Rabattchecker Honey: Erweiterung jubelt Kunden heimlich Affiliate-Cookies unter
Die Browser-Erweiterung Honey ist bekannt für das Finden und Empfehlen von Rabattcodes beim Kauf auf Websites. Was bisher nicht bekannt war: Honey jubelt den Kunden bei fast jeder Interaktion Affiliate-Cookies unter, um Kommissionen bei deren Einkäufen zu erzielen – sogar wenn Honey keinen Beitrag wie Couponcodes leistet.
Honey überschreibt Cookies des Nutzers
Honey, eine Tochterfirma des Bezahlriesen PayPal, bewirbt sich seit Jahren als Erweiterung, die für Nutzer nach den besten Rabattcodes sucht. Auf jeder Webseite ist sie mit dabei und soll sich melden, wenn der Nutzer etwas sparen kann.
Der YouTuber MegaLag hat nun jedoch aufgezeigt, dass Honey sich an den Affiliate-Kommissionen seiner Nutzer bedient: Bei Interaktion mit der Browser-Erweiterung öffnet sich oftmals leise ein neuer Tab im Hintergrund, der einen Affiliate-Link beinhaltet und somit in vielen Fällen Affiliate-Cookies von anderen Creator, Webvideo-Produzenten und News-Seiten kurz vor dem Einkauf überschreibt.
Teils Kommission ohne Gegenleistung
Honey überschreibt und beschreibt die Cookies jedoch nicht nur beim Cashback-Programm Honey Gold, sondern, auch wenn die Erweiterung keinen Beitrag zum Einkaufserlebnis leistet.
In folgenden Fällen berichtet MegaLag den heimlichen Affiliate-Cookie ausgelöst zu haben:
- Beim Aktivieren von Coupons, egal ob Coupons gefunden werden.
- Bei Honey Gold wird ebenfalls ein neuer Cookie gesetzt, hier wird jedoch mit Cashback geworben. Kritisiert wird hier zudem, dass Honey mindestens eine 5%-Kommission erhält, davon jedoch nur Bruchteile auszahlt.
- Auch wenn Honey weder Cashback noch Coupons bietet, platziert die Erweiterung einen Affiliate-Cookie, wenn der Nutzer das „Wir konnten nichts finden“-Popup bestätigt.
In keinem der Fälle ist es scheinbar für den Nutzer ersichtlich, ob und wann ein Affiliate-Cookie gesetzt wird. MegaLag weist zudem darauf hin, dass andere Dienste wie KarmaNow auf einem ähnlichen Weg agieren.
Honey durch Influencer bekannt geworden
Groß geworden ist Honey jedoch nicht nur mit dem Versprechen, die besten Coupons im digitalen Zeitalter automatisch zu kuratieren. Auch eine über Jahre großangelegte Marketingkampagne, die Sponsoring mit YouTuber beinhaltet, hat dazu beigetragen: namhafte Größen wie Mr. Beast, Marques Brownlee, H3H3 Productions, Linus Tech Tips, Oversimplified und viele mehr haben die Erweiterung beworben. Alleine die Videos von Mr. Beast, in denen Honey angepriesen wurde, haben über 3 Milliarden Aufrufe erzielt.
Influencer große Leidtragende
Zynischerweise sind genau diese Bewerber nun die großen Leidtragenden von Honeys Vorgehensweise, denn wenn Honey sich die Kommission selbst unter den Nagel reißt, erhalten YouTuber diese nicht (mehr).
Linus Tech Tips zog bereits 2022 Konsequenzen
Zumindest in einem Fall hat dies auch schon zu einem Zerwürfnis geführt: Wie ein Team-Mitglied von Linus Tech Tips (LTT) bereits im März 2022 bestätigte, hat LTT die Werbeverträge mit Honey gekündigt, nachdem ihnen dieses Verhalten der Anwendung aufgefallen ist.
LTT und seine Partnerkanäle stellen für Honey das drittgrößte Sponsoring dar. Aufgrund der jahrelangen Zusammenarbeit wollte der kanadische Tech-Kanal – nach eigenen Angaben – Honey dazu bringen, seine Methodik zu ändern. Doch der Couponchecker blieb wenig aufgeschlossen und verweigerte eine Zusammenarbeit in der Sache. Das Sponsoring zerbrach.
We have a community forum where community members can bring up concerns with sponsors. As soon as these issues with Honey were brought to us, we tried to work with them to remedy them. After a few calls, we were informed they weren't willing to change, so we stopped working with them across all channels.
Linus Media Group
Ungereimtheiten auch bei Rabattcodes von Honey
Bei der Recherche fiel zudem auf, dass Honey nicht immer alle aktuellen Couponcodes besitzt und von Nutzern nachgetragene Codes nicht zwingend in der Datenbank übernimmt. MegaLag bemerkte daraufhin, dass es jedoch einige Honey-Codes gibt, also Coupons, die mutmaßlich zwischen Honey und der Website verhandelt werden.
Hintergeht Honey sein Versprechen?
MegaLag schlussfolgert nun, dass Honey damit die Rabatte, die Nutzer verwenden, kontrollieren möchte, indem höherwertige Coupons für den Partner schlicht nicht angezeigt werden.
Verpartnerte Webseiten haben laut den FAQ tatsächlich ein Recht, über die Inhalte (Coupons) in der Browser-Erweiterung zu bestimmen und bezahlen aufgrund der festen Kommissionsstruktur des Unternehmens auch für ebenjene Partnerschaft.
Ob die Partner jedoch das inhaltliche Bestimmungsrecht auch so aggressiv wahrnehmen wie von MegaLag dargestellt, ist noch unklar. Der YouTuber kündigt für die Zukunft weitere Erkenntnisse zur Vorgehensweise von Honey an.