Projekt Stargate: SoftBank und OpenAI sollen Pläne zurück schrauben
Im März des vergangenen Jahres hatten Microsoft und OpenAI das Projekt Stargate ins Leben gerufen. Geplant war der Aufbau eines Rechenzentrums mit einem Supercomputer. Trotz Budgeterhöhung kommt das Vorhaben kaum vom Fleck, ein Vertrag mit einem Rechenzentrum wurde bislang nicht abgeschlossen.
Projekt kommt nicht in Fahrt
Obwohl das ursprüngliche Vorhaben inzwischen in das Unternehmen „Stargate Project“ überführt wurde, dem neben OpenAI auch SoftBank, Oracle und MGX angehören, und das Budget von anfänglich 100 auf 500 Milliarden US-Dollar für die kommenden vier Jahre angehoben wurde, sind bislang keine nennenswerten Fortschritte zu verzeichnen, berichtet das Wall Street Journal. Bei der damaligen Präsentation im Weißen Haus war von über 100.000 neuen Arbeitsplätzen die Rede gewesen – auch dieses Ziel liegt noch in weiter Ferne.
Dabei hatte OpenAI-CEO Sam Altman erst kürzlich eine Vereinbarung mit Oracle getroffen, nach der Rechenzentren mit einer Gesamtleistung von 4,5 Gigawatt entstehen sollen, was dem Stromverbrauch von rund 4 Millionen Haushalten im gleichen Zeitraum entsprechen würde. Die geschätzten jährlichen Kosten sollen sich auf 30 bis 40 Milliarden US-Dollar belaufen. Oracle soll zudem die technische Umsetzung übernehmen, wofür unter anderem 400.000 Nvidia-Chips vom Typ GB200 eingeplant sind.
Unterschiedliche Ansichten
Wie das Wall Street Journal unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, geht das langsame Vorankommen in erster Linie auf unterschiedliche Auffassungen von Altman und SoftBank-Chef Masayoshi Son über die künftige Ausrichtung des Projekts zurück. Erwähnt wird in diesem Zusammenhang unter anderem ein geplantes Rechenzentrum im Bundesstaat Ohio. Zusätzliche Verwirrung stiften die Projekte in Abilene und Denton im US-Bundesstaat Texas, die laut Altman ebenfalls Bestandteil von Stargate seien, an denen SoftBank jedoch nicht beteiligt ist.
Für das nun vorgesehene Rechenzentrum in Ohio soll ein kostengünstigeres Design verwendet werden, wodurch sich die ursprünglich vorgesehenen Sofortinvestitionen in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar deutlich reduzieren würden. Darüber hinaus herrscht bei beiden Unternehmen keine Einigkeit darüber, in welchem Umfang Rechenzentren an Standorten errichtet werden sollten, die in Verbindung mit SB Energy stehen, einem von SoftBank unterstützten Entwickler für Energielösungen.
Verflechtungen von SoftBank und OpenAI
Ein möglicher weiterer Konfliktpunkt besteht darin, dass SoftBank Anfang des Jahres selbst 30 Milliarden US-Dollar in OpenAI investiert hatte – die bis dahin größte Einzelinvestition in ein Startup. Um diese Summe aufzubringen, musste SoftBank neue Schulden aufnehmen und eigene Vermögenswerte veräußern. Im Gegenzug strebte das Unternehmen eine Rolle beim Aufbau der für KI erforderlichen physischen Infrastruktur an. In diesem Zusammenhang könnten die Übernahme des Arm-Server-CPU-Entwicklers Ampere Anfang März dieses Jahres, die SoftBank 6,5 Milliarden US-Dollar kostete, sowie die bereits 2016 erfolgte Übernahme von Arm für 27,95 Milliarden Euro eine unterstützende Rolle spielen.
Nach außen gezeigte Eintracht
Gleichwohl betonen beide CEOs entgegen des Berichts, dass es hinsichtlich ihrer gemeinsamen Bemühungen keine Differenzen gebe und das ursprüngliche Ziel, Rechenzentren mit einer Gesamtleistung von 10 Gigawatt zu errichten, weiterhin Bestand habe. Altman sprach in diesem Zusammenhang von einer „wunderbaren Partnerschaft“ mit Son. In einer gemeinsamen Erklärung gaben beide Unternehmen zudem an, dass sie Projekte in mehreren Bundesstaaten vorantreiben und sich „in großem Maßstab und mit hoher Geschwindigkeit bewegen, um die KI-Infrastruktur bereitzustellen, die die Zukunft antreiben und der Menschheit dienen wird“. Laut internen Aussagen gegenüber Mitarbeitern zeigte sich Son optimistisch und äußerte die Bereitschaft, noch stärker in das Unternehmen zu investieren.