Im Test vor 15 Jahren: Intels Wireless Display für kabellose Bildübertragung
Mit Wireless Display aka WiDi (Test) stellte Intel im Jahr 2010 eine Technologie vor, die entsprechend ausgerüsteten Notebooks die Fähigkeit verlieh, kabellos das Bildsignal an einen geeigneten Empfänger zu übertragen.
Kabellos mit Einschränkungen
Die Idee hinter WiDi war, dass Notebooks mit Core-i-Prozessor und einer kompatiblen integrierten Grafikeinheit ein Signal an einen Empfänger senden konnten, der wiederum mit einem Bildschirm verbunden war, um das Bild des Notebooks kabellos an ein Display übertragen zu können. Grundlage dafür waren die CPUs mit dem Codenamen Arrandale, die im 32-nm-Verfahren hergestellt wurden und über eine Intel-HD-Grafikeinheit verfügten. Wer zusätzlich zu der integrierten Grafikeinheit noch eine weitere Grafikkarte verbaut hatte, der konnte die Technologie trotzdem nutzen.
Zusätzlich musste ein WLAN-Modul des Typs Centrino Advanced-N 6200, Advanced-N + WiMAX 6250 oder Ultimate-N 6300 verbaut sein. Als letzte Einschränkung funktionierte WiDi nur auf Windows 7 (Premium/Ultimate/Professional) in der 64-Bit-Version. Ein passendes Notebook ausfindig zu machen, war keine einfache Aufgabe. Von Intel selbst wurden nur drei Notebooks als kompatibel gelistet, inoffiziell gab es Listen in Foren mit kompatiblen Notebooks, da viele Hersteller keine Informationen über beispielsweise die verbauten WLAN-Karten veröffentlichten. Insbesondere in Deutschland fiel die Liste der unterstützten Geräte zum Testzeitpunkt klein aus und nur Sony und Toshiba kamen als Hersteller in Betracht.
Als zweiten Bestandteil wurde neben einem entsprechendem Notebook eine Empfänger-Box benötigt. Selbst fünf Monate nach Vorstellung der Technologie war der einzige Anbieter einer solchen Box Netgear mit der PTV1000, womit die Auswahlmöglichkeiten noch beschränkter als bei den Notebooks waren.
Einfache Einrichtung mit dem richtigen Notebook
Die Einrichtung gestaltete sich abhängig von dem spezifischem Notebook. Das Sony Vaio S aus dem damaligem Test beispielsweise verfügte über eine separate WiDi-Taste. In diesem Fall geschah die Einrichtung und Verbindung völlig automatisch. Wessen Notebook nicht über eine solche Taste verfügte, der musste zuerst die WLAN-, Grafik- und WiDi-Treiber installieren und aktualisieren. Über den WiDi-Treiber konnte dann nach dem WiDi-Empfänger gesucht und dieser eingerichtet werden. Gegebenenfalls musste in diesem Schritt noch die Firmware aktualisiert werden. Folgend konnte dann das Bild passend eingestellt werden. Anwender konnten den Hauptbildschirm entweder klonen oder erweitern.
In der Praxis konnte WiDi mit einer guten Verbindung überzeugen, die innerhalb einer 90-Quadratmeter-Altbauwohnung nicht abriss. Auf Messen und anderen Bereichen mit vielen störenden WLAN-Verbindungen funktionierte WiDi nicht gut. Störend war die maximal unterstützte Auflösung von 1.366 × 768 Bildpunkten – bereits im Jahr 2010 unterstützten viele Monitore und Fernseher 1.920 × 1.080 Pixel. Zudem lag die Verzögerung durch die kabellose Übertragung bei einer guten Sekunde, es war daher anzuraten, nicht die Lautsprecher des Notebooks zu dem verzögertem Bild zu nutzen.
Fazit
Insgesamt war WiDi trotz der Kinderkrankheiten eine gelungene Technologie. Störend war zwar die hohe Verzögerung – womit die Technik vor allem für Spieler völlig ungeeignet war – aber in der Praxis überzeugte WiDi für Filme und Fotos. Das größte Manko an WiDi war die Schwierigkeit, an ein geeignetes Notebook und einen entsprechenden Empfänger zu gelangen. Zudem stiftete Intel auf seiner Internetpräsenz Verwirrung, da diese nicht oft genug aktualisiert wurde und somit viele Features der Technologie gar nicht dokumentiert waren.
In der Kategorie „Im Test vor 15 Jahren“ wirft die Redaktion seit Juli 2017 jeden Samstag einen Blick in das Test-Archiv. Die letzten 20 Artikel, die in dieser Reihe erschienen sind, führen wir nachfolgend auf:
- Die GeForce GTX 465 hinter der Radeon HD 5850
- Zalmans liebloser Zalman VF-3000 kühlte gut
- Apples erstes iPad für den perfekten Medienkonsum
- Zwei Radeon HD 5870 mit üppigen zwei GByte VRAM
- Western Digitals VelociRaptor VR200M scheiterte an SSDs
- Corsairs Nova SSDs überzeugten auf ganzer Linie
- Sechs Kerne für alle mit dem AMD Phenom II X6 1090T BE
- Die GeForce GTX 470 war die bessere Fermi
- Fractal Designs gelungenes Erstlingswerk Define R2
- Nvidias GeForce GTX 480 war der Föhn 2.0
- LMX Superleggera mit Flüssigmetall statt Heatpipes
- Multi-GPU mit Nvidia und AMD dank Hydra
- Intel Core i7-980X als erste CPU mit sechs Kernen
- Intels Sparkönige Pentium G6950 und Core i3-530
- Die GeForce GTX 280M im 5,6-kg-Notebook
- Die Radeon HD 5450 war für Gaming nutzlos, aber sonst top
- Scythes Top-Blow-Koloss Grand Kama Cross
- Die GeForce GT 240 mit 1.024 MByte DDR3 war sinnlos
- AMDs Radeon HD 5670 bot DirectX 11 für 79 Euro
- HTCs Touch2 war ein Spar-Smartphone für 270 Euro
Noch mehr Inhalte dieser Art und viele weitere Berichte und Anekdoten finden sich in der Retro-Ecke im Forum von ComputerBase.