählen zu können ist bei Corsair neu. Einstellbar ist die zweite Generation MGX-Taster zwischen 0,1 und 4 Millimeter, also nunmehr auf dem Niveau der Konkurrenz. Der empfohlene Bereich für maximale Genauigkeit bleibt allerdings zwischen 0,4 und 3,6 Millimeter und damit dem Einstellbereich der alten MGX-Taster. Darüber hinaus bietet Corsair Rapid Trigger und Flash-Tap, Corsairs Snap-Tap-Alternative, die das seitliche Ausweichen in Shootern kinderleicht macht. Doppelbelegungen müssen in der Software zunächst aktiviert werden und können dann über einen leicht zu übersehenden Umschalter neben der „Modifier“-Taste im Tastenbelegungs-Reiter ergänzt werden. Das ist derart umständlich, dass es einer Nachfrage beim Hersteller bedurfte.
Die zweiten Taster sind normal
Die MGX Hyperdrive sind jedoch nicht die einzigen Taster in der K70 Pro TKL. 23 von 85 Tasten, die F- sowie Funktions- und Pfeiltasten, nutzen normale mechanische Taster. Corsair verbaut an diesen Stellen MLX Plasma. Sie sind ebenfalls linear abgestimmt und vorgeschmiert, in der Abstimmung – Widerstand 45 Gramm, Auslösepunkt bei 1,9 von 4 Millimeter Hub – normale rote Switches.
Diese Mischbestückung erweist sich gewissermaßen als Achillesverse der Tastatur. Zwar werden die MLX-Tasten tendenziell selten benötigt, der Unterschied macht sich aber auf allen Ebenen bemerkbar. MLX-Tasten klingen zunächst anders. Sie klackern eine Spur dumpfer. Beim Eindrücken geben die Taster zudem aufgrund der Mechanik eine andere Rückmeldung: Es kratzt vereinzelt etwas mehr, die Metallplättchen sind gewissermaßen dezent spürbar. In der Rückmeldung wirken die Taster zudem nicht ganz der Preisklasse angemessen. Damit muss man leben, denn Hot-Swap-Sockel fehlen der K70 Pro TKL.
Alltag & Akustik
Prinzipiell funktioniert die K70 Pro TKL. Egal in welchem Bereich gilt allerdings, dass sie selten inspiriert wirkt. Im besten Fall verdient sie sich das Prädikat „okay“.
Akustik: relativ leise
Zwei Schichten Dämmung, die nicht aus Schaumstoff sondern Silikon bestehen, reduzieren das Akustikprofil der K70 Pro TKL, zusätzliche Dämmung unter der Leertaste gleicht den Klang der Tastenkappe an. Spitze kann das aber nicht werden. Ultimativ satten und rückhallfreien Klang gewährleistet nur ein umschließendes Chassis für klare „Klicks“ am Anschlag. Zwar ist die K70 keine besonders laute Tastatur, aber hörbar und im helleren Bereich des Spektrums, was bei Randtasten mit MGL-Tastern noch einmal deutlicher wird. Das ist okay, gibt aber beileibe keinen Ohrgasmus.
Alltags-Irritationen
Andere Aspekte sind es weniger. Die Mischbestückung irritiert fast wie in der vergangenen Dekade in der Corsair K60. Je früher man die Taster auslösen lässt, desto häufiger passiert es, dass man auch normale Tasten nur antippt, dann aber nicht mehr auslöst oder zwei „Betätigungsarten“ mischt. Auch das Feedback unterscheidet sich naturgemäß durch die zusätzlichen Bauteile etwas.
Da auch 0,5 und weniger Millimeter als Auslösepunkt gangbare Optionen sind, können sich die Tasten dahingehend deutlich unterscheiden – von der grundsätzlich ähnlichen, aber eben nicht identischen Charakteristik und Akustik einmal abgesehen, die sich ebenfalls bemerkbar macht. Das passiert, wenn man spielt und schreibt, mitunter nicht oft, fällt aber immer wieder auf. Schöner ist es ganz klar einheitlich. Auch die Handballenauflage bleibt wie üblich zu schmal; man hat ab und an das Gefühl fast abzurutschen.
Andere Entscheidungen sind sinniger, darunter das Ersetzen von drei Funktionstasten. Die Umsetzung hakt jedoch. Beim Drehregler irritiert jedoch die fast schon unangenehm fühlbare Kante an der Oberseite, die Tasten daneben liegen ein wenig zu tief. Es ginge bequemer und schöner, würde man sie zumindest weiter nach oben legen oder durch mechanische Tasten ersetzen.
Auch den Spielemodus mit einem zweiten Satz Settings zu verknüpfen ergibt Sinn und erscheint praktisch. Dass auf statische Beleuchtung umgestellt wird, brandmarkt allerdings die anstrengenden Standard-Blinkeffekte als, das, was sie sind: Überflüssig. Sie aus der Werkskonfiguration zu streichen wäre dringend geboten.
Software: beschnitten
Dazu muss jedoch erst die Software installiert werden, die noch immer Extraklicks beim Installieren verlangt. Das bleibt ein Vorbote: Die Gliederung von iCUE ist zwar klar, die Nutzung deutlich weniger. Hier hat sich seit anderthalb Jahren nicht allzu viel getan, was den Eindruck erweckt, die Software sei ein Checklisten-Feature, dem man die tatsächliche Nutzung abseits der tatsächlich recht runden LED-Steuerung abspricht.
Das Zuweisen von Tasten erscheint unintuitiv, die Konfiguration der Taster selbst könnte mit besserer Vorschau zum Ausprobieren verständlicher werden. Dass es nach frustrierender Suche und trotz Konsultation des Handbuches ohne Rückfrage beim Hersteller nicht möglich war Doppelbelegungen vorzunehmen, spricht Bände.
Dabei hat die K70 Pro TKL noch einen „Vorteil“ gegenüber der K70 Max: Sie verkleinert die Spielräume zur Individualisierung. Drehregler und FN-Ebene bieten nur noch vordefinierte Funktionen, sind also nicht mehr frei programmierbar. Das ist absolut unverständlich für ein Feature, das spätestens in dieser Preisklasse immer mehr zum Standard wird.
Fazit: Der Satz mit X
Prinzipiell schrumpft Corsair mit der K70 Pro TKL einfach eine bewährte Tastatur auf ein kompakteres Format. An sich funktioniert sie in vielen Bereichen vernünftig, wenn auch selten mit inspirierter Brillianz. Nur: Zu zwei Sorten Taster kann es in diesem Fall kaum zwei Meinungen geben.
Im Prinzip beweist die Heterogenität bei der Signalerfassung wieder einmal hör- und spürbar, warum sie nur die zweitbeste Idee ist. Man kann sich damit zwar arrangieren, will das aber schlicht nicht wollen. Man hört und spürt die Mischbestückung, ohne erkennbaren (Preis-)Vorteil.
Läge sie im luftleeren Raum, würde die Tastatur auch mit der schwierigen, featureseitig unterdurchschnittlichen Software durchaus funktionieren, dann als Eingabegerät zum reinen Eingeben, bei dem man einmal die Beleuchtung und dann den Auslösepunkt der meisten Taster einstellt und ansonsten as-is benutzt. So kann man nicht sagen, dass K70 Pro TKL besonders überzeugt. Nicht als 180-Euro-Tastatur.
Dazu müsste sie jedoch ein Analogtechnik-Preiskracher sein. Selbst wenn man tief im Corsair-Ökosystem steckt, verlangt sie als Paket zu viel ab, selbst mit unbändigem Wunsch nach einem abgestimmten LED-Orchester auf dem Schreibtisch.
Im engen Konkurrenzfeld fällt es schwer, Raum für die K70 Pro TKL zu sehen. Für 30 Euro weniger gibt es im gleichen Format aber die Logitech Pro X TKL Rapid mit 100% Analogtechnik und auch ansonsten reichlich Alternativen ohne Mischbestückung. Erweitert man Layout-Optionen, etwa auf das im Endeffekt ähnlich funktionale 80- oder 75%-Format, wird die Luft schnell dünn. Die ultimative Analog-Experience bietet Wooting in Form der 80 HE (Test) für 50 Euro mehr, darüber liegt eine Keychron Q1 HE mit Metallgehäuse. Günstiger und flexibler als bei Corsair wird es mit einer Ducky One X (Test), eine Keychron K2 HE zum ähnlichen Preis schlägt sich ebenfalls deutlich besser. Andersherum gedacht gibt es mit mechanischer Tastentechnik schon erste Vollmetall-Tastaturen.
- Geschmeidige, leichtgängige Analogtaster
- Sinnvolle Zusatztasten
- Analogtechnik im TKL-Format
- Taster-Mischbestückung
- Hartkantiger Drehregler
- Eingeschränkte Konfigurationsmöglichkeiten
- Schmale Handballenauflage
ComputerBase hat die K70 Pro TKL von Corsair leihweise zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.
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