AMD Radeon R9 390(X): 8 GB VRAM für 340 Euro werden heute 10 Jahre alt

Fabian Vecellio del Monego
102 Kommentare
AMD Radeon R9 390(X): 8 GB VRAM für 340 Euro werden heute 10 Jahre alt
Bild: AMD

Im Jahr 2025 sind 8 GB VRAM die Geißel der Gaming-Grafikkarten: Kaum ein Thema belastet das Einsteiger-Segment so sehr wie das Upselling über die Sollbruchstelle Grafikspeicher. Zum heutigen Tag wird der mit der Radeon R9 390(X) massive und inzwischen leidige 8-GB-Speicherausbau in Serie ein Jahrzehnt alt.

Zehn Jahre 8 GB VRAM in Serie

Erst im vergangenen Mai wurde die erste 8-GB-Grafikkarte für Spieler elf Jahre alt: Im Frühling 2014 hat Sapphire die Radeon R9 290X – entgegen AMDs Vorbehalten – mit verdoppeltem statt nur 4 GB großem Grafikspeicher aufgelegt. Es blieb aber bei einer limitierten Variante; die regulären Modelle hatten stets 4 GB GDDR5.

Einen Monat später folgt jetzt direkt das nächste 8-GB-Jubiläum: Radeon R9 390 und R9 390X (Test) erschienen am 18. Juni 2015 und brachten den verdoppelten Speicherausbau in Serie. Rückwirkend kein Wunder, dass AMD die 8 GB in der Generation davor noch nicht hatte sehen wollen.

AMD Radeon R9 390X
AMD Radeon R9 390X

Im Grunde genommen waren die beiden neuen Grafikkarten mit alter Technik das, was bei Nvidia heutzutage als Super-Refresh firmieren würde: Bekannte GPU-Chips einer bereits etablierten Grafik-Architektur mit ein wenig mehr Leistung und in diesem Fall vor allem mehr Speicher. Zwar blieb es bei GCN 2.0 „Hawaii“ und auch bei den Recheneinheiten herrschte Parität zur Radeon R9 290(X), Takt und TDP stiegen aber und ermöglichten auf diesem Weg 10 bis 30 Prozent mehr Leistung.

GPU-Performancerating Sommer 2014
GPU-Performancerating Sommer 2014 – 1.920 × 1.080 – normale Qualität
    • GeForce GTX 980 Ti OC-Karte
      147,6
    • Nvidia GeForce GTX Titan X (Max)
      139,9
    • Nvidia GeForce GTX Titan X
      137,7
    • Nvidia GeForce GTX 980 Ti
      135,1
    • AMD Radeon R9 Fury X
      125,0
    • GeForce GTX 980 OC-Karte
      121,8
    • AMD Radeon R9 Fury
      115,4
    • Nvidia GeForce GTX 980
      112,2
    • AMD Radeon R9 390X
      109,4
    • Radeon R9 290X OC-Karte
      102,4
    • GeForce GTX 970 OC-Karte
      101,4
    • AMD Radeon R9 390
      100,0
    • Radeon R9 290 OC-Karte
      97,9
    • Nvidia GeForce GTX 970
      97,4
    • Nvidia GeForce GTX 780 Ti
      93,9
    • AMD Radeon R9 290X
      88,8
    • AMD Radeon R9 290
      88,2
    • Nvidia GeForce GTX 780
      85,0
    • AMD Radeon R9 280X
      72,9
    • Nvidia GeForce GTX 770
      70,6
    • GeForce GTX 960 OC-Karte
      68,3
    • AMD Radeon R9 380
      68,3
    • Nvidia GeForce GTX 960
      65,4
    • AMD Radeon R9 285
      64,4
    • AMD Radeon R9 270X
      55,8
    • Nvidia GeForce GTX 760
      55,3
    • AMD Radeon R7 370
      49,3
    • Nvidia GeForce GTX 580
      43,4
    • AMD Radeon R7 260X
      39,7
    • AMD Radeon HD 6970
      39,7
    • Nvidia GeForce GTX 750 Ti
      38,9
    • AMD Radeon R7 360
      36,7
Einheit: Prozent, Arithmetisches Mittel

Das Aushängeschild waren allerdings 8 GB GDDR5-Speicher an 512 Bit, wohingegen AMDs High-End-GPU Fiji nur 4 GB HBM bot und auch Nvidias GeForce GTX 970 und GTX 980 mit – bestenfalls – 4 GB VRAM auskommen mussten.

8 GB sind die Geißel der Gaming-GPUs

Damit gibt es den im Jahr 2025 durchaus anachronistisch anmutenden und doch noch immer allgegenwärtigen 8-GB-Speicherausbau jetzt seit einem vollen Jahrzehnt. Nvidia zog im Jahr 2016 mit Pascal nach, spätestens ein Jahr später waren 8 GB VRAM also in voller Breite am GPU-Markt vertreten. Noch einmal neun Jahre später sind sie es immer noch: AMD und Nvidia haben erst vor wenigen Wochen wieder drei neue 8-GB-Grafikkarten in den Handel gebracht.

Auch preislich sind die Hersteller eine Dekade später mit 8 GB in ähnlichen Gefilden unterwegs. Die Radeon R9 390 kostete gemäß UVP rund 340 Euro; inflationsbereinigt sind das im Jahr 2025 rund 420 Euro. Bei Nvidia reicht das auch 2025 nur für 8 GB VRAM; rund 400 Euro UVP sind es für die unter keinen Umständen empfehlenswerte GeForce RTX 5060 Ti 8 GB (Test). AMD hingegen verkauft die ähnlich miserable Radeon RX 9060 XT 8 GB (Test) gemäß UVP für günstigere 315 Euro.

Der Speicherausbau ist dabei die einzige Konstante. In allen anderen Bereichen weichen die Spezifikationen aktueller 8-GB-Grafikkarten deutlich ab. Beispielsweise kam die Radeon R9 390 auf 5,1 TFLOPS FP32-Rechenleistung, die Radeon RX 9060 XT hingegen bietet 25,6 TFLOPS und sogar die GeForce RTX 5060 (Test) kommt auf 19,2 TFLOPS. Die Rechenleistung hat sich also selbst in ähnlichen Preisregionen vervier- bis -fünffacht; nur der Grafikspeicher, dessen Bandbreite an einem 128-Bit-Interface netto sogar schmaler wurde, will partout nicht wachsen.

2015 zukunftssicher, 2025 ewiggestrig

Dank über die Jahre deutlich mächtiger gewordener Cache-Hierarchien ist das Interface weniger das Problem, aber ledliglich 8 GB Speicherkapazität lassen sich 2025 mühelos auch in Render-Auflösungen von 1.280 × 720 Pixeln in die Knie zwingen. Eine Auflösung, die vor zehn Jahren eigentlich schon kein Thema mehr war.

Beim Kauf einer neuen Grafikkarte ist daher selbst im Einsteiger-Segment unbedingt auf mehr als 8 GB VRAM zu achten. In inzwischen rund der Hälfte der aktuellen Blockbuster-Spiele kommt es sonst schon in Full HD zu teils gravierenden Problemen, weil der Speicher überläuft. Und zwar auch mit Grafik­einstellungen, die mit der gebotenen GPU-Leistung und dank modernem Upsampling mit DLSS 3 & 4 sowie FSR 4 problemlos noch gefahren werden könnten. An Zukunfts­sicherheit ist bei einer Grafikkarte, die nicht einmal gegenwartssicher ist, freilich erst gar nicht zu denken. Mit 12 GB hingegen sind Spieler in Full HD zumindest vorerst auf der sicheren Seite.

Apropos: 12 GB Grafikspeicher feierten schon im März ihren zehnten Geburtstag.

R9 390X R9 390 RX 9070 XT RX 9070 RX 9060 XT
Architektur GCN 2.0 (Hawaii) RDNA 4
GPU Hawaii XT Hawaii Pro Navi 48 Navi 44
Fertigung TSMC 28 nm TSMC N4
Transistoren ca. 6,2 Mrd. 53,9 Mrd. 29,7 Mrd.
Chipgröße 438 mm² 356,5 mm² 199 mm²
Compute Units 44 40 64 56 32
FP32-ALUs 2.816 2.560 4.096 3.584 2.048
RT-Kerne 64, 3rd Gen 56, 3rd Gen 32, 3rd Gen
Boost-Takt 1.050 MHz 1.000 MHz 2.970 MHz 2.520 MHz 3.130 MHz
FP32-Leistung 5,9 TFLOPS 5,1 TFLOPS 48,7 TFLOPS 36,1 TFLOPS 25,6 TFLOPS
FP16-Leistung 97,3 TFLOPS 72,2 TFLOPS 51,3 TFLOPS
FP8-AI-Leistung 389 TOPS 289 TOPS 205 TOPS
Textureinheiten 176 160 256 224 128
ROPs 64 128 64
L2-Cache 1 MB 8 MB 4 MB
L3-Cache
„Infinity Cache“
64 MB, 3rd Gen 32 MB, 3rd Gen
Speicher 8 GB GDDR5 16 GB GDDR6 8 / 16 GB GDDR6
 -durchsatz 6,0 Gbps 20 Gbps
 -interface 512 Bit 256 Bit 128 Bit
 -bandbreite 384 GB/s 645 GB/s 322 GB/s
Slot-Anbindung PCIe 3.0 ×16 PCIe 5.0 ×16
TDP 275 W 304 W 220 W 150 / 160 W
📊 Intel, AMD oder Nvidia? Mach' jetzt noch mit bei unserer großen Jahresumfrage!