Telegram: Zwei Schwarzmärkte für Geldwäsche geschlossen

Michael Schäfer
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Telegram: Zwei Schwarzmärkte für Geldwäsche geschlossen
Bild: sllmnht | gemeinfrei

Telegram hat nach eigenen Angaben infolge eines Verbots durch das US-Finanzministerium zwei auf dem sozialen Netzwerk betriebene Schwarzmärkte geschlossen. Diese sollen vorrangig für den Verkauf gestohlener Daten sowie zur Geldwäsche von Kryptowährungen genutzt worden sein.

Zehn mal so hohe Einnahmen wie seinerzeit Silk Road

Die beiden nun abgeschalteten chinesischsprachigen Märkte Xinbi Guarantee und Huione Guarantee sollen laut bisherigen Informationen bereits seit 2021 betrieben worden sein und durch den Verkauf von Daten an Cyber-Kriminelle Schätzungen zufolge mehr als 35 Milliarden US-Dollar Umsatz erzielt haben. Nach Einschätzung des Blockchain-Forschungsunternehmens Elliptic seien die mutmaßlich illegalen Plattformen damit in der kurzen Zeit deutlich lukrativer gewesen als der 2013 vom FBI stillgelegte Drogenmarktplatz Silk Road. Damals beschlagnahmte die zentrale Sicherheitsbehörde der Vereinigten Staaten mit 3,4 Milliarden US-Dollar weniger als ein Zehntel der jetzt sichergestellten Summe.

Elliptic bezeichnete die Abschaltung beider Märkte als „einen großen Schlag für Online-Betrüger“, da für diese aufgrund der Maßnahmen eine zentrale Quelle für „gestohlene Daten, Geldwäschedienste und Telekommunikationsinfrastruktur“ entfalle.

Kanäle schon einmal gelöscht

Bereits Anfang des Jahres hatte Telegram laut einem Bericht von Elliptic versucht, mehrere Kanäle von Huione Guarantee zu entfernen. Dank vorhandener Backups gelang es den Betreibern jedoch, den Marktplatz auf neuen Kanälen erneut in Betrieb zu nehmen. Trotz dieser Wiederherstellung soll Huione Guarantee infolge der Maßnahmen eine erhebliche Zahl an Nutzern verloren haben: So soll laut den Experten etwa ein zentraler Kanal mit vormals über 800.000 Nutzern seinerzeit auf lediglich nur noch 250.000 Nutzer geschrumpft sein – ein Rückgang von mehr als zwei Dritteln.

Seit Jahren aktiv

In einem Bericht von Wired, das eigenen Aussagen nach die Blockade durch den Hinweis auf die Erkenntnisse der Forschergruppe gegenüber Telegram ins Rollen gebracht haben soll, wird vermutet, dass Huione Guarantee entgegen den Angaben von Telegram, die Plattform erst vor kurzem entdeckt zu haben, bereits seit Jahren im Verborgenen auf der Plattform aktiv gewesen sei.

In einer an das IT-Magazin übermittelten Erklärung teilte Telegram-Sprecher Remi Vaughn mit, dass „Gemeinschaften, die uns zuvor von Wired gemeldet wurden oder in den von Elliptic veröffentlichten Berichten enthalten waren, alle abgeschaltet wurden“. Weiter erklärte er, dass „kriminelle Aktivitäten wie Betrug oder Geldwäsche durch Telegrams Nutzungsbedingungen verboten sind und immer entfernt werden, wenn sie entdeckt werden“. Weitere Stellungnahmen lehnte Telegram ab.

Ermittlungen auch vom US-Finanzministerium

Anders als Silk Road agierten die beiden Marktplätze nicht vollständig im Verborgenen. So soll Huione Guarantee eine Tochtergesellschaft der in Kambodscha ansässigen Huione Group sein, zu der nach US-Angaben auch Huione Pay und Huione Crypto gehören. Bereits Anfang Mai leitete das US-Finanzministerium Maßnahmen ein, um die Huione Group vom US-Finanzsystem auszuschließen. Finanzminister Scott Bessent warf der Gruppe vor, „kriminelle Syndikate zu unterstützen, die den Amerikanern Milliarden von Dollar gestohlen haben“. Zudem sei die Gruppe laut einem Bericht von Ars Technica unter anderem in die Wäsche von „mindestens 37 Millionen US-Dollar in Kryptowährungen aus Cyber-Raubüberfällen durch Nordkorea und 36 Millionen US-Dollar in Kryptowährungen aus sogenannten ‚Schweineschlachtungen‘“ verwickelt gewesen.

Darüber hinaus soll die Plattform im vergangenen Jahr Kryptowährungen im Wert von über 150.000 US-Dollar von einer digitalen Geldbörse erhalten haben, die der nordkoreanischen Hackergruppe Lazarus zugeschrieben wird.

Ein Markt stellt den Dienst ein

Kurz nach der Entfernung von Telegram bestätigte Huione Guarantee, das mit 27 Milliarden US-Dollar für den größten Teil der genannten Einnahmen verantwortlich gewesen sein soll, in einer auf der eigenen Website in englischer Sprache veröffentlichten kurzen Erklärung, dass der Markt seine geschäftlichen Aktivitäten aufgrund der seit Dienstag andauernden Blockade vollständig einstellen werde. Xinbi Guarantee hingegen scheint hingegen bemüht zu sein, seine Dienste über neue Telegram-Kanäle weiter anzubieten.

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