Mercedes-Benz: Neuer CLA setzt erstmals auf MB.OS und fährt 800 km weit
Der neue CLA ist das erste Auto von Mercedes-Benz, das auf MB.OS setzt, das alle Bereiche des Fahrzeugs berührt und Grundlage für stetige Updates sein soll. Damit einher geht MBUX 4 mit KI von OpenAI und Google und neuer Navigation mit Google Maps. Niedriger Verbrauch und hohe Effizienz führen zu knapp 800 km Reichweite.
Die Baureihe C174 kommt zuerst als rein elektrischer CLA 250+ und CLA 350 4MATIC auf den Markt, gegen Ende des Jahres sollen ein günstigeres E-Modell mit kleinerer Batterie sowie Varianten mit hybridem Antrieb folgen. Zu Preisen hat sich das Unternehmen noch nicht geäußert, der Vorgänger lag zuletzt aber bei rund 43.300 Euro.
MB.OS kann Assistenzsysteme aktualisieren
Als erstes Auto mit Mercedes‑Benz Operating System (MB.OS) setzt der CLA auf eine vollständig neue Architektur mit weniger Steuergeräten und zentralisierten „Supercomputern“, wie sie derzeit gern in der Branche genannt werden. Ziel sind damit unter anderem kontinuierliche Over-the-Air-Updates, die zudem tiefer in der Architektur erfolgen können. Das betrifft demnach nicht mehr in erster Linie nur Funktionen des Infotainmentsystems, sondern alle wichtigen Fahrzeugfunktionen inklusive der Assistenzsysteme. Diese starten zur Markteinführung des CLA mit dem Level 2, später sollen folgende Ausbaustufen bis zum „Level 2++“ angeboten werden:
- Drive Assist: Ab Markteinführung in Europa optional erhältlich. Ergänzt den Abstandsassistenten DISTRONIC um einen Lenkassistenten und entspricht SAE-Level 2. Neu im CLA ist der Spurwechselassistent, der das Wechseln der Fahrspur durch einen Klick auf den Blinkerhebel erleichtert.
- Drive Assist Plus: Soll später angeboten werden und bietet je nach Markt erweiterte Assistenzfunktionen. Dazu gehört zum Beispiel der weiterentwickelte Abstandsassistent DISTRONIC Plus. Auch ein automatischer Spurwechsel auf Autobahnen ist geplant.
- Drive Assist Pro: Umfasst zwei zusätzliche Kameras und ermöglicht damit im Stadtverkehr neue Assistenzfunktionen des „SAE-Levels 2++“. Drive Assist Pro ist weltweit möglich, aber kann aus regulatorischen Gründen noch nicht überall zugelassen werden. Die Markteinführung ist zunächst für die chinesische Variante im Jahr 2025 geplant, da der dortige regulatorische Rahmen dies zulässt. Auch in den USA besteht diese regulatorische Möglichkeit, die Markteinführung ist für 2026 geplant.
800-Volt-Elektroarchitektur mit 792 km Reichweite
Für den CLA wechselt Mercedes-Benz erstmals zu einer 800-Volt-Elektroarchitektur und setzt ein Zwei-Gang-Getriebe am Hauptantrieb an der Hinterachse ein. Im Zusammenspiel mit der neuen Batterie-Generation sollen sich die Ladezeiten wesentlich verkürzen lassen. Die Nickel-Mangan-Kobalt-Batterie im CLA 250+ und CLA 350 4MATIC kommt auf 85 kWh nutzbaren Energieinhalt und lässt sich mit maximal 320 kW laden, um innerhalb von 10 Minuten rund 300 km zusätzliche Reichweite zu erhalten. Für den CLA 250+ wird der Verbrauch mit 14,1-12,2 kWh/100 km für eine Reichweite von 694-792 km und im CLA 350 4MATIC mit 14,7-12,5 kWh/100 km für 672-771 km angegeben. Den Wirkungsgrad des Antriebssystem liege bei 93 Prozent.
Frunk mit 101 Litern zusätzlich
Der CLA misst 4.723 × 1.855 × 1.468 mm, wiegt 2.055 kg (CLA 250+) oder 2.135 kg (CLA 350 4MATIC), bietet eine Zuladung von bis zu 455 kg respektive 440 kg und stellt dafür 405 Liter Kofferraumvolumen und einen Frunk mit 101 Litern zur Verfügung. Auf 100 km/h sprintet der CLA in 6,7 s und 4,9 s, im zweiten Gang ist bei 210 km/h Schluss.
Der Hauptantrieb erfolgt wie in der Mittel- und Oberklasse über die Hinterachse, dafür kommt eine 200 kW starke elektrische Antriebseinheit mit permanenterregter Synchronmaschine (PSM) zum Einsatz. Für den CLA 350 4MATIC kommt eine 80 kW leistende Drive Unit an der Vorderachse hinzu, die ebenfalls mit einem Inverter mit Siliziumkarbid (SiC) ausgerüstet und als permanenterregte Synchronmaschine (PSM) ausgeführt ist. Der vordere Elektromotor fungiert als Boost für eine Systemleistung von dann bis zu 260 kW und wird abhängig von der Fahrsituation oder dem Fahrprogramm nur bei entsprechender Leistungsanforderung oder Traktionsbedarf zugeschaltet.
MBUX 4 mit Google Maps und Android-Apps
Das alles steuernde MB.OS bildet auch das Fundament für die nächste Generation Mercedes-Benz User Experience (MBUX). MBUX 4 streckt sich im Innenraum über optional bis zu drei Bildschirme zum sogenannten MBUX Superscreen. Hinter einer Glasfläche sitzen der 10,25 Zoll große Bildschirm für den Fahrer sowie das 14 Zoll große Zentral-Display. Nach der Markteinführung will Mercedes-Benz einen weiteren 14-Zoll-Bildschirm für Beifahrer als Sonderausstattung anbieten. Sicherheitsvorkehrungen wie Eye-Tracking sollen dafür sorgen, dass der Fahrer nicht von den Inhalten abgelenkt wird.
Das Infotainmentsystem unterstützt Android-Apps, der Hersteller setzt aber nicht auf Android Automotive, und arbeitet dennoch mit Partnern wie Google und Microsoft zusammen. Die Navigation erfolgt zum Beispiel mittels Google Maps und nicht mehr über die Karten und Dienste von Here, an deren Übernahme Mercedes-Benz sogar beteiligt war. Im CLA wird Google Maps mit der Benutzeroberfläche von Mercedes-Benz kombiniert und integriert auch die Mercedes‑Benz-Services für Laden und Parken.
Die Navigation plant auf Basis zahlreicher Faktoren die schnellste und komfortabelste Route inklusive Ladestopps. Dabei reagiert sie dynamisch beispielsweise auf Staus oder eine Änderung der Fahrweise. Künftig sollen auch die vorhergesagten Windverhältnisse entlang der Fahrbahn auf Höhe des Fahrzeugs berücksichtigt werden. Für die Berechnung der Route wird der Energiebedarf kalkuliert, dabei werden Topografie, Streckenverlauf, Umgebungstemperatur, Geschwindigkeit, Heiz- und Kühlbedarf berücksichtigt. Auch Faktoren wie die Verkehrssituation auf der Strecke sowie die verfügbaren Ladestationen, ihre Ladeleistung und die Bezahlfunktionen fließen ein.
Gemini und ChatGPT ziehen ein
Die Partnerschaft mit Google kommt auch beim komplett überarbeiteten MBUX Virtual Assistant zum Tragen. Google Gemini wurde dort speziell für Fragen rund um die Navigationsziele ausgewählt, weil der Assistent auch auf alle zusätzlichen Informationen aus der Google-Maps-Plattform zugreifen kann. Das Ziel sind detaillierte und personalisierte Antworten auf Fragen zu Navigation, Sehenswürdigkeiten und mehr, sagt Mercedes. Der MBUX Virtual Assistent fährt aber zweispurig: Die andere Fahrbahn besetzt Microsoft respektive OpenAI mit ChatGPT auf Basis von GPT-4o und mit der Bing-Suche, um allgemeine Wissensfragen zu beantworten. Der MBUX Virtual Assistent ist fähig, Kontexte zu behalten. Er kann zwischen dem Automotive-AI-Agent von Google und ChatGPT wechseln, je nachdem über welches Thema gerade gesprochen wird.
Die Benutzeroberfläche von MBUX setzt die bisher von Mercedes-Benz gewählte Designsprache fort und folgt weiterhin dem Zero-Layer-Prinzip mit den wichtigsten Informationen vor allem zur Navigation auf der ersten Ebene. Neben Vorschlägen zur Fahrt werden auf dem ersten Layer erstmals auch die zuletzt genutzten Apps angezeigt. In der App-Ansicht lassen sich Apps jetzt verschieben und in individuell benannten Ordnern zusammenfassen. Ist eine App geöffnet, führt eine Wischbewegung nach links zurück zur App-Ansicht. Mit einer weiteren Wischbewegung gelangen Nutzer zurück zum Start. Alternativ ist es weiterhin möglich, jederzeit über den Home-Button direkt auf den Zero Layer zu gelangen.