Online-Enzyklopädie: Musks Grokipedia ist online und kopiert bei Wikipedia
Die von Elon Musk bereits Ende September angekündigte Online-Enzyklopädie Grokipedia ist seit Kurzem online und ähnelt dem bekannten Vorbild Wikipedia stärker, als zunächst vermutet wurde. Der Start verlief allerdings nicht reibungslos, denn kurz nach der Freischaltung war die neue Enzyklopädie für mehrere Stunden offline.
Unspektakuläres Gewand
Beim Design zeigt sich Grokipedia derzeit noch schlicht und weniger ausgereift. Während Wikipedia, das bereits seit 2001 besteht, auf ein aufgelockertes Erscheinungsbild mit Bildern und zusätzlichen Informationen setzt, präsentiert sich Musks Nachschlagewerk bislang überwiegend als textlastige Plattform mit teils sehr langen und unbebilderten Artikeln. Eine Möglichkeit zur Bearbeitung der Seiten durch beliebige Nutzer, wie sie Wikipedia bietet, fehlt bislang vollständig.
Rund 885.000 Artikel und Beiträge sollen derzeit verfügbar sein, nach eigenen Angaben alle auf Richtigkeit und Korrektheit geprüft – mit großer Wahrscheinlichkeit alleinig durch Musks eigenes KI-Modell Grok. Da KI-Modelle jedoch weiterhin dazu neigen, Inhalte zu halluzinieren und damit vermeintliche Fakten zu erfinden, dürfte diese Aussage mit Vorsicht zu genießen sein.
Wikipedia – mehr als nur eine Vorlage
Musk hatte Grokipedia ursprünglich als deutliche Verbesserung gegenüber bestehenden Wiki-Lösungen wie Wikipedia angekündigt. Nach dem jetzt vollzogenen Start ist davon allerdings wenig zu erkennen. Zahlreiche Artikel scheinen aus der ursprünglichen Quelle übernommen worden zu sein, was sich auch daran zeigt, dass viele Beiträge den Hinweis enthalten, ihr Inhalt stamme von Wikipedia. Dies ist grundsätzlich unproblematisch, da die verwendete „Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 License“ eine solche Nutzung ausdrücklich erlaubt, lässt Grokipedia jedoch kaum als eigenständiges Projekt erscheinen.
Lauren Dickinson, Sprecherin der Wikimedia Foundation, die Wikipedia betreibt, äußerte sich gegenüber The Verge entsprechend: „Selbst Grokipedia braucht Wikipedia, um zu existieren“.
Einige Artikel wurden leicht angepasst, andere nahezu unverändert übernommen. Auffällig sind dabei vor allem inhaltliche Unterschiede bei Themen mit gesellschaftlicher oder wissenschaftlicher Relevanz. So weist Wikipedia in Artikeln zum Klimawandel darauf hin, dass „ein nahezu einstimmiger wissenschaftlicher Konsens darüber besteht, dass sich das Klima erwärmt und dass dies durch menschliche Aktivitäten verursacht wird. Keine nationale oder internationale wissenschaftliche Einrichtung widerspricht dieser Ansicht“. Auf Grokipedia liest sich derselbe Abschnitt hingegen so: „Kritiker behaupten, dass Behauptungen über einen nahezu einstimmigen wissenschaftlichen Konsens über anthropogene Ursachen, die den jüngsten Klimawandel dominieren, aufgrund selektiver Kategorisierung in Literaturübersichten die Übereinstimmung überbewerten“.
Fragwürdige Aussagen lassen nicht lange auf sich warten
Auch an anderer Stelle fällt Grokipedia durch fragwürdige Behauptungen auf. So finden sich Einträge, die der Pornografie eine Mitverantwortung für die Verschärfung der AIDS-Epidemie zuschreiben oder nahelegen, dass soziale Medien zu einem Anstieg der Zahl von Transgender-Personen beitragen könnten. In Bezug auf die Versklavung afroamerikanischer Menschen enthalten einige Artikel zudem Einträge und Behauptungen, die teils als Rechtfertigungen für die damaligen Zustände gesehen werden können und entsprechend kontrovers bewertet werden dürften. Darüber hinaus wird immer wieder Kritik an Medien geübt, denen eine vermeintlich „linksgerichtete Voreingenommenheit“ unterstellt wird.
Auch quantitativ kein Vergleich zu Wikipedia
Ebenso kann Grokipedia in quantitativer Hinsicht bisher nicht mit Wikipedia konkurrieren. Während Musks Enzyklopädie nach eigenen Angaben rund 885.000 Artikel umfasst, zählt allein die englischsprachige Version von Wikipedia über 7 Millionen Einträge. Der ursprünglich für die Vorwoche geplante Start wurde kurzfristig verschoben, da Musks Team „noch mehr Arbeit leisten müsse, um die Propaganda zu entfernen“. Musk hatte Grokipedia mehrfach als notwendiges Gegenstück zur seiner Ansicht nach einseitigen Informationspolitik von Wikipedia bezeichnet. Der tatsächliche Start verlief jedoch holprig: Am Montagnachmittag ging die Seite online, war aber aufgrund technischer Probleme schon kurz darauf wieder für mehrere Stunden nicht erreichbar.
Ob sich Grokipedia durchsetzen kann, bleibt die große Frage
Ob Grokipedia künftig als weiteres Nachschlagewerk neben Wikipedia bestehen kann, hängt weniger von der technischen Entwicklung ab, sondern vielmehr von der inhaltlichen Tiefe und der Glaubwürdigkeit der veröffentlichten Artikel. Bereits Musks KI-Chatbot Grok war in der Vergangenheit mit problematischen Aussagen aufgefallen, darunter auch mit der Leugnung des Holocaust. Da dieses KI-Modell die Grundlage für Grokipedia bildet, bleibt fraglich, welche Qualität die durch dieses generierten Inhalte tatsächlich erreichen. Ebenso unklar ist bislang, welche Mechanismen Musk zur Überprüfung und Qualitätssicherung der Artikel implementiert hat oder noch einführen will.