Bessere Farben und heller: Sony entwickelt RGB-LED-Backlight für künftige Fernseher
Sony hat ein neues RGB-LED-Backlight für Fernseher entwickelt, mit dem sich die drei Grundfarben R (Rot), G (Grün) und B (Blau) einzeln steuern lassen. Das soll gegenüber einem klassischen LED-Backlight, WOLED oder QD-OLED für eine originalgetreue Wiedergabe, feinste Farbtöne und subtile Nuancen bei hoher Helligkeit sorgen.
Nachdem es für das Ende 2023 vorgestellte QD-OLED-Flaggschiff A95L bislang keinen Nachfolger bei Sony gegeben hat und das aktuelle Topmodell Bravia 9 auf LCD mit Mini-LED-Backlight setzt, war bereits erkennbar, wohin die Reise bei Sony gehen und dass dabei nicht unbedingt OLED im Mittelpunkt der Entwicklung stehen wird.
20 Jahre nach dem Qualia 005
Mehr als 20 Jahre nach dem weltweit ersten LCD-Fernseher mit RGB-LED-Backlight von Sony, dem 2004 vorgestellten, mit rund 10.000 US-Dollar sündhaft teuren Qualia 005, der eher eine Machbarkeitsstudie war, ist die Technologie jetzt an einem Punkt angekommen, um die Vorteile bisheriger LCD-Panel- und Backlight-Technologien zu vereinen und den Nachteilen den Garaus zu machen. RGB-LED-Backlights gab es zuletzt im Januar im Rahmen der CES auch von Unternehmen wie Hisense, Samsung und TCL unter verschiedenen Markennamen zu sehen, jetzt ist Sony an der Reihe. Die neue Hintergrundbeleuchtung soll 2025 in die Massenproduktion gehen, um daraufhin die Integration in Consumer-Fernseher und Monitore für die professionelle Content-Erstellung folgen zu lassen.
90 Prozent BT.2020 und 4.000 cd/m²
Die unabhängige Farbemission der einzelnen RGB-LEDs gewährleiste Sony zufolge eine hohe Farbreinheit und decke über 99 Prozent des DCI-P3-Farbraums und etwa 90 Prozent des ITU-R-BT.2020-Standards ab. Spitzenhelligkeitswerte von über 4.000 cd/m² sollen sich erreichen lassen und damit an das Niveau der professionellen Monitore von Sony herankommen. Das Unternehmen stapelt nicht tief: Nichts weniger als die höchste Farbintensität in der Geschichte der Displays von Sony soll geboten werden. Durch die individuelle Steuerung der Helligkeit der dicht gepackten RGB-LEDs sei es zudem möglich, helle Bereiche ohne Clipping lebendig darzustellen und in dunklen Bereichen feine Lichtnuancen ohne Übersteuerung wiederzugeben.
Vorteile gegenüber WOLED und QD-OLED
Das Backlight ermöglicht die individuelle Ansteuerung jeder RGB-LED, wobei jedem der drei RGB-Kanäle dynamisch und abhängig von der jeweiligen Szene die passende Leistung zugewiesen werden kann. Laut Sony werde die Leuchtdichte in Einklang mit der Farbgradation angepasst. Das soll sicherstellen, dass selbst einfarbige Szenen – wie ein tiefblauer Himmel oder leuchtend rotes Herbstlaub – mit hellen, lebendigen Details wiedergegeben werden. Weil jedes untergeordnete RGB-Element der RGB-LED mit 32 Bit Genauigkeit angesteuert werden kann, spricht Sony von insgesamt 96 Bit für das Local Dimming des neuen Backlights.
Bestehenden WOLED- und QD-OLED-Panels sei Sony insofern überlegen, als dass die eigene Technologie die Fähigkeit besitze, moderate Helligkeit und Sättigung in Szenen optimal darzustellen, was bei OLED nicht der Fall sei. Vorteile des RGB-LED-Backlight seien nicht nur die gleichzeitige Darstellung von tiefem Schwarz und strahlendem Weiß, sondern auch die detaillierte Darstellung von hellen und dunklen Bereichen in Szenen mit vielen Farbschattierungen. Über die präzise Farbtontrennung lasse sich auch ein weiter Betrachtungswinkel erreichen. Dabei werden laut Sony Farbverschiebungen und Helligkeitsschwankungen minimiert, wenn Inhalte auf einem großen Bildschirm von der Seite betrachtet werden.
Kooperation mit MediaTek wird fortgesetzt
Ein derart aufwendiges Backlight mit vielen LEDs und Zonen verlangt eine entsprechende Ansteuerung durch einen leistungsfähigen Bildprozessor. Sony setzt deshalb die gemeinsame Entwicklung von Prozessoren mit MediaTek fort, deren SoCs aus der Pentonic-Familie bereits bei aktuellen Sony-Fernsehern zum Einsatz kommen.