Steam Machine: Valve kündigt stationäre Gaming-Konsole mit SteamOS an

Fabian Vecellio del Monego
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Steam Machine: Valve kündigt stationäre Gaming-Konsole mit SteamOS an
Bild: Valve

Valve will wieder in den Markt für stationäre Konsolen einsteigen. Der Steam-Betreiber hat überraschend eine neue Steam Machine vorgestellt. Es handelt sich um eine kompakte, würfelförmige Wohnzimmer­konsole für PC-Spiele, auf der nativ SteamOS und damit eine Linux-Distribution läuft. Das System soll Anfang 2026 erscheinen.

Ein Hybrid aus Steam Deck und Current-Gen-Konsole

Valve wagt zehn Jahre später einen neuen Anlauf im Wohnzimmer. Nach dem Erfolg des Steam Decks hat das Unternehmen jetzt die Steam Machine angekündigt. Je nach Blickwinkel handelt es sich um das permanent stationäre Pendant der Handheld-Konsole oder aber einen kompakten, würfelförmigen Mini-PC mit „Semi-Custom“-Hardware und vorinstalliertem „Gaming-Linux“ für das Spielen am Fernseher.

Im Gegensatz zum missglückten Versuch von 2015 konzipiert Valve die Steam Machine diesmal komplett selbst. Das Ziel ist eine einheitliche, wartungsarme Plattform, die PC-Fähigkeiten und Konsolen-Komfort kombiniert. Im Inneren arbeitet eine AMD-CPU mit sechs Zen-4-Kernen und folgerichtig zwölf Threads. Der Takt liegt bei bis zu 4,8 GHz, wird aber voraussichtlich von der 30-Watt-TDP gezügelt werden. Als Vergleich liegt nichtsdestoweniger der Ryzen 5 7400F auf der Hand. Der CPU stehen 16 GB DDR5-Arbeitsspeicher zur Seite. Als dedizierte Grafikkarte kommt ein RDNA-3-Modell mit 28 Compute Units zum Einsatz. Die GPU taktet mit bis zu 2,45 GHz bei einer TDP im Bereich von 110-130 W. Der Speicherausbau liegt bei 8 GB GDDR6.

Die damit insgesamt zustande kommende Leistung liegt laut Valve mehr als sechsmal über der des Steam Decks. Bestenfalls kann das System auf dem Papier mit der ursprünglichen PlayStation 5 und der Xbox Series X mithalten, die PlayStation 5 Pro bleibt jedoch deutlich stärker. Vorteile gibt es insbesondere bei der CPU mit deutlich modernerer Architektur und höherem Takt. In der Praxis werden die Konsolen wiederum die üblichen Vorteile einer gezielten Optimierung auf ein geschlossenes System haben.

Valve bewirbt die Steam Machine derweil mit „Gaming auf Desktop-Niveau“; dank FSR-Upsampling sollen auch „4K-Gaming mit 60 FPS“ und Raytracing möglich sein. Mit 28 RDNA-3-CUs liegt die verbaute GPU allerdings noch ein Stück unter der Radeon RX 7600 (Test), die immerhin auf 32 Compute Units kommt und 165 Watt verbrauchen darf. Noch näher liegen die mobilen Ableger Radeon RX 7700S und RX 7600S (Test). An sehr hohe Grafikeinstellungen mit Raytracing ist insbesondere in aktuellen Blockbuster-Spielen und in 3.840 × 2.160 Pixeln also nicht zu denken; allein die 8 GB VRAM werden dann erfahrungsgemäß schnell zum limitierenden Faktor.

Anzumerken ist außerdem, dass AMD die aktuellste FSR-Version, sprich FSR 4, bisher lediglich für RDNA-4-Grafikkarten vorsieht. Die Steam Machine würde das zeitgemäße Upsampling also verpassen und müsste auf das deutlich unterlegene FSR 3.1 zurückgreifen – es sei denn, hier tut sich in den nächsten Monaten endlich etwas. Andernfalls hätte die PlayStation 5 Pro mit ihrer RDNA-3.5-GPU neben der Rohleistung auch beim Upsampling einen großen Vorteil: Die Konsole soll FSR 4 im nächsten Jahr in einer vollwertigen Umsetzung erhalten, wie Sony schon im Juli angekündigt hat.

Valve setzt konsequent auf SteamOS

Die neue Steam Machine läuft mit SteamOS – also der Linux-Distribution, die auch das Steam Deck nutzt. Das System startet direkt in die vom Steam-Desktop-Client bekannten Big-Picture-Oberfläche und erlaubt nach Anmeldung den Zugriff auf die gesamte Steam-Bibliothek. Analog zur aktuellen Gaming-Konsolen soll es ein System zum schnellen Pausieren und Fortsetzen von Spielen geben. Titel, die keine native Linux-Version besitzen, werden über Proton ausgeführt. Probleme bleiben damit lediglich bei ausgewählten Multiplayer-Spielen, die etwa auf ein tiefgreifendes Anti-Cheat-System im Windows-Kernel setzen: Beispielswiese Valorant und League of Legende von Riot Games laufen unter Linux kategorisch nicht.

Valve bezeichnet SteamOS derweil als Kern seiner Hardwarestrategie. Nach eigenen Angaben habe das Unternehmen durch das Steam Deck „mehrere Millionen Spieler“ für Linux-Gaming gewonnen. Neben dem nativen Spielen unterstützt das Gerät auch Steam Remote Play und selbstredend Cloud-Saves. Wer mag, kann die Steam Machine auch als vollwertigen PC begreifen und nutzen. Dementsprechend ist die Konsole keineswegs allein auf den Steam-Store oder Gaming-Anwendungen begrenzt.

PC-Konnektivität im kleinen Würfel

Zum Marktstart wird es zwei Modelle geben, die sich lediglich über den Massenspeicher unterscheiden: Spieler sollen hier zwischen 512 GB oder 2 TB SSD-Speicher wählen können. Erweiterbar sei das System über einen Slot für Micro-SD-Karten. Es ist außerdem davon auszugehen, dass sich der Speicherplatz mit beliebigen M.2-SSDs im 2280-Formfaktor aufrüsten lässt.

Im Datenblatt spezifiziert Valve die Steam Machine mit HDMI 2.0 und DisplayPort 1.4, was eine Bildausgabe bis 8K UHD bei 60 Hz oder 4K UHD bei 240 Hz mit HDR und FreeSync ermöglichen soll. Mit Blick auf die maximal möglichen Übertragungsraten der genannten Versionen geht das aber nur mit Display Stream Kompression via DisplayPort. Mit HDMI 2.0 ist bei 120 Hz in UHD Schluss. HDMI 2.1 ist hingegen nicht möglich, weil sich das HDMI-Forum weiterhin einem quelloffenen Treiber für die schnellere Schnittstelle verschließt. Abseits dessen bieten die beiden gebotenen Videoausgänge HDR und FreeSync.

Anschlüsse der Steam Machine (2026)
Anschlüsse der Steam Machine (2026) (Bild: Valve)

Ergänzt wird die Konnektivität mit Gigabit-Ethernet, Wi-Fi 6E, Bluetooth 5.3 sowie insgesamt fünf USB-Ports (1× USB-C 3.2 Gen 2 mit 10 Gbps, 4× USB-A).

Das würfelförmige Gehäuse, dessen Kanten auf je nur rund 160 mm kommen, ziert auf der Vorderseite eine adressierbare LED-Leiste, die unter anderem Download- und Systemstatus anzeigt. Die Stromversorgung erfolgt über ein internes Netzteil. Auch unter Last soll das System „kühl und leise“ bleiben, betont Valve.

Valve-Neuvorstellungen noch ohne Preise

Zum Lieferumfang gehört optional ein neuer Steam-Controller, der mit magnetischen Analogsticks, zwei Trackpads, haptischem Feedback und einer integrierten Funkverbindung ausgestattet ist. Er wird auch separat erhältlich und mit PC, Steam Deck und der Steam Machine kompatibel sein. Grundsätzlich sei die Steam Machine aber mit allem Zubehör kompatibel, das auch an einem „normalen“ PC verwendet werden könne. Parallel arbeitet Valve an dem VR-Headset Steam Frame. Offizielle Preise nannte Valve bislang nicht, diesbezüglich soll es erst nach Neujahr konkret werden.

Valve kommt Microsoft zuvor

Mit der neue Steam Machine nimmt Valve mutmaßlich das Konzept von Microsofts nächster Xbox-Generation vorweg. Berichte deuten seit einigen Monaten darauf hin, dass es sich dabei lediglich noch um einen oder mehrere vorkonfigurierte Gaming-PCs mit Windows 11 und dem vom Xbox Ally X (Test) bekannten Xbox-Overlay handeln soll. Valve hätte dementsprechend schon früher ein vergleichbares System am Markt – ganz ohne Microsoft-Software. Gleichzeitig kriegt das altgediente Konsolen-Konzept exklusiver Hardware mit goldenem Software-Käfig noch stärkere Konkurrenz.

Spielekonsolen im Vergleich
Steam Deck OLED Steam Machine PlayStation 5 Pro PlayStation 5 Xbox Series X Xbox Series S
SoC bzw. CPU/GPU AMD Ryzen „Sephiroth“
Zen 2 + RDNA 2
AMD Ryzen Zen 4
AMD Radeon RDNA 3
AMD Ryzen Custom
Zen 2 + RDNA 3,5
AMD Ryzen Custom
Zen 2 + RDNA 2
CPU Kerne / Threads 4C / 8T 6C / 12T 8C / 16T
Takt bis zu 3,5 GHz bis zu 4,8 GHz bis zu 3,85 GHz bis zu 3,6 GHz
GPU Architektur RDNA 2 RDNA 3 RDNA 3.5 RDNA 2
CUs 8 CUs 28 CUs 60 CUs 36 CUs 52 CUs 20 CUs
Takt 1,6 GHz 2,45 GHz bis zu 2,18 GHz bis zu 2,23 GHz 1,825 GHz 1,565 GHz
FP32-Leistung 1,6 TFLOPS 8,8 / 17,6 TFLOPS (Dual Issue) 16,75 / 33,5 TFLOPS (Dual Issue) 10,3 TFLOPS 12,1 TFLOPS 4,0 TFLOPS
Speicher Typ 16 GB LPDDR5
@ 6.400 MT/s
16 GB DDR5 RAM + 8 GB GDDR6 VRAM 16 GB GDDR6 + 2 GB DDR5 16 GB GDDR6 10 + 6 GB GDDR6 8 GB GDDR6
Bandbreite 102,4 GB/s ? 576 GB/s 448 GB/s 560 GB/s 224 GB/s
Massenspeicher 512 GB / 1 TB SSD 512 GB / 2 TB SSD 2 TB SSD 825 GB SSD 1 TB SSD 512 GB / 1 TB SSD
Konnektivität Wi-Fi 6E,
BT 5.3
Wi-Fi 7,
BT 5.1
Wi-Fi 6,
BT 5.1
Wi-Fi 5,
BT 5.0
Ausgang USB-C, Dock HDMI 2.0,
DisplayPort 1.4
HDMI 2.1
Abmessungen 298 × 117 × 49 mm 152 × 162,4 × 156 mm 9,6 × 35,8 × 21,6 cm 10,4 × 39 × 26 cm 15,1 × 15,1 × 30,1 cm 6,5 × 15,1 × 27,5 cm
Marktstart Nov 2023 Anfang 2026 Nov 2024 Nov 2020
UVP 569 € (512 GB)
679 € (1 TB)
? 799 € 549 € 599 € 349 €
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