Petition: Open-Source-Arbeit soll als Ehrenamt anerkannt werden

Update Marek Lindlein
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Petition: Open-Source-Arbeit soll als Ehrenamt anerkannt werden
Bild: mat_hias | CC0 1.0

Eine diese Woche gestartete Petition auf openPetition sammelt Unterschriften um die Arbeit an Open-Source-Projekten als Ehrenamt anzuerkennen. Seit dem 24.11.25 wird noch für weitere 5 Monate gesammelt und anschließend dem Petitionsausschuss des Bundestags vorgelegt.

Open-Source-Software bildet das Fundament der digitalen Infrastruktur

Open-Source-Software ist überall, auch wenn sie dem Endnutzer nicht direkt ins Auge fällt. Große Teile der Internet-Infrastruktur basieren beispielsweise auf Linux. Webserver wie Nginx, aber auch Datenbanken wie MariaDB sind Open-Source-Projekte. Auch der Angriff auf das Kompressionswerkzeug XZ im Jahr 2024 zeigt, wie sehr die digitale Gesellschaft auf Open-Source angewiesen ist.

Dabei liegen die Vorteile direkt auf der Hand: Mit Open-Source-Programmen sind Werkzeuge für alle Nutzer gleichermaßen vorhanden und es liegt an jedem (Unternehmen) selbst, was damit gemacht wird. Offene Quelltexte bieten die Möglichkeit der Einsicht, um beispielsweise Backdoors auszuräumen. Und obwohl zahlreiche Projekte durch bezahlte Entwickler großer Open-Source-Unternehmen finanziert werden – wie etwa durch Red Hat – baut die FOSS-Gemeinde auf die freiwilligen und unentgeltlichen Arbeiten von Open-Source-Entwicklern.

Open-Source-Software kann die Unabhängigkeit von globalen Softwareriesen fördern

Open-Source-Software stellt nicht nur das Fundament der digitalen Infrastruktur dar, sie kann auch beim Aufbau einer unabhängigen und innovativen Softwarelandschaft helfen – ohne Bindung an internationale Konzerne. Insbesondere in kritischen Bereichen wie Gesundheit, Energie, Kommunikation, aber auch Bildung und Sicherheit lässt sich durch den Einsatz von Open-Source-Software eine gewisse Resilienz aufbauen.

Gerade in Deutschland gibt es zahlreiche Entwickler, aber auch Unternehmen, die zur Open-Source-Gemeinde beitragen. Doch gerade die einzelnen Entwickler, welche diese Aufgabe in ihrer Freizeit übernehmen, haben aktuell nur wenig davon. Dabei bietet gerade Deutschland durchaus Möglichkeiten, Tätigkeiten zu fördern, welche dem Gemeinwohl dienen.

Anerkennung als Ehrenamt als Lösung

Tätigkeiten in der Freizeit, ohne Vergütung und mit der Gemeinnützigkeit im Sinn, entsprechen weitestgehend dem Engagement in gemeinnützigen Vereinen.

Und genau hier setzt die Petition von Boris Hinzer an und sammelt 30.000 Unterschriften, um die Anerkennung von Open-Source-Arbeit als Ehrenamt zu erreichen.

Das hätte laut dem Initiator der Petition mehrere Vorteile: Aufwandsentschädigungen könnten im Rahmen einer Ehrenamtspauschale steuerfrei gewährt werden. Die Anerkennung der Gemeinnützigkeit von Open-Source-Projekten wäre einfacher. Haftungsfragen für Beitragende könnten aufgeklärt werden und auch das einfache Ausstellen von Spendenquittungen wäre möglich.

Der Staat investiert Milliarden in Digitalisierung, ignoriert aber die Menschen, die die technologische Basis freiwillig pflegen.

Somit wäre die Anerkennung als Ehrenamt laut Initiator auch ein kosteneffizienter Schritt zur viel besprochenen digitalen Souveränität in Deutschland.

Aufmerksam über die Petition wurde die Redaktion durch den Tux Flash Podcast auf dem Kanal Nicht der Weisheit letzter Schluß

Update

Wie der Initiator Boris Hinzer verkündet, wurden nach nur anderthalb Wochen Laufzeit bereits über 5.000 Unterzeichner der Petition erreicht. Neben ComputerBase haben andere große Medien wie Heise und WinFuture darüber berichtet. Zudem finden in Fachforen und auf Reddit Diskussionen dazu statt. Inzwischen ist die Petition auch in Englisch verfügbar und werde aktuell in Spanisch übersetzt. Die Idee der ehrenamtlichen Anerkennung von Open-Source-Arbeit sei mittlerweile auch nach Dänemark geschwappt. Ferner finde ein erster Austausch mit Schweizer Kollegen statt, sodass das Thema bald europäische Ausmaße annimmt.

Ende November hat Hinzer die Petition außerdem auf der TYPO3-Konferenz vorgestellt und wird am Wochenende in der Sendung „Breitband“ beim Hörfunksender Deutschlandfunk Kultur ein Interview dazu geben. Die Sendung wird am Samstag, den 6. Dezember um 13:05 Uhr ausgestrahlt.

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