Windsurf: Anthropic soll Zugang zu Claude-KI-Modellen einschränken

Michael Schäfer
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Windsurf: Anthropic soll Zugang zu Claude-KI-Modellen einschränken
Bild: Kanenori

In einem Beitrag auf X erhebt Windsurf-CEO Varun Mohan schwere Vorwürfe gegen Anthropic: Der Anbieter soll dem KI-Code-Editor den Zugang zu seinen Claude-Modellen eingeschränkt haben, was nun zu Verfügbarkeitsproblemen führen kann.

Geringe Vorwarnzeit

Mohan führt in dem Beitrag aus, dass Anthropic mit weniger als fünf Tagen Vorankündigung nahezu die gesamte First-Party-Kapazität für sämtliche Claude-3.x-Modelle, darunter Claude 3.5 Sonnet, 3.7 Sonnet und 3.7 Sonnet Thinking, gestrichen habe. Dies könne nach Unternehmensangaben zu derzeitigen Engpässen bei den Kapazitäten führen, auch wenn entsprechende Rechenleistung bei anderen Anbietern erhöht wurde. Andere KI-Modelle wie Gemini 2.5 Pro oder GPT 4.1 sollen von den Einschränkungen nicht betroffen sein.

Claude 4 nur über Umwege

In einem dazugehörigen Blog-Eintrag kündigt Windsurf an, aufgrund der Situation einen Sonderpreis für Gemini 2.5 Pro in Höhe von 0,75× anstelle von bislang 1× einzuführen, da es sich bei dem Modell von Google nach eigenen Angaben „um eine starke Alternative innerhalb von Windsurf handelt, die in dieser Zeit hilfreich sein kann“. Infolge der Umstellung musste der direkte Zugriff auf Claude-3.x-Modelle für Nutzer der kostenlosen Version sowie der Testversionen des Pro-Plans entfernt werden. Über BYOK (Bring-Your-Own-Key) seien sämtliche dieser Modelle einschließlich Claude Sonnet 4 weiterhin erreichbar.

Dennoch sei Windsurf bei der Einführung von Claude 4, das laut Darstellung branchenführend bei Software-Engineering-Aufgaben sein soll, offenbar übergangen worden. So habe das Unternehmen am Tag der Veröffentlichung von Anthropic keinen direkten Zugang zur Ausführung von Claude 4 erhalten, was bis heute andauere. Dies habe Windsurf gezwungen, auf alternative Wege zurückzugreifen, wodurch der Zugriff auf das Modell teurer und komplizierter geworden sei. Andere KI-Editoren wie Anysphere's Cursor, Cognition's Devin und Microsoft's GitHub Copilot sollen hingegen direkten Zugang zu Claude 4 erhalten haben.

Nachteile für die ganze Branche

Windsurf gibt weiter an, gegenüber Anthropic klargestellt zu haben, dass dieses Vorgehen nicht in ihrem Sinne sei und es eine Priorität bleibe, die Anthropic-Modelle weiterhin als empfohlene KI-Modelle einzusetzen – einschließlich der Bezahlung der genutzten Kapazitäten. Das Unternehmen will sich nun darauf konzentrieren, zusätzliche dieser Kapazitäten bei anderen Anbietern zu sichern, um das Angebot aufrechtzuerhalten. Laut Windsurf schade das Verhalten von Anthropic nicht nur dem eigenen Unternehmen, sondern „vielen in der Branche“. Der zentrale Wert von Windsurf liege jedoch nicht in einem bestimmten Modell, sondern „im tiefen kontextuellen Verständnis des vorhandenen Wissens“ sowie in den bereitgestellten Funktionen.

Veräußerung an Konkurrenten Grund für Anthropics Verhalten?

Ob das Vorgehen von Anthropic im Zusammenhang mit dem Kauf von Windsurf durch OpenAI steht, die das Start-up vor einem Monat für drei Milliarden US-Dollar übernommen haben, ist bislang unklar.

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