Motorola Razr 60 Ultra im Test: Lifestyle-Smartphone und High-End-Leistung in Harmonie
Beim Razr 60 Ultra geht Motorola in die Vollen und beweist im Test, dass sich Lifestyle und Hochleistung auch in einem „Flip Phone“ kombinieren lassen. Hard- und Software müssen sich nicht hinter traditionellen Smartphone-Flaggschiffen verstecken. Nach Oppo wackelt damit nun Motorola – mit Award – an Samsungs Marktführerschaft.
Das Motorola Razr 60 Ultra gehört zur Kategorie der modernen „Flip Phones“ mit einem faltbaren Bildschirm auf der Innenseite und vermehrt auch einem zweiten Display außen. Diese Art von Smartphones stellt geöffnet die Bildschirmfläche regulärer Smartphones zu Verfügung und halbiert diese Fläche (bei doppelter Dicke) geschlossen, sodass man in der Hosen- oder Handtasche ein relativ kompaktes Rechteck mit sich trägt. Damit unterscheiden sich die „Flip Phones“ von den „Foldables“, die sich von einem großen in ein noch größeres Smartphone bis kleinen Tablet verwandeln können.
Preise des Razr 60 Ultra im Überblick
Das Razr 60 Ultra bildet das neue Flaggschiff im faltbaren Portfolio von Motorola. Der Hersteller hatte es Ende April gemeinsam mit dem günstigeren Razr 60 (ohne „Ultra“) vorgestellt und bietet es seitdem zum unverbindlichen Preis von 1.299,99 Euro mit 16 GB/512 GB an. Beim Razr 60 Ultra stehen Finishes in Leder (ab 736 Euro), Alcantara (ab 689 Euro), Satin (ab 747 Euro) und Holz (ab 749 Euro) zur Auswahl, die (in derselben Reihenfolge) auf die Namen „Rio Red“, „Scarab“, „Cabaret“ und „Mountain Trail“ hören.
Zum Vergleich: Der wohl ärgste Konkurrent Samsung Galaxy Z Flip 6 (Test) ging im Juli 2024 zum Preis von 1.199 Euro mit 12 GB/256 GB und zu Motorola vergleichbaren 1.319 Euro mit 12 GB/512 GB an den Start. Zwischenzeitlich ist das Samsung-Smartphone ab 638 Euro respektive ab 698 Euro zu bekommen. Im Verlauf der kommenden zwei Monate dürfte die nächste Generation des Galaxy Flip angekündigt werden.
Technische Daten des Motorola Razr 60 Ultra
| Motorola Razr 60 Ultra | Samsung Galaxy Z Flip 6 | |||
|---|---|---|---|---|
| Software | Android 15 | Android 14 | ||
| Display | Außen | Innen | Außen | Innen |
| 4,0 Zoll, 1.272 × 1.080 Pixel AMOLED, HDR, 120 Hz |
7,0 Zoll, 2.992 × 1.224 Pixel AMOLED, HDR, 120 Hz |
3,4 Zoll, 720 × 748 Pixel AMOLED, 60 Hz |
6,7 Zoll, 1.080 × 2.640 Pixel AMOLED, HDR, 120 Hz |
|
| Bedienung | Touch, Fingerabdrucksensor, Gesichtsscanner | |||
| SoC | Qualcomm Snapdragon 8 Elite | Qualcomm Snapdragon 8 Gen 3 for Galaxy | ||
| GPU | Adreno 830 | Adreno 750 | ||
| RAM | 16 GB LPDDR5X | 12 GB LPDDR5X | ||
| Speicher | 512 GB (nicht erweiterbar) |
256 GB/512 GB (nicht erweiterbar) |
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| 1. Kamera | 50 MP, Weitwinkel, AF, OIS, f/1.8, 8K-Video | 50 MP, Weitwinkel, AF, OIS, f/1.8, 4K-Video | ||
| 2. Kamera | 50 MP, Ultraweitwinkel, AF, f/2.0 | 12 MP, Ultraweitwinkel, f/2.2 | ||
| Innere Kamera | 50 MP, Weitwinkel, f/2.0, 4K-Video | 10 MP, Weitwinkel, f/2.4, 4K-Video | ||
| GSM | GPRS + EDGE | |||
| UMTS | HSPA+ | |||
| LTE | Advanced Pro | |||
| 5G | NSA/SA | |||
| WLAN | Wi-Fi 7 | Wi-Fi 6E | ||
| Bluetooth | 5.4 | 5.3 | ||
| Ortung | A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo, QZSS | |||
| Weitere Standards | USB-C, NFC, UWB | USB-C, NFC | ||
| SIM-Karte | Dual-SIM (Nano-SIM + eSIM) | |||
| Akku | 4.700 mAh, fest verbaut kabelloses Laden |
4.000 mAh, fest verbaut kabelloses Laden |
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| Größe (H × B × T) |
Zugeklappt | Aufgeklappt | Zugeklappt | Aufgeklappt |
| 88,1 × 74,0 × 15,7 mm | 171,5 × 74,0 × 7,2 mm | 85,1 × 71,9 × 15,1 mm | 165,1 × 71,9 × 6,9 mm | |
| Gewicht | 199 g | 187 g | ||
| Schutzart | IP48 | |||
| Preis (UVP) | 1.299,99 Euro (512 GB) | 1.199,00 Euro (256 GB) 1.319,00 Euro (512 GB) |
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Das Smartphone als persönliches Accessoire
Mit dieser Auswahl an verschiedenen Farben und Materialien schlägt Motorola einen ähnlichen Weg wie Samsung beim Galaxy Z Flip 6 ein, wo sogar noch mehr und vor allem grellere Farben zur Auswahl* stehen, die mit Ausnahme von „Crafted Black“ aber allesamt auf Glas setzen. Das Ziel beider Marketingstrategien ist eindeutig: Das Smartphone soll ein persönliches Accessoire sein, das sich individuell gestalten lässt, damit es zu Mode und Lifestyle passt. Mit Zubehör kann man es sogar wie eine Mini-Handtasche mit sich tragen.
Der Redaktion hat das Unternehmen die Variante „Mountain Trail“ zukommen lassen, also das Modell nicht nur mit Holz-Optik, sondern mit echtem Holz (mit FSC-Zertifizierung) auf der Rückseite, dessen Maserung senkrecht verläuft. Die leichte Struktur im Holz sorgt für eine ungewohnte Haptik, die aber gefällt, zumal das Holz für eine gewisse Wärme in der Hand und einen kleinen „Natureffekt“ sorgt. Den Metallrahmen führt Motorola hingegen in Gold aus, je nach Blickwinkel schwingt auch etwas Kupfer mit. In Kombination mit dem Holz wirkt das alles sehr stimmig und sorgt für ein hochwertiges Erlebnis, zumal das Razr 60 Ultra bestens verarbeitet ist.
Motorola bietet IP48-Schutz
Schön aussehen ist eine Sache, das ein oder andere aushalten muss ein faltbares Smartphone ebenso. Der IP48-Schutz sorgt dafür, dass sich das Razr 60 Ultra dauerhaft in Süßwasser untertauchen (30 Minuten, 1,5 m) lässt und Fremdkörper mit einem Durchmesser ≥ 1,0 mm abwehren kann. Am Strand ist das Smartphone dennoch falsch aufgehoben, allgemein sind Krümel und Staubkörner obgleich der IP48-Zertifizierung der Erzfeind faltbarer Smartphones, weil diese Fremdkörper ja nicht mal in das Gerät eindringen müssen, sondern auch beim Zuklappen für Schäden sorgen können.
Hochwertiger Faltmechanismus
Apropos Zuklappen: Der Faltmechanismus des Razr 60 Ultra ist dem Hersteller schlichtweg sehr gut gelungen. Das Smartphone lässt sich bis auf die letzten paar Grad an beliebiger Stelle öffnen, rastet solide im Endpunkt ein und schnappt beim Schließen wieder satt in Position. Das Scharnier weist zudem nur minimale Toleranzen in den Übergängen auf und lässt sich erst mit mutwillig viel Kraft parallel zur Mechanik verschieben.
Geschlossen nimmt das Smartphone 88,1 × 74,0 × 15,7 mm ein, es ist somit etwas größer als das Galaxy Z Flip 6, das 85,1 × 71,9 × 15,1 mm misst. Geöffnet liegen die Abmessungen bei 171,5 × 74,0 × 7,2 mm. Schwerer ist es mit 199 zu 187 g ebenso. Einen Wow-Effekt wie zuletzt beim Oppo Find N5 (Test) gab es im Test deshalb nicht, aber ein Ausschlusskriterium sind die Abmessungen ebenso wenig, da beide Geräte nicht meilenweit auseinander liegen. Motorola kaschiert das etwas größere Format mit leichten Rundungen im Gehäuse. Im Randbereich finden Anwender Tasten für die Lautstärke und Ein/Aus inklusive Fingerabdrucksensor (rechts) sowie auf der linken Seite eine dedizierte Moto-AI-Taste, die sich alternativ mit anderen Android-Funktionen wie Musik, Screenshots, Rekorder und mehr belegen lässt.
Kein zweites Display zweiter Klasse
Von außen betrachtet zeichnet sich das Razr 60 Ultra selbstverständlich auch über den großen Bildschirm mit den zwei eingelassenen Kameras aus. Gerüchten zufolge plant Samsung so etwas auch für das Galaxy Z Flip 7, beim aktuellen Modell macht das Panel aber noch einen Schlenker um die Linsen. Motorola streckt den Bildschirm seit dem Razr 50 Ultra über die gesamte Vorderseite, zuvor musste beim Razr 40 Ultra noch ein Streifen in Richtung Scharnier ausgespart bleiben.
Motorola behandelt das äußere AMOLED-Display nicht wie eine Anzeige zweiter Klasse, selbst hier gibt es mit 1.272 × 1.080 Pixeln eine vergleichsweise hohe Auflösung und Features wie HDR10(+) und dynamische 120 Hz. 3.000 cd/m² Helligkeit soll das Panel in der Spitze erreichen, die Redaktion konnte vollflächig 1.515 cd/m² ermitteln. An den zuletzt sonnigeren Frühlingstagen in Berlin kam es zu keiner Zeit zu Problemen mit der Ablesbarkeit.
Widgets, Apps und Spiele nach freier Wahl
Der 4,0-Zoll-Bildschirm ist mehr als eine einfache Statusanzeige. Zunächst einmal lässt sich der Sperrbildschirm vielfältig mit individuellen Hintergrundbildern, Widgets, Verknüpfungen und Schriftarten anpassen. Durch das Wischen von oben zur Bildschirmmitte gelangen Nutzer zu den Benachrichtigungen, Wischen nach links und rechts führt zu dedizierten Seiten wie Apps, Wetter, Timer, Kalender, Spiele, Musik und mehr, die man nach eigenen Wünschen ein- oder ausblenden kann. Auch die Google Wallet lässt sich nutzen, sodass das Gerät zum Bezahlen nicht geöffnet werden muss.
Sofern man das möchte, legt Motorola dem Nutzer auch keine Steine in den Weg, was das Ausführen von Apps auf dem Bildschirm betrifft. Welche Apps im äußeren App-Drawer erscheinen sollen, ist frei konfigurierbar, mit potenziellen Inkompatibilitäten aufgrund des Formats muss man dann aber leben können. Von Haus aus beschränkt Motorola viele nicht speziell für das Display designte Apps auf den Bereich oberhalb der zwei Kameras, jede App lässt sich durch langes Halten der Statusleiste am unteren Bildschirmrand aber ins Vollformat vergrößern, was aber auch dafür sorgen kann, dass UI-Elemente hinter den Linsen verschwinden. Allgemein ist das Motto „Geht nicht, gibt's nicht“ aber zu begrüßen. Selbst auf der Tastatur lässt sich außen sogar noch halbwegs akzeptabel tippen.
7-Zoll-Display mit geringem Falz
Klappt man das Razr 60 Ultra auf, bekommt man einen 7,0 Zoll großen Bildschirm mit 2.992 × 1.224 Pixeln, dynamischen 120 Hz (165 Hz im Gaming-Modus), HDR10(+) und Dolby Vision. Fotos lassen sich (wie außen) in Ultra-HDR darstellen. Die von Motorola angegebenen bis zu 4.500 cd/m² müssen sich auf äußerst kleine Bildbereiche beziehen, in der Redaktion war bei vollflächig 1.506 cd/m² und maximal 2.745 cd/m² bei 10 Prozent Weißanteil Schluss. Selbst das sind für ein Flip Phone aber sehr gute Werte.
Positiv stimmte im Test auch die geringe Ausprägung der Falz, die Motorola im Rahmen des technisch Machbaren auf ein Minimum reduziert hat. Dass es einen minimalen Falz auch bei High-End-Geräten wie dem Razr 60 Ultra noch gibt, lässt sich zum einen bei ungünstig einfallendem Licht erkennen. Zum anderen liegt es in der Natur von Flip Phones, dass man praktisch andauernd über den Falz wischt, weil er einmal quer über den Bildschirm verläuft. Bei Foldables im Buchformat ist das weniger der Fall. Dennoch: Was Motorola hier in puncto Bildschirm und Falz abliefert, ist der neue Maßstab.
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