AMD rudert zurück: RDNA 1 und RDNA 2 erhalten weiter Treiber-Optimierungen

Update Fabian Vecellio del Monego
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AMD rudert zurück: RDNA 1 und RDNA 2 erhalten weiter Treiber-Optimierungen

Entgegen der gestrigen Stellungnahme sollen Grafikkarten auf Basis der RDNA-1- und RDNA-2-Architektur in Zukunft doch noch gezielte Optimierungen für neue Spiele und neue Funktionen erhalten. Die Korrektur ist wahrscheinlich als Reaktion auf Unmut in der Spielerschaft zu verstehen. Offene Fragen bleiben reichlich.

Es gibt weiterhin* neue Optimierungen und Funktionen

Nachdem AMD gestern erklärt hatte, Grafikkarten auf Basis der RDNA-1- und RDNA-2-Architektur in den Legacy-Status zu versetzen, um sich „auf die Optimierung und Bereitstellung neuer und verbesserter Technologien für die neuesten GPUs zu konzentrieren“, rudert das Unternehmen jetzt ein Stück weit zurück. Gegenüber Tom's Hardware stellt AMD knapp klar: Neue Funktionen, Fehlerbehebungen und auch gezielte Optimierungen für neue Spiele wird es für die betroffenen Grafikkarten auch im Legacy-Zustand noch geben, soweit Nachfrage bestehe.

New features, bug fixes and game optimizations will continue to be delivered as required by market needs in the maintenance mode branch.

AMD gegenüber Tom's Hardware

Damit bekräftigt AMD einerseits, dass Grafikkarten der Serien Radeon RX 5000 und RX 6000 nicht ganz aufs Abstellgleis gefahren werden. Andererseits ist die Stellungnahme denkbar vage formuliert; die Situation gibt reichlich Raum für Spekulation.

Stellungnahme sorgt für noch mehr offene Fragen

Ob die ursprünglich kommunizierte Entscheidung, Grafikkarten auf Basis der Architekturen RDNA 1 und RDNA 2 in den „Maintenance Mode“ zu versetzen, bedeutet, dass selbst brandneue Produkte mit RDNA-2-iGPU wie beispielsweise der Ryzen Z2 A im ROG Xbox Ally (ohne X) keine neuen Features mehr erhalten, wollte ComputerBase schon heute Morgen von AMD wissen – eine Rückmeldung steht zur Stunde allerdings noch aus. Ähnlich sieht es bei den jüngst neu geschaffenen Serien AMD Ryzen 100 und Ryzen 10 aus: Die APU-Neuauflagen setzen teilweise noch auf RDNA-2-Grafikeinheiten könnten daher betroffen sein.

Ohnehin stellt sich die Frage, wie die Unterscheidung zwischen RX 5000 und RX 6000 auf der einen und RX 7000 sowie RX 9000 auf der anderen Seite konkret aussehen wird: Allen genannten GPU-Generationen nun doch die gleichen Updates zuteil werden zu lassen, ergäbe mit zwei Treiber-Schienen keinen Sinn. Unterschiede, die die Zweiteilung rechtfertigen, werden sich also auftun müssen. Unklar bleibt zudem, wie lange die jetzt doch wieder zugesagten Gaming- und Feature-Updates laufen werden. AMDs Hinweis auf die bestehende Nachfrage seitens des Marktes stellt die Verbreitung respektive Nutzung jener GPUs als Variable in den Raum.

Kehrtwende nach 24 Stunden …

In jedem Fall steht die heutige Stellungnahme in deutlichem Kontrast zu AMDs Äußerungen am Vortag. Dort hieß es, dass RDNA-1- und RDNA-2-Grafikkarten in Zukunft lediglich Updates für sicherheitskritische Bugs erhalten sollten:

Um die Optimierung und Bereitstellung neuer und verbesserter Technologien für die neuesten GPUs zu fokussieren, versetzt AMD Software Adrenalin Edition 25.10.2 die Radeon-RX-5000- und RX-6000-Serien-Grafikkarten (RDNA 1 und RDNA 2) in den Wartungsmodus. RDNA-1- und RDNA-2-Grafikkarten werden weiterhin Treiber-Updates für sicherheitskritische und fehlerbehebende Zwecke erhalten.

AMD gegenüber PCGH

Mit der Ergänzung gegenüber Tom's Hardware hat AMD dem Wortlaut von gestern direkt widersprochen. Eine potenzielle Erklärung liefert die Frage, ob die Diskrepanz möglicherweise auf interne Unstimmigkeiten oder Missverständnisse zurückzuführen ist, etwa zwischen der Software-Entwicklung und AMDs Presseabteilung. Derweil hat AMD explizit nicht zurückgenommen, Grafikkarten auf Basis von RDNA 1 und RDNA 2 in den „Maintenance Mode“ versetzt zu haben – der Legacy-Stempel bleibt also.

Eine andere Interpretation lautet daher, dass AMD mit der Zweiteilung bereits die Unterscheidung zwischen Grafikkarten, die zukünftig FSR 4 unterstützen und solchen, die dauerhaft bei FSR 3.1 verbleiben, vorwegnimmt. Das ist aber bloße Spekulation. Schon in der Vergangenheit äußerte sich AMD zu diesem Thema stets vage. Zur Vorstellung der RX-9000-Serie hieß es, FSR 4 laufe exklusiv auf eben jener. Später teilte AMD jedoch mit, prüfen zu wollen, inwiefern das moderne Upsampling auch auf RDNA 3 möglich sei. Seitdem sind inzwischen zehn Monate vergangen.

Die Redaktion hat erst vor wenigen Wochen erprobt, wie gut AMDs aktuelle Upsampling-Technik über Umwege auch auf älteren Radeon-Grafikkarten funktioniert. Im Ergebnis konnten Qualität und Leistungsplus durch FSR 4 auf RDNA 2 und RDNA 3 zwar nicht ganz mit FSR 4 auf RDNA 4 mithalten, der Mehrwert gegenüber dem aus der Zeit gefallenen FSR 3.1 war aber nichtsdestoweniger beträchtlich.

… oder bloß Schadens­begrenzung nach dem Shitstorm?

Andernfalls ist davon auszugehen, dass sich der Hersteller auch oder vielleicht sogar ausschließlich aufgrund der lautstark geäußerten Kritik von Spielern zu dieser prompten Korrektur eingelassen hat. Insbesondere Grafikkarten der Serie Radeon RX 6000 waren und sind noch immer weit verbreitet. In der Community auf ComputerBase beispielsweise gab es bis einschließlich heute keinen Zeitpunkt, in dem nicht mehr RX-6000- als RX-7000-Grafikkarten im Einsatz waren, wie fortlaufende Umfragen innerhalb der Leserschaft aufzeigen. Der Diskussionsbedarf im Forum war dement­sprechend groß; binnen eines Tages kamen über 700 Kommentare zusammen.

Falls sich AMD allerdings tatsächlich aufgrund des Unmuts unter Spielern zu bloßer akuter Schadensbegrenzung noch vor dem Wochenende hat hinreißen lassen, steht hinter dem Bekenntnis zu fortlaufendem Support jener Generationen ein großes Fragezeichen. Der Wortlaut der knappen Stellungnahme gibt dem Hersteller reichlich Spielraum, um Treiber-Updates mit neuen Optimierungen und Funktionen in ungewisser Zukunft stillschweigend einstellen zu können.

Auch bei GeForce RTX 20 und RTX 30 heißt es noch „Game Ready“

Grafikkarten der von der Umstellung betroffenen Serien Radeon RX 5000 und RX 6000 auf Basis der RDNA-1- und RDNA-2-Architektur erschienen erstmals im Sommer 2019 respektive Herbst 2020. Radeon RX 7000 als nunmehr älteste Radeon-Generation im aktuellen Treiber-Zweig wird im kommenden Dezember drei Jahre alt.

Konkurrent Nvidia hat im Sommer Grafikkarten der Architekturen Maxwell und Pascal aus dem aktuellsten Treiber-Zweig gestrichen. Auch dort gibt es aber noch Updates mit Optimierungen für aktuelle Spiele. Die Generationen GeForce RTX 20 (Turing, 2018) und RTX 30 (Ampere, 2020) als zeitliche Gegenspieler von Radeon RX 5000 und RX 6000 erhalten nach wie vor vollwertige Treiber-Releases im regulären Zweig. Die beiden Generationen unterstützen außerdem mit DLSS 4 Super Resolution auf Basis des Transformer-Modells die neueste Ausbaustufe des Nvidia-Upsamplings.

Update

In der Nacht hat AMD auch im eigenen Blog noch einmal ergänzt, was zuletzt kommuniziert wurde. Produkte auf Basis von RDNA 1 und RDNA 2 werden weiterhin Treiber-Updates erhalten, auch mit Optimierungen für neue Spiele. In der neuen Stellungnahme ist aber nicht erneut explizit auch die Rede von neuen Features, wie sie noch am Freitag gegenüber Tom's Hardware erwähnt wurden.

We’ve heard your feedback and want to clear up the confusion around the AMD Software: Adrenalin Edition 25.10.2 driver release. This update introduces two optimized driver paths: one for RDNA 1 and RDNA 2 (Radeon RX 5000 and RX 6000 series), and one for RDNA 3 and RDNA 4 (Radeon RX 7000 and RX 9000 series). […]

This is not the end of support for RDNA 1 and RDNA 2. Your Radeon RX 5000 and RX 6000 series GPUs will continue to receive:

  • Game support for new releases
  • Stability and game optimizations
  • Security and bug fixes

The difference is that these products now benefit from a dedicated, stable driver branch, one built on years of tuning and optimization. This approach helps deliver a smoother, more consistent experience for your games while insulating previous generation GPUs from rapid changes designed for newer architectures. […]

By separating the code paths, our engineers can move faster with new features for RDNA 3 and RDNA 4, while keeping RDNA 1 and RDNA 2 stable and optimized for current and future games.

AMD

Allerdings kommuniziert AMD diesmal eine Begründung für den Wechsel auf zwei Treiber-Zweige. Demnach sollen Grafikkarten der Serien Radeon RX 5000 und RX 6000 ab sofort von einem „stabilen“ Treiber-Zweig profitieren, der „auf Jahren des Feintunings und der Optimierungen“ basiere. Diese Aussage kann aber offensichtlich nur auch inhaltlichen Werts sein, wenn AMD diese Qualitäten beim Treiber für Radeon RX 7000 und RX 9000 in diesem Maß nicht gegeben sieht. Das scheint allerdings kaum sinnig, weswegen die Begründung fadenscheinig anmutet.

Relevanter wird damit der Zusatz, dass die beiden neueren Architekturen Neuerungen in Zukunft womöglich früher erhalten werden. Möglich erscheint etwa, dass RDNA 1 und RDNA 2 entsprechende Treiber-Updates ab sofort später und in niedriger Frequenz zuteil werden. Offene Fragen bleiben diesbezüglich weiterhin bestehen, zumal das Versprechen neuer Features nun abermals in der Schwebe hängt.

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