Auch FARM-Werte gefälscht: Betrug bei Seagate-HDDs wird immer raffinierter

Michael Günsch
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Auch FARM-Werte gefälscht: Betrug bei Seagate-HDDs wird immer raffinierter
Bild: Seagate

Im Betrugsfall mit den als neu verkauften Gebrauchtfestplatten von Seagate gibt es neue Erkenntnisse, die nicht gerade optimistisch stimmen. Waren die mit speziellen Tools auslesbaren FARM-Werte bislang ein gutes Mittel zur Prüfung der echten Betriebsstunden, werden auch diese Daten nun von Betrügern gefälscht.

Das berichtet heise unter Berufung auf neue Hinweise von derart betrogenen Käufern. „Die Gauner haben es anscheinend geschafft, einen Wert zu ändern, der bislang als deutliches Indiz für einen Betrug galt: die Anzahl der Betriebsstunden in den FARM-Werten“, schreibt Lutz Labs, der den Skandal gemeinsam mit Betroffenen aufgedeckt hat.

Jetzt reiche es also unter Umständen nicht mehr aus, die bei den SMART-Werten hinterlegten Betriebsstunden mit den entsprechenden Angaben bei den FARM-Werten (Field Accessible Reliability Metrics) abzugleichen, um eine gefälschte Neuware zu entlarven.

Andere Hinweise zum wahren Alter müssen nun her

Vielmehr müsse auf andere Hinweise wie etwa die Betriebsstunden der einzelnen Köpfe geachtet werden. Alternativ lohnt ein Blick in die Log-Files. Sind Self Test Log oder Error Log bereits ordentlich gefüllt, spricht dies klar gegen Neuware. Diese Methode wird bei HDDs von Toshiba und Western Digital zur Prüfung empfohlen, da es bei diesen die FARM-Werte wie bei Seagate gar nicht gibt.

Heise schreibt weiter, dass ein weit zurück liegendes Produktionsdatum ebenfalls ein Hinweis auf Gebrauchtware sein kann: „Mehr als sechs Monate sollte eine Festplatte nicht für den Weg zum Endkunden benötigen“. Ein fehlender Aufkleber auf der Stirnseite, der normal die Seriennummer und einen Barcode trägt, sei ebenfalls ein Indiz.

Die Aufkleber auf der Oberseite der HDD wurden auch bereits gefälscht. Hier lohnt es sich, den QR-Code mit dem Smartphone abzurufen: „Normalerweise führt der Barcode auf dem Aufkleber zu der Website mit der Garantieabfrage, die Seriennummer ist dabei schon vorbelegt. Bei gefälschten Aufklebern aber muss man die Seriennummer selbst eintippen“, so Heise.

Was bisher geschah

Ende Januar wurden die ersten Betrugsfälle bei im Online-Handel gekauften Exos-Festplatten von Seagate bekannt. Einige Wochen später folgten Berichte über manipulierte HDDs der Serie Seagate IronWolf.

Zwischenzeitlich berichtete Heise, dass die manipulierten HDDs aus China stammen könnten. Seagate hatte mehrfach versichert, nichts mit dem Betrug zu tun zu haben und die Vorfälle untersuchen zu wollen.

Zuletzt hatte Seagate mitgeteilt, dass die meisten dieser HDDs von OEMs oder einem Cloud-Anbieter stammen sollen. Jene Unternehmen sollen aber nicht an dem Betrug beteiligt sein. „Wer diese Laufwerke dann modifiziert und als neu verkauft, ist Gegenstand der Untersuchungen“, schrieb Heise dazu nach Kontakt mit Seagate.

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