„Böswillige Taktik“: OpenAI erhebt wegen Musks Anschuldigungen Gegenklage
Die öffentlich geführte Auseinandersetzung zwischen Elon Musk und OpenAI schwelt bereits seit geraumer Zeit. Nun hat der GPT-Entwickler eine neue Eskalationsstufe gezündet und eine Gegenklage gegen Musk mit der Anschuldigung eingereicht, mit seinem Verhalten die Entwicklung von OpenAI behindern und verlangsamen zu wollen.
Im März 2024 hatte Elon Musk Klage gegen OpenAI erhoben, um zu verhindern, dass sich das Unternehmen zu einer profitorientierten Gesellschaft umformt. Musk, der zu den Mitbegründern des einstigen Startups gehört und dieses im Jahr 2018 verließ, warf OpenAI vor, sich nicht mehr dem Allgemeinwohl verpflichtet zu fühlen – im Gegensatz zur ursprünglichen Ausrichtung.
Im November 2024 ergänzte Musk die Klage und weitete diese auf Microsoft aus, das seiner Aussage zufolge in den fünf Jahren zuvor rund 14 Milliarden US-Dollar in OpenAI investiert habe. Dies wurde von ihm als wettbewerbswidriges Verhalten gewertet. Interne E-Mails aus dem Jahr 2017 sollen jedoch belegen, dass Musk bereits damals eine Umwandlung von OpenAI in ein gewinnorientiertes Unternehmen beabsichtigte, das eng an Tesla angebunden werden sollte. Auch das Unternehmen nahm dazu Stellung.
Übernahmeangebot mit Gegenangebot verpuffen lassen
Im Februar dieses Jahres folgte überraschend ein Übernahmeangebot in Höhe von rund 97 Milliarden US-Dollar an OpenAI, das von Musk und einer Investorengruppe unterbreitet wurde. Dieses wurde jedoch von Sam Altman umgehend abgelehnt. Stattdessen konterte Altman mit einem symbolischen Gegenangebot von 9,7 Milliarden US-Dollar für Musks Kurznachrichtendienst X. In der Gegenklage wird das Angebot von Musk nun als „Scheinangebot“ bezeichnet.
Ein Eilantrag Musks, die Entwicklung von OpenAI zu stoppen, wurde Anfang März 2025 von einem Bundesbezirksgericht in Oakland, Kalifornien, abgelehnt. So wird der Fall voraussichtlich im Frühjahr 2026 vor Gericht verhandelt werden.
Elon’s nonstop actions against us are just bad-faith tactics to slow down OpenAI and seize control of the leading AI innovations for his personal benefit. Today, we counter-sued to stop him.
— OpenAI Newsroom (@OpenAINewsroom) April 9, 2025
OpenAI will Methode erkennen
Beobachter werten Musks Vorgehen jedoch bereits seit Längerem als Versuch, die Entwicklungen bei OpenAI zu verlangsamen, um dem eigenen KI-Unternehmen xAI und dem dort entwickelten Chatbot Grok Zeit zu verschaffen, den Rückstand gegenüber GPT zu verringern. Diese Sichtweise teilt nun auch OpenAI und hat aus diesem Grund Klage gegen Musk eingereicht. In der Klageschrift heißt es unter anderem, dass „Elons ständige Aktionen gegen uns nur eine böswillige Taktik sind, um OpenAI zu verlangsamen und die Kontrolle über die führenden KI-Innovationen zu seinem persönlichen Vorteil zu übernehmen“. Musks „fortgesetzte Angriffe auf OpenAI“ sollen zuletzt in einem „gefälschten Übernahmeangebot“ gegipfelt sein, mit dem Ziel, die Zukunft des Unternehmens zu stören.
OpenAI fordert daher ein Ende dieses Vorgehens und verlangt, dass Musk von weiteren unlauteren Handlungen abgehalten und für die bereits verursachten Schäden zur Rechenschaft gezogen wird. Laut Klageschrift sei Musk bereit, jedes verfügbare Mittel einzusetzen, um OpenAI zu schaden – darunter „Angriffe in der Presse“ oder „bösartige Kampagnen, die an Musks mehr als 200 Millionen Follower auf der von ihm kontrollierten Social-Media-Plattform gesendet wurden“.