SSD-Controller mit PCIe 5.0: Phison trommelt weiter für den E28, der sich aber verspätet
Phison war mit dem E26-Controller lange praktisch Alleinherrscher bei den Prozessoren für PCIe-5.0-SSDs. Doch mit dem SM2508 von Silicon Motion und Samsungs Eigenentwicklung gibt es wieder Konkurrenz. Jetzt wirbt Phison erneut für den Nachfolger E28. Doch dass dieser offensichtlich Verspätung hat, wird dabei nicht erwähnt.
Lange war Phison Alleinherrscher bei den schlüsselfertigen PCIe-5.0-SSD-Controllern für Client-SSDs, sodass praktisch alle den Phison E26 nutzten. Doch seit diesem Frühjahr gibt es eine effizientere Alternative von Silicon Motion mit dem SM2508-Controller, der inzwischen weit verbreitet ist. Und Samsung hat mit Preston einen eigenen Chip.
Für Phison wird es also Zeit, eine Antwort zu liefern, um die Konkurrenz einzubremsen. Diese Aufgabe gebührt dem Phison E28, einem neuen 8-Kanal-Controller mit PCIe 5.0, der wie der Gegenspieler SM2508 im moderneren 6-nm-Verfahren hergestellt wird. Damit verspricht Phison nicht nur etwas mehr Leistung als beim E26 (12 nm), sondern vor allem eine gesunkene Leistungsaufnahme und somit eine höhere Effizienz.
Jetzt rührt Phison noch einmal kräftig die Werbetrommel für den kommenden E28 und stellt nicht nur die Verbesserungen gegenüber dem E26 heraus, sondern zieht auch Vergleiche zur Konkurrenz.
Stärken bei langsamerem NAND-Flash
Wie schnell eine SSD ist, hängt nicht nur vom Controller ab, sondern auch vom NAND-Flash-Speicher und wie gut dieser mit dem Controller harmoniert. Erst schnelle Speicherchips ermöglichen also, das volle Potenzial des Controllers abzurufen. Das hat zuletzt der Vergleich von gleich fünf SSDs mit SM2508-Controller gezeigt.
Phison betont, dass der E28 bereits mit NAND-Flash mit 2.400 MT/s eine hohe Leistung erreicht und sogar die Wettbewerber überflügelt. Zwischen den Zeilen wird deutlich, dass hier vor allem der SM2508 gemeint ist. Die Konkurrenten seien wiederum gezwungen, „NAND mit 3.600 MT/s zu verwenden, der mehr Energie verbraucht und mehr Abwärme erzeugt“, argumentiert Chris Ramseyer, der das technische Marketing bei Phison leitet und früher selbst SSDs für ein Online-Magazin getestet hat.
E28 can outperform our competitors in the 2025 premium SSD race using 2400 MT/s NAND, whereas our competitors were forced to use 3600 MT/s NAND, which consumes more power and generates more heat.
Chris Ramseyer, Phison
Benchmarks vom Hersteller
Phison zeigt erneut eigene Benchmarks, die ein Plus bei Leistung wie auch Leistungsaufnahme gegenüber Wettbewerbern aufzeigen sollen.
ComputerBase hatte bereits die Gelegenheit, ein Vorserienmuster des E28 als Vorschau zu testen, um einen unabhängigen Ausblick auf die Leistung des kommenden Controllers liefern zu können.
Bei der Leistung genügte es unterm Strich nicht ganz für die Spitze, die weiterhin die WD_Black SN8100 mit SM2508-Controller und schnellem SanDisk-Speicher (SanDisk BiCS8) markiert. Allerdings sind bis zum Marktstart des E28 noch weitere Optimierungen bei der Firmware möglich und mit den schnellsten Speicherchips könne er ebenfalls zulegen, sodass eine Rückeroberung der Leistungskrone möglich ist.
Die Tests der Redaktion zeigen auch, dass andere SSDs mit SM2508-Controller bei der Leistung nur in etwa auf Augenhöhe mit dem Phison E26 liegen. Bei diesen kommt langsamerer Speicher als bei der SN8100 zum Einsatz. Vorteile bei der Leistungsaufnahme für den E28 kann die Redaktion ebenfalls bestätigen.
Der E28 hat Verspätung
Was Phison in dem umfangreichen Blog-Post aber nicht erwähnt, ist der Umstand, dass der E28-Controller doch eigentlich längst den Handel erreicht haben sollte. Mitte Juni zur Preview des E28 hatte es geheißen, dass erste SSDs mit dem Chip in ein bis anderthalb Monaten erscheinen könnten. Diese Zeitspanne ist längst überschritten, denn seitdem sind inzwischen mehr als zwei Monate vergangen. Allzu überraschend ist das nicht, denn auf der Computex im Mai war nicht ein einziges Modell zu sehen.
ComputerBase hat bei Phison nachgefragt und um einen neuen Termin gebeten. Bis zur Veröffentlichung dieses Artikels lag noch keine Antwort vor.
Jetzt hat sich Phison zu Wort gemeldet und dementiert eine Verspätung, räumt aber ein Missverständnis ein. Das zur Computex prognostizierte Erscheinen binnen 4 bis 6 Wochen galt demnach für das Eintreffen bei Partnern, also Drittanbietern wie Corsair, Kingston oder Seagate, die auf Controller von Phison setzen. Lange soll es bis zum Marktstart aber nicht mehr dauern.