Nintendo Switch 2 im Test: Fast perfektes Upgrade für wenig Spiele
Die Nintendo Switch 2 mausert sich im Test zum gelungenen und fast perfekten Nachfolger für die Switch aus dem Jahr 2017. Acht Jahre später hat Nintendo einen Nachfolger parat, der die Konsole mit einer Ausnahme konsequent technisch und optisch weiterentwickelt. Doch ist das genug, um nicht wie die Wii U zu enden?
Nachfolger für Nintendo nicht ohne Risiko
Über acht Jahre nach dem Start der Nintendo Switch (Test) erscheint mit der Switch 2 der Nachfolger einer der erfolgreichsten Konsolen aller Zeiten. Die Fußstapfen, die die zweite Generation der Hybrid-Konsole auszufüllen hat, könnten kaum größer sein. Nach dem Übergang der damals überragend erfolgreichen Wii auf die massiv erfolglose Wii U – dem Vorgänger der Switch – wagt Nintendo es also erneut, das erfolgreiche und bewährte Konzept fortzusetzen.
Für die Wii U war, zumindest für Spiele aus dem Hause Nintendo, mit The Legend of Zelda: Breath of the Wild im März 2017 Schluss. Der Titel erschien parallel zum Launch für die erste Switch. Der Misserfolg der Wii U befeuerte zudem eine große Welle an Portierungen und Neuauflagen der Bibliothek auf den hybriden Nachfolger.
Die alten Zöpfe der über 150 Millionen verkauften Switch werden aber zum Start der neuen Generation noch nicht sofort abgeschnitten. Ähnlich wie es Sony und Microsoft beim letzten Generationssprung vollzogen haben, bietet Nintendo auch in das erste Lebensjahr der Switch 2 hinein noch viele bereits angekündigte Spiele für den Vorgänger.
Mit welchen Argumenten Nintendo Käufer im Jahr 2025 von der neuen Generation überzeugen will, darauf geht dieser Test ein. Viele Neuerungen der aktuellen Generation fallen dabei unter die Kategorie „höher, schneller, weiter“. Angesichts der spürbaren Alterserscheinungen des Vorgängers ist das gleichermaßen allerdings das Mindestmaß.
Änderungen zum Vorgänger im Vergleich
Verglichen mit der Switch aus dem Jahr 2017 wird besonders deutlich, welchen Unterschied die acht Jahre zwischen den Generationen ausmachen. Die Switch 2 wirkt erwachsener, die Linienführung klarer und auch die einzelnen Elemente ein wenig durchdachter. Dazu gehört unter anderem der deutlich flexiblere und bessere Standfuß; einen Schwachpunkt, den Nintendo bereits bei der Switch OLED angegangen ist. Weiche Oberflächen sind damit auch für die Switch 2 kein Problem mehr, die stufenlose Einstellbarkeit lässt viele Blinkwinkel zu. Der zusätzliche USB-C-Anschluss auf der Oberseite ist eine ebenso willkommene Ergänzung, um die Switch abseits des Docks flexibler laden zu können.
Der neue Formfaktor der Switch 2 verschafft zudem schon ohne eingeschaltetes Display einen Eindruck, der suggeriert, dass hier eben alles ein Stück besser ist. Das liegt auch daran, dass zumindest bei der LCD-Switch das Display im Standby eine graue Fläche ist, die von sichtbaren schwarzen Rändern umgeben ist. Bei der Switch 2 verschwimmt die Front je nach Lichteinfall mehr zu einer planen, schwarzen Fläche.
Größer und schwerer
Obwohl die Switch 2 nur rund drei Zentimeter breiter und rund 1,5 Zentimeter höher ist als der Vorgänger, ist das subjektive Erscheinungsbild spürbar größer. Spätestens, wenn die Konsole in die Hand genommen wird, fällt das auch beim Gewicht auf. Über 100 Gramm mehr, rund 30 Prozent, bringt die Switch gegenüber allen Vorgänger-Versionen auf die Waage. Das fällt nicht nur im direkten Vergleich auf, sondern auch bei längeren Sessions im Handheld-Betrieb. Hier sticht vor allem der Konsolenteil gegenüber den Joy Con mehr mit seinem Gewicht heraus als beim Vorgänger, wo sich die Schwerpunkte gleichmäßiger verteilen.
Die Rückseite der Switch 2 ist weniger glänzend und glatt als die der 2017er-LCD-Version. Fingerabdrücke sind daher, anders als bei der ersten Generation, kein großer Faktor. Der Lautsprecher ist zudem von der Vorderseite auf die Unterseite gewandert, zeigt jedoch dennoch weiterhin etwas angewinkelt in Richtung des Anwenders. Weiterhin verwendet Nintendo zwei Lautsprecher und bietet damit weiterhin „nur“ Stereo-Sound. Der Ton ist trotz dieser Umstellung dennoch verbessert worden, auch wenn die Switch 2 nicht über das Niveau von Smartphone-Lautsprechern hinauskommt.
Mehr und schnellerer Speicher
Auch im Inneren hat Nintendo vieles geändert: Anstelle von 64 GB langsamem eMMC-Speicher erhalten Spieler nun 256 GB an schnellem UFS-3.1-Speicher, der per microSD Express erweitert werden kann. Das Einschubfach für die Spielkarten hat sich hingegen nur optisch verändert, denn es wurde zwar mit Metall zusätzlich verstärkt, das Format der Karten bleibt jedoch unverändert, wodurch die Switch 2 auch mit Switch-1-Spielen umgehen kann. Auf weitere Details wie den neuen Chip, Controller und neue sowie alte Spiele wird im Laufe des Tests im Detail eingegangen.
| Switch 2 | Switch OLED | Switch | |
|---|---|---|---|
| Abmessungen | 272 × 116 × 13,9 mm (mit Joy-Con) (dickste Stelle: 30,7 mm) |
242 × 102 × 13,9 mm (mit Joy-Con) (dickste Stelle: 28,4 mm) |
239 × 102 × 13,9 mm (mit Joy-Con) (dickste Stelle: 28,4 mm) |
| Gewicht | 401 g (534 g mit Joy-Con) |
320 g (420 g mit Joy-Con) |
297 g (398 g mit Joy-Con) |
| Display | LCD, 7,9 Zoll, 1.920 × 1.080, 120 Hz, HDR10, VRR | OLED, 7 Zoll, 1.280 × 720 | LCD, 6,2 Zoll, 1.280 × 720 |
| Prozessor (SoC) | Custom Nvidia Tegra (T239) CPU: 8 × ARM Cortex-A78C GPU: Ampere, 1.536 Shader |
Custom Nvidia Tegra X1 (T210) CPU: 4 × ARM Cortex-A57, (4 × ARM Cortex-A53) GPU: GM20B, Maxwell, 256 Shader |
|
| RAM | 12 GB LPDDR5X | 4 GB LPDDR4 | |
| Festspeicher | 256 GB UFS 3.1 fürs OS reserviert: ? |
64 GB eMMC fürs OS reserviert: ? |
32 GB eMMC fürs OS reserviert: ~ 6,2 GB |
| Erweiterung | microSD Express* | microSD | |
| Video-Output** | Maximal 3.840 × 2.160 mit 60 FPS 2.560 × 1.440 mit 120 FPS 1.920 × 1.080 mit 120 FPS |
Maximal 1.920 × 1.080 mit 60 FPS |
|
| Audio-Output** | lineares PCM 5.1 | ||
| Lautsprecher | Stereo | ||
| Funknetzwerk | Bluetooth ?, Wi-Fi 6, LAN im TV-Modus | Bluetooth 4.1, Wi-Fi 5, LAN im TV-Modus | |
| Sensoren | Beschleunigung, Gyro, Helligkeit, Maus | Beschleunigung, Gyro, Helligkeit | |
| Akku | Li-Ion 5.220 mAh Laufzeit: 2 bis 6,5 Stunden Ladezeit: 3 Stunden |
Li-Ion 4.310 mAh Laufzeit: 4,5 bis 9 Stunden Ladezeit: 3 Stunden |
Li-Ion 4.310 mAh Laufzeit: 4,5 bis 9 Stunden Ladezeit: 3,5 Stunden |
| Anschlüsse | 1 × HDMI, 2 × USB-C, 1 × 3,5 mm Kopfhörer (4 Pol, CTIA) | 1 × HDMI, 1 × USB-C, 1 × 3,5 mm Kopfhörer (4 Pol, CTIA) | |
| *normale microSD nur für Screenshots und Videos **via HDMI-Kabel am TV | |||
Zumindest zum Start der Switch 2 gibt es noch keine Hinweise auf eine rein mobile Version als Nachfolger der Switch Lite (Test). Diese erschien 2,5 Jahre nach dem Original. Ähnlich wie mit der rund 4,5 Jahre später erschienen Switch OLED sind hier also noch einige Varianten und Iterationen offen.
Ausgepackt und eingerichtet
Beim Auspacken ist zum Preis von 469,99 Euro im Lieferumfang diverses Zubehör enthalten, welches die Inbetriebnahme der Switch 2 in nur wenigen Minuten ermöglicht. Wie auch schon beim Vorgänger sind zwei Joy Con enthalten, die entweder als Paar auf einer Halterung genutzt werden, direkt an der Konsole oder einzeln als zwei Eingabegeräte fungieren können. Netzteil und notwendige Kabel (HDMI, USB-C) sind ebenfalls enthalten.
- 1 × Switch 2
- 1 × Switch-2-Station (Dock)
- 2 × Joy Con in Lachsfarben und Blau (Switch 2)
- 2 × farblich passende Handgelenksschlaufe für Joy Con
- 1 × Joy-Con-2-Halterung
- 1 × USB-C-Netzteil (60W)
- 1 × USB-C-auf-C-Kabel
- 1 × HDMI-Kabel
Das neue Dock
Der Switch 2 liegt auch ein neues Dock bei, in dem die Konsole mit jedem TV oder Monitor per HDMI verbunden werden kann. Hier verbaut der Konzern auch erstmals einen Lüfter, mehr als ein leises Surren konnte aber nicht vernommen werden, zumal der Lüfter der Switch (2) ohnehin oftmals läuft. Das Dock hat Nintendo optisch zudem wortwörtlich etwas abgerundet. Es verfügt erneut über einen Ethernet-Eingang, HDMI-Ausgang sowie einen USB-C-Stromanschluss. Über zwei USB-A-Ports kann weiteres Zubehör direkt a das Dock angeschlossen werden.
Während bei der ersten Switch die rückseitige Blende für die Kabel mit einem Klappmechanismus integriert war, wird diese beim neuen Dock lediglich an Plastiknasen aufgesetzt. Die neue Konstruktion ist insgesamt wesentlich sensibler für Krafteinwirkung durch die Kabel, was schnell dazu führt, dass die Blende sich löst oder ganz abfällt. Da dies allerdings nur bei der Installation am gewünschten Platz einmalig vorkommt, ist es zumindest im Alltag kein Problem. Hochwertiger fühlt sich in diesem Punkt jedoch die Lösung des Vorgängers an.
Einrichtung
Bei der Einrichtung führt Nintendo Nutzer bereits in die wichtigsten Einstellungen und Funktionen ein. Dabei werden unter anderem die magnetischen Joy Con oder die verschiedenen Spielmodi (Handheld, Tischmodus, TV) erklärt. Beim Anschluss an einen HDR-fähigen Fernseher öffnet sich zudem ein Setup für die Auswahl der Helligkeit mit diversen Beispielbildern als Hilfestellungen, die aus Spielen wie Zelda, Mario Kart oder Pikmin stammen.
Ein weiterer wichtiger Teil der Einrichtung ist die Datenübertragung für Besitzer einer Switch der ersten Generation. Hierfür können sich Nutzer beispielsweise über einen QR-Code via Smartphone auf der neu einzurichtenden Switch 2 anmelden. Für die Übertragung der Daten muss auf beiden Konsolen der selbe Nintendo-Account hinterlegt sein. Zudem verlangt Nintendo für den Transfer, dass beide Konsolen am Netzteil angeschlossen und „nah beieinander“ sind.
Nach erfolgreichem Setup erfolgt die Übertragung abhängig von der Menge an Daten teilweise in unter 15 Minuten. Gerade große Speichermengen an Screenshots oder Videos können das tatsächliche Zeitfenster aber auch nach oben hin beeinflussen. Laut Nintendo-Website können folgende Daten übertragen werden:
- Nutzer (Inklusive verknüpfter Nintendo-Accounts)
- Erworbene digitale Spiele
- Spielspeicherdaten
- Aufgenommene Screenshots/Videos
- Diverse Systemeinstellungen
- Altersbeschränkungen
Anmerkung: Bei einigen Titeln, darunter Einträgen der Pokémon-Reihe, wird der Speicherstand nach der Übertragung auf die Switch 2 auf der Ursprungskonsole gelöscht.
Das neue größere Display
Schon bevor die Einrichtung abgeschlossen ist, fällt bereits das größere Display ins Auge. Auf 7,9 Zoll (circa 21 cm) ist es angewachsen und stellt damit den größten Bildschirm dar, den Nintendo jemals in einem Handheld verbaut hat. Aufgrund der neuen Auflösung von 1.920 × 1.080 (Full HD) ist es zudem mit 279 Pixeln pro Zoll ebenfalls das schärfste Display, welches der Konzern bisher verwendet hat. Mit der Unterstützung von 120 Hz, VRR und HDR10 bietet es zudem alle wichtigen Merkmale von aktuellen Gaming-Displays.
| Modell | Display | Auflösung | Größe | Pixeldichte |
|---|---|---|---|---|
| Wii U Gamepad (2012) | LCD | 854 × 480 | 6,2″ | 158 ppi |
| Switch 1 (2017) | LCD | 1.280 × 720 | 6,2″ | 237 ppi |
| Switch Lite (2019) | LCD | 1.280 × 720 | 5,5″ | 267 ppi |
| Switch OLED (2021) | OLED | 1.280 × 720 | 7,0″ | 210 ppi |
| Switch 2 (2025) | LCD | 1.920 × 1.080 | 7,9″ | 279 ppi |
Diese Änderungen fallen in der alltäglichen Nutzung auch auf, denn das neue Display ist schärfer, flüssiger und zeigt die meisten Elemente größer an als der Vorgänger. Kleine Texte sind durch die höhere Pixeldichte und den größeren Bildschirm besser lesbar, die 120 Hz zeigen sich beim Scrollen in Menüs positiv. Farben sind auf dem neuen Display zudem satter, die Anzeige schärfer, der neue LC-Bildschirm ist ein klares Upgrade und nicht nur auf dem Papier beeindruckend.
Getrübt wird das Bild nur durch den Umstand, dass ein gutes OLED-Panel noch zufriedenstellender wäre, gerade wer von der OLED-Variante der Switch 1 kommt, wird nachts das tiefe Schwarz vermissen. Wer jedoch bisher nur eine Switch (Lite) besaß, wird das lebendigere, farbigere und flüssigere Display zu schätzen wissen.
Helligkeit und Messwerte des Displays
Um diese Erfahrungswerte zu untermauern, hat ComputerBase sich deshalb das Display der Switch 2 mit einem Colorimeter angesehen, um Helligkeit, Schwarzwert, Kontrast, Farbtemperatur und Homogenität beurteilen zu können.
Automatische Helligkeit unter 400 cd/m²
Das Display, das nun HDR beherrscht, wird maximal 385 cd/m² hell. Das ist zwar heller als bei der Switch 1 mit LCD, die 363 cd/m² erreicht, und der Switch Lite, die auf maximal 346 cd/m² kommt, aber ein echtes HDR-Erlebnis kommt auf dem integrierten Display mit dieser Helligkeit nicht auf. Bis zur OLED-Variante bleibt die Unterstützung für HDR10 damit nur für TVs interessant, im Handheld-Modus ein Gimmick.
Wird die automatische Helligkeitsanpassung in Abhängigkeit vom Umgebungslicht aktiviert, lässt sich der Helligkeitsbereich weiterhin manuell einstellen, was auch bei der Switch 2 dazu führt, dass die Konsole nicht über den gesamten Bereich von 2,85 bis 385 cd/m² automatisch wechselt, sondern immer in einem Intervall um den manuell gewählten Punkt herum.
Ist die Helligkeit beispielsweise auf den maximalen Wert eingestellt und die automatische Helligkeitsanpassung aktiviert, bewegt sich die Display-Helligkeit zwischen 385 und 125 cd/m². Ist der Regler auf minimale Helligkeit eingestellt, wird die Helligkeit zwischen 95 und 15 cd/m² geregelt.
Die Farbtemperatur beträgt beim Testmuster 7.955 Kelvin, das Display ist also kühl abgestimmt und weist einen leichten Blaustich auf. In Spielen fällt dies aber nicht auf.
IPS mit satteren Farben und tiefem Schwarz
Der Schwarzwert des Displays der Switch 2 liegt bei durchschnittlich 0,32 cd/m², was minimal besser ist als die 0,34 cd/m² der Switch 1. Subjektiv ist das Display der Switch 2 der ersten Switch in dieser Hinsicht aber um Welten voraus und bietet ein viel dunkleres und satteres Schwarz.
Wer die Switch 2 gerne in dunkler Umgebung nutzt oder auch mal nachts im Bett noch die ein oder andere Runde spielen möchte, für den ist die minimale Helligkeit von 2,85 cd/m² ein Segen. Wenn es muss, kann das Display also auch dunkel.
Der Kontrast des Displays der Switch 2 liegt bei 1.203:1, was ebenfalls besser als der Kontrast der Switch 1 mit LCD von 1.028:1 ist. Die Switch OLED bietet mit ihrem OLED-Panel aber weiterhin den besten Kontrast, perfektes Schwarz und ist auch im Bett die bessere Wahl.