Bundesregierung ohne klare Antwort: Wie man den Energieverbrauch für Rechenzentren decken will
Bislang verbrauchen Rechenzentren in Deutschland ca. 20 Terawattstunden pro Jahr, erklärt die Bundesregierung in einer Antwort auf eine kleine Anfrage von der CDU/CSU-Fraktion. In den kommenden Jahren soll der Verbrauch deutlich steigen. Wie man die Energie bereitstellen will, ist aber noch vage.
Von der Antwort der Bundesregierung, die das Bundeswirtschaftsministerium zusammengestellt hat, berichtete zunächst Heise Online. Dass der Stromverbrauch durch die fortschreitende Digitalisierung sowie die KI-Entwicklung steigt, glaubt demnach auch die Bundesregierung. Die Prognosen sind aber noch vage. Laut dem „Szenariorahmen Strom“ reicht die Schätzung für den Stromverbrauch von Rechenzentren für 2037 und 2045 von 39 bis 88 Terawattstunden. Grundlage für diese Daten ist eine Marktabfrage bei den Übertragungsnetzbetreibern.
Von der Bundesnetzagentur wurde dieser Szenariorahmen aber noch nicht bestätigt, die entsprechenden Analysen laufen aber noch. Im Kern decken sich die Angaben aber mit Zahlen, die etwa Verbände wie der Bitkom veröffentlichen.
Netzentwicklungsplan statt AKWs
Um insbesondere den prognostizierten Bedarf an Computing-Power für die KI-Entwicklung zu decken, investieren die Big-Tech-Konzerne massiv in Rechenzentren und die Energieinfrastruktur. Dazu zählt etwa der Bau von neuen Kernkraftwerken sowie die Inbetriebnahme alter AKWs. Praktisch alle Big-Tech-Konzerne haben mittlerweile entsprechende Vorhaben angekündigt.
- Atomkraft für AI-Entwicklung: Meta will neue Kernkraftwerke ab 2030 in Betrieb nehmen
- Gigantischer Energiebedarf: Microsoft holt stillgelegtes AKW für AI wieder ans Netz
- Stromverbrauch durch AI: Google sichert sich Atomstrom aus „einer Flotte“ Mini-AKW
- Amazon goes nuclear: Das nächste Big-Tech-Unternehmen setzt auf neue AKW
Die Bundesregierung bleibt hingegen vage. Im Antwortschreiben heißt es, potenzielle Standorte sollten möglichst frühzeitig in der Stromnetzplanung berücksichtigt werden, um die Energieversorgung von Rechenzentren sicherzustellen. Die Bundesregierung begrüße daher den „Prozess der Marktabfrage im Rahmen der Netzentwicklungsplanung“. Der daraus resultierende Netzausbau werde mit dem Bundesbedarfsplan auf eine gesetzliche Grundlage gestellt. Keine konkreten Projekte, sondern das Erarbeiten von Plänen stehen also im Fokus.
Die Energieversorgung und die Standortfrage sind eines der zentralen Probleme beim Rechenzentren-Bau in Deutschland. Führender Standort ist bislang die Rhein-Main-Region rund um Frankfurt, derzeit gibt es dort aber kaum noch freie Kapazitäten. Deswegen verlagern sich Ausbauprojekte bereits, Microsoft geht etwa in das Rheinische Revier. Norddeutsche Bundesländer könnten aufgrund der erneuerbaren Energiequellen profitieren, dort wurden aber noch keine Großprojekte umgesetzt.
Meta baut ein Rechenzentrum mit 2+ GW in Louisiana
Neben dem Bau von Energieversorgern kündigen die US-Konzerne laufend neue Rechenzentren-Projekte an. Zuletzt war es Meta. Anfang Dezember verkündete man, in Richland Parish im US-Bundesstaat Louisiana das bis dato größte Rechenzentrum mit Kapazitäten von 2+ GW zu bauen. Für Meta ist es das 23. Rechenzentrum in den USA und das 27. weltweit.
Wie CEO Mark Zuckerberg erklärte, ist es vor allem für die KI-Entwicklung konzipiert. Dort will man die künftigen Llama-Modelle trainieren.