„Das war es wert“: Streit mit Apple soll Epic 1 Mrd. US-Dollar gekostet haben

Michael Schäfer
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„Das war es wert“: Streit mit Apple soll Epic 1 Mrd. US-Dollar gekostet haben
Bild: Epic Games

Epic-CEO Tim Sweeney hat in einem Interview mit dem Business Insider Einblicke in den langwierigen Rechtsstreit mit Apple rund um den App Store gegeben. Dieser habe das Unternehmen viel Geld gekostet, sei aus seiner Sicht aber für den Publisher dennoch ein lohnendes Unterfangen gewesen.

Gerichtskosten kleinste Rechnung

Wie Sweeney in dem Gespräch erklärte, hätten sich die Anwalts- und Gerichtskosten des über fünf Jahre andauernden Rechtsstreits auf „lediglich“ 100 Millionen US-Dollar belaufen. Wesentlich schwerer würden jedoch die entgangenen Einnahmen wiegen: „Wie viel wir auf iOS eingenommen hätten, kann ich nicht vorhersagen, aber in den zwei Jahren, in denen wir auf der Plattform waren, hat Fortnite auf iOS etwa 300 Millionen Dollar eingenommen“, so der CEO. Er fügt an, dass daher „von Hunderten von Millionen Dollar an entgangenen Einnahmen infolge des Kampfes“ ausgegangen werden könne. Dabei gehe es auch um Nutzer, die das Spiel gespielt haben, aber aufgrund der Sperre nicht mehr spielen konnten. Würde er auch an potenzielle neue Spieler denken, die nie die Chance hatten, Fortnite kennenzulernen, könne der Verlust sogar eine Milliarde US-Dollar oder mehr betragen.

Investoren hinter sich

Auf die Frage, ob sich der kostspielige und langwierige Rechtsstreit gelohnt habe, antwortet Sweeney: „Ich denke, dass Freiheit nicht zu teuer erkauft werden kann“. Auch die Investoren hätten Epic während dieser Zeit überwiegend unterstützt, so Sweeney. Lediglich ein Investor habe sich in dieser Phase zurückgezogen. Dies wertet der CEO als Bestätigung für den eingeschlagenen Kurs, Fortnite von einem Spiel zu einem umfassenden digitalen Ökosystem weiterzuentwickeln. Die verbleibenden Kapitalgeber hätten erkannt, dass Apple massiv von der Arbeit anderer Entwickler profitiere und damit hohe Gewinne erwirtschaften könne.

Trotz Sieg nicht das Ende vom Lied

Der Rechtsstreit zwischen Epic und Apple war in der langen Zeit von Höhen und Tiefen geprägt. Nach der Entfernung von Fortnite aus dem App Store musste Epic, von kleinen Achtungserfolgen einmal abgesehen, zunächst mehrere Rückschläge hinnehmen. Anfang des Monats konnte das Unternehmen jedoch einen wichtigen Erfolg verbuchen: Apple muss Epic und anderen Entwicklern künftig erlauben, die Gebühren für In-App-Käufe zu umgehen, und alle Gebühren für Out-of-App-Käufe, die bisher 27 Prozent betrugen, streichen. Nicht von dem Urteil betroffen sind die bisherigen 30 Prozent auf In-App-Käufe, die Apple weiterhin behalten darf. Apple hatte nach dem Urteil umgehend Berufung angekündigt, Epic hingegen neue Bezahlsysteme und Services in Aussicht gestellt, mit denen Entwickler große Teile der Gebühren umgehen könnten. Besonders brisant: In dem Urteil wird Apples Finanzchef Alex Roman an mehreren Stellen das Lügen unter Eid vorgeworfen.

Fortnite kehrt in den App Store zurück

Sweeney zeigt sich optimistisch, dass Fortnite in den nächsten Tagen in den App Store zurückkehren wird. Die Tochtergesellschaft Epic Games Sweden habe seiner Aussage nach schon vor längerer Zeit ein Entwicklerkonto eröffnet, über das Fortnite in der EU angeboten werden sollte, über das das Spiel auch in den USA angeboten werden könnte – falls sich Apple zu lange zeit lässt. Sweeney betont zudem, dass der Kontakt mit dem dafür zuständigen Entwickler-Relations-Team bei Apple bislang „sehr freundlich“ verlaufen sei.

Später im Jahr will Epic zudem Webshops im eigenen Store einführen. Diese sollen es Entwicklern ermöglichen, virtuelle Schaufenster zu erstellen, in denen sie ihre Produkte anbieten können. Für kleinere Entwickler, die weniger als 1 Million US-Dollar pro Jahr und App verdienen, soll dieser Service kostenlos sein. Größere Entwickler müssen hingegen mit einer Gebühr von 12 Prozent rechnen.

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