China: Tech-Giganten trainieren KI auf Nvidia-GPUs im Ausland

Nicolas La Rocco
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China: Tech-Giganten trainieren KI auf Nvidia-GPUs im Ausland
Bild: Nvidia

Chinesische Tech-Giganten wie Alibaba und ByteDance trainieren ihre KI-Modelle auf Nvidia-GPUs, die in Rechenzentren außerhalb Chinas zum Einsatz kommen. Beliebt seien einem Bericht der Financial Times zufolge die Standorte Singapur und Malaysia. So lassen sich von China aus legal die Restriktionen der US-Regierung umgehen.

China hat derzeit keinen Zugriff auf die modernsten KI-Beschleuniger von Firmen wie AMD, Broadcom oder Nvidia und baut sich deshalb aktuell ein eigenes Ökosystem insbesondere mit den Ascend-Beschleunigern von Huawei auf. Die chinesische Regierung drängt lokale Anbieter zudem zur Nutzung heimischer Technologie.

Das bedeutet allerdings nicht, dass chinesische Firmen nicht weiterhin großes Interesse an den aktuellen GPUs von Nvidia hätten. Da aufgrund von US-Restriktionen aber höchstens die in der Leistung reduzierte Version H20 nach China exportiert werden durfte, haben sich chinesische Tech-Giganten wie Alibaba und ByteDance nach alternativen Lösungen umgeschaut und sind beim Training der KI-Modelle im asiatischen Ausland fündig geworden.

Leasing-Verträge mit Betreibern im Ausland

Demnach schließen chinesische Unternehmen Leasing-Verträge mit Betreibern von Rechenzentren ab, die im Ausland von nicht-chinesischen Firmen betrieben werden. Dies sei völlig legal und verstoße nicht gegen die Exportbeschränkungen der USA, nachdem die sogenannte „Diffusion Rule“ des ehemaligen US-Präsidenten Biden von Trump wieder abgeschafft wurde. Beliebt seien der Financial Times zufolge vor allem Rechenzentren in Singapur und Malaysia. Singapur sei eine offensichtliche Wahl, wie ein Datacenter-Betreiber zitiert wird.

Hoher Nvidia-Umsatz in Singapur

Hohe Umsätze in Singapur waren zuletzt immer wieder auffällig in den Quartalsberichten von Nvidia. Im Bericht zum dritten Geschäftsquartal 2026 (PDF) war Singapur allerdings nicht mehr vertreten. Die 57 Milliarden US-Dollar Umsatz verteilten sich auf die USA (39), Taiwan (14), China (3) und andere (1). Hintergrund war allerdings, dass Nvidia jetzt nicht mehr die Rechnungsanschrift für die Zuweisung des Umsatzes nutzt, sondern den Hauptsitz des Kunden. Der Datacenter-Umsatz aus Taiwan soll zu 86 Prozent für Endkunden aus den USA und Europa bestimmt gewesen sein.

Blickt man jedoch zurück auf die weiteren vergangenen Quartale, machte Singapur teils über 20 Prozent des Umsatzes aus. Im ersten Geschäftsquartal 2026 waren es 20 Prozent, im zweiten Quartal 22 Prozent. Dies sei Nvidia zufolge jedoch auf die Rechnungsadressen der Käufer zurückzuführen, die nicht der tatsächlichen Anschrift entspreche. 99 Prozent des Datacenter-Umsatzes aus Singapur sei über US-Kunden entstanden.

Singapore represented 22%, and 21% of the second quarter and first half of fiscal year 2026 total revenue based upon customer billing location, respectively. Customers use Singapore to centralize invoicing while our products are almost always shipped elsewhere. Over 99% of controlled Data Center compute revenue billed to Singapore was for orders from U.S.-based customers for the second quarter and first half of fiscal year 2026.

Nvidia

DeepSeek setzt auf Huawei

Nicht alle Tech-Giganten in China sollen den Weg des KI-Trainings im Ausland gegangen sein. DeepSeek trainiere die Modelle in heimischen Rechenzentren, die entweder Nvidia-Chips aus der Zeit vor den strengeren Exportkontrollen oder aber bereits Beschleuniger von Huawei nutzen. DeepSeek sei dabei auch direkt in die Entwicklung der nächsten Generation chinesischer Beschleuniger involviert. Dem Bericht zufolge habe Huawei dafür Mitarbeiter am Standort von DeepSeek in Hangzhou im Einsatz.

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