Im Falle einer Zerschlagung: OpenAI würde Googles Chrome-Browser kaufen
Sollte Google im derzeit laufenden Kartellverfahren zur Dominanz der eigenen Suchmaschine zur Abspaltung von Chrome gezwungen werden, könnte das Unternehmen in OpenAI einen dankbaren Käufer finden. Für den KI-Spezialisten würden sich dadurch vielfältige neue Möglichkeiten eröffnen.
Vielversprechende Möglichkeiten für OpenAI
„Ja, das würden wir“, soll Nick Turley, Leiter von ChatGPT bei OpenAI, während einer Anhörung vor einem Bundesgericht in Washington auf die Frage, ob das Unternehmen bei einer Abspaltung von Chrome einen Kauf des Browsers anstreben würde, geantwortet haben, um gleich „wie viele andere Parteien auch“ hinzuzufügen. Derzeit existiert lediglich eine Erweiterung für Googles Chrome-Browser, eine tiefere Integration des Chatbots könne laut Turley jedoch ein besseres Produkt ermöglichen.
Auch in anderen Bereichen könnte eine engere Zusammenarbeit neue Wege eröffnen: So sei laut Turley aktuell der Vertrieb bei OpenAI ein Punkt, der weiter optimiert werden müsse. Während es dem Unternehmen gelungen sei, ChatGPT über eine Vereinbarung mit Apple in das iPhone zu integrieren, blieben vergleichbare Erfolge im Android-Segment bislang aus.
OpenAI unterliegt Googles Marktmacht
Dies könnte auch darauf zurückzuführen sein, dass Google entsprechenden Unternehmen bei der Vorinstallation seiner eigenen KI Gemini finanziell „unter die Arme greift“. So wurde im Rahmen des Verfahrens erst kürzlich öffentlich, dass Samsung nach Angaben von Peter Fitzgerald, Googles Vizepräsident für Plattformen und Gerätepartnerschaften, für die Implementierung von Gemini auf Smartphones und Tablets monatlich eine „enorme Summe“ erhalten haben soll. Darin könnte ebenso ein Grund gelegen haben, dass sich Samsung für Googles und gegen OpenAIs KI-Lösung entschieden hatte. Zwar sei die Vereinbarung mit Google laut Turley nicht exklusiv gewesen, dennoch sollen die Verhandlungen zwischen OpenAI und Samsung nicht von Erfolg gekrönt gewesen sein, auch weil das ehemalige Startup Google nicht übertreffen konnte. „Es lag nicht daran, dass wir es nicht versucht hätten“, erklärte der ChatGPT-CEO in der Verhandlung. „Wir sind nie zu einem Punkt gekommen, an dem wir konkrete Bedingungen besprechen konnten.“
Google soll sich von Chrome trennen
Turley wurde im Rahmen des von 38 Generalstaatsanwälten sowie dem Justizministerium der Vereinigten Staaten angestrengten Kartellverfahrens zur Zerschlagung des Suchmaschinen-Monopols angehört. Der zuständige Richter Amit Mehta, der bereits mehrere Verfahren gegen Google geleitet hat, will bis August entscheiden, welche Geschäftspraktiken geändert werden müssen, um die Vormachtstellung des Unternehmens im Bereich der Internetsuche zu begrenzen. Das Justizministerium schlägt unter anderem vor, Google zum Verkauf des Chrome-Browsers zu zwingen, Suchdaten an Mitbewerber zu lizenzieren und exklusive Platzierungen in Apps auf Geräten nicht mehr zu erlauben. Google hingegen warnt davor, dass eine Abspaltung vor allem den Nutzern schade, da sich die Qualität der Dienste verschlechtern und die technologische Führungsrolle der Vereinigten Staaten gefährdet werden könne.
Letzte Aufspaltung in den USA Anfang der 1980er Jahre
Wie ernst Gerichte in den Vereinigten Staaten eine mögliche Zerschlagung nehmen, zeigt ein Blick in die Vergangenheit: Die letzte gerichtlich angeordnete Aufspaltung eines großen US-Konzerns liegt über vier Jahrzehnte zurück. Bereits 1974 leitete das Justizministerium ein Antitrust-Verfahren gegen den Telekommunikationsanbieter AT&T ein, das erst 1982 endete, als sich das Unternehmen zur Trennung von Tochtergesellschaften bereiterklärte, die für lokale Vermittlungsdienste zuständig waren.