Motorola Razr 60 Ultra im Test: Leistung, Software, Kamera, Akku und Fazit
2/2Das mit dem neuen Maßstab lässt sich unter Berücksichtigung der Produktkategorie „Flip Phone“ auch zur Leistung sagen, denn mit dem Qualcomm Snapdragon 8 Elite kommt der schnellste Prozessor für Android-Smartphones zum Einsatz. Motorola setzt auf den Vollausbau mit acht CPU-Kernen der Qualcomm-Eigenentwicklung „Oryon 2“ mit Arm-Architektur. Hinzu kommen eine leistungsfähige GPU mit Hardware-Raytracing, immer 16 GB RAM (LPDDR5X-9600) und immer 512 GB UFS 4.0. Qualcomms Plattform stellt auch Features wie Wi-Fi 7 und Bluetooth 5.4. Das Smartphone unterstützt Dual-SIM und stellt dafür zweimal Nano-SIM oder alternativ einmal eSIM zur Auswahl.
Razr 60 Ultra im Benchmark
Die über die letzten Tage im Alltag beobachtete, durchweg sehr hohe Leistung und die Benchmarks mit dem Razr 60 Ultra zeigen zum einen, dass Motorola erfolgreich Lifestyle und High-End miteinander kombiniert hat. Die Benchmarks verdeutlichen aber auch, dass der Snapdragon 8 Elite in einem Flip Phone ein wenig „Overkill“ ist und etwas früher an seine Grenzen stößt als in einem klassischen „Barren-Smartphone“ wie etwa dem Galaxy S25 Ultra (Test), Xiaomi 15 (Test) oder ROG Phone 9 (Test).
- Geekbench 6.3 – Multi-Core Total
- Geekbench 6.3 – Multi-Core Integer
- Geekbench 6.3 – Multi-Core Floating Point
- Geekbench 6.3 – Single-Core Total
- Geekbench 6.3 – Single-Core Integer
- Geekbench 6.3 – Single-Core Floating Point
- Geekbench 6.3 – GPU (Metal/Vulkan)
- JetStream 2.1
- PCMark Work 3.0
- PCMark Storage 2.0
Motorola kitzelt somit nicht das Maximum aus dem Chip, dennoch setzt sich das Razr 60 Ultra durchweg vor die Flaggschiffe mit Snapdragon 8 Gen 3 aus dem Vorjahr. Es kommt nicht ganz an die Spitzenwerte anderer Smartphones mit dem gleichen Chip heran. Das muss es aber nicht zwangsweise, denn das Gebotene ist durchweg sehr schnell und führte im Test zu keinerlei Engpässen im Alltag. Auf dem Radar sollte man das dennoch eingeschränkt haben. Das Smartphone schlägt sich zudem ziemlich gut beim Leistungsverhalten unter Dauerlast, wo es nicht zum ständigen Auf und Ab kommt.
- 3DMark Unlimited – Steel Nomad Light (Metal/Vulkan)
- 3DMark Unlimited – Solar Bay (Metal/Vulkan)
- 3DMark Unlimited – Wild Life Extreme (Metal/Vulkan)
- 3DMark Unlimited – Wild Life (Metal/Vulkan)
- 3DMark Steel Nomad Light Unlimited Stress Test (Metal/Vulkan)
- 3DMark Solar Bay Unlimited Stress Test (Metal/Vulkan)
- 3DMark Wild Life Unlimited Stress Test (Metal/Vulkan)
- Basemark GPUScore: In Vitro – 1080p, 60% RT
- GFXBench Offscreen – Aztec Ruins 2160p (High) (Metal/Vulkan)
- GFXBench Offscreen – Aztec Ruins 1440p (High) (Metal/Vulkan)
- GFXBench Offscreen – Aztec Ruins 1080p (Normal) (Metal/Vulkan)
- GFXBench Offscreen – Car Chase 1080p (Metal/OpenGL ES 3.1)
Android 15 mit vier Jahren Updates
Einen gewissen Anteil am flotten Bediengefühl steuert das schlanke Betriebssystem bei, das über weite Bereiche dem von Google bekannten Android 15 entspricht, das um ausgewählte Features, aber eben nicht eine überladene Optik von Motorola ergänzt wurde. Wie für den Vorgänger sagt der Hersteller Updates für drei Android-Hauptversionen und vier Jahre Sicherheitspatches zu. Das ist okay, aber auch nicht mehr als ausreichend und für ein High-End-Smartphone aus Sicht der Redaktion zu wenig. Ab dem 20. Juni 2025 müssen laut EU-Verordnung für mindestens fünf Jahre nach Inverkehrbringen des Produkts Updates zur Verfügung gestellt werden. Google und Samsung gehen mit sieben Jahre bereits über diese Anforderung hinaus.
Moto AI setzt auf mehrere Anbieter
Abseits der optischen Anpassungsoptionen kommt beim Razr 60 Ultra vor allem „Moto AI“ hinzu, das als konsolidierte Oberfläche von Gemini, Perplexity und Copilot verstanden werden kann, sofern man sich dort mit seinen Konten anmeldet. Moto AI setzt außerdem ein Konto bei Motorola voraus, um überhaupt Antworten geben oder Bilder analysieren zu können. Aktuell wird Moto AI zudem nur auf Englisch, Spanisch und Portugiesisch angeboten. Funktional können die verschiedenen Anbieter dann ihre jeweilige Stärken in Moto AI ausspielen. Moto AI steht dabei auch über das äußere Display zur Verfügung und man kann wie bei einem Smart-Speaker oder Gemini Live Unterhaltungen mit dem Gerät führen, die über das hinausgehen, was zuvor etwa mit dem Google Assistant möglich war oder derzeit noch mit Siri machbar ist. Für das „Anschauen und sprechen“-Feature muss Face-Unlock eingerichtet und aktiviert sein.
Mit „Was gibt es Neues?“ soll Moto AI die Flut an Benachrichtigungen bewältigen können, die über den Tag eingehen, aber nicht immer gleich überprüft werden, weil das nicht möglich oder schlichtweg nicht gewollt ist, indem sie zusammengefasst werden. Das funktioniert mit Anrufen, WhatsApp, SMS, Teams, Facebook Messenger, WeChat, Telegram, Line, Discord, Viber, Signal, Instagram, Google Chat, Slack, TextMe, Skype, TikTok, X, LinkedIn und Airbnb bereits zum Start mit ziemlich vielen Apps.
KI-Helfer auch für die Kamera
Künstliche Intelligenz oder besser gesagt Machine Learning soll – wie bei allen anderen Herstellern auch – ganz ohne Zutun des Nutzers auch für bessere Fotos sorgen. Es lässt sich mit der Funktion „Individueller Stil“ aber auch direkt mittels KI Einfluss darauf nehmen wie Bilder aussehen, um Motive wie Essen, Landschaften oder Porträts in einem Rutsch mittels KI zu verändern. Bei Gruppenfotos kann KI dafür sorgen, dass keine der abgelichteten Personen versehentlich die Augen geschlossen hat, indem die Gesichter mehrere Aufnahmen kombiniert werden. Die „Action-Aufnahme“ wiederum soll mittels KI die Geschwindigkeit von Objekten ermitteln und daraufhin die Verschlusszeit anpassen können, damit Objekte wie eingefroren wirken. Das konterkariert selbstverständlich bewusstes Verwischen im Bild, um schnelle Objekte zu betonen.
Fotos mit dem Razr 60 Ultra
Rein auf die Hardware bezogen stellt Motorola im Razr 60 Ultra dreimal 50 Megapixel zur Auswahl, wobei standardmäßig ein Pixel-Binning im Verhältnis 4:1 auf knapp 12,6 MP mit einer Ausgabe in 4.096 × 3.072 Pixeln erfolgt. Die Hauptkamera mit 24 mm Brennweite wird deshalb mit 2,0 µm großen Pixeln von Motorola beworben, nativ sind es 1,0 µm. Die Ultraweitwinkellinse bietet 12 mm Brennweite und kommt auf 1,2 µm respektive 0,6 µm pro Pixel. Die dritte Kamera mit ebenfalls 50 MP findet sich auf der Innenseite für Selfies, wobei man dafür am besten die Hauptkamera der Außenseite mit dem dortigen Bildschirm als Sucher nutzen sollte, um die beste Qualität zu erhalten.
Die kann sich nämlich sehen lassen, wie die nachfolgenden Aufnahmen aus Berlin zeigen. Das Razr 60 Ultra schießt knackige Fotos mit schön intensiven, aber nicht überladenen Farben, mit hohem Detail- und Schärfegrad, ohne künstlich zu wirken, und mit sattem Kontrast bei gleichzeitig gutem Dynamikumfang. Food-Blogger kommen mit dem Smartphone voll auf ihre Kosten, denn in manches Foto will man am liebsten direkt reinbeißen. Gut funktionierte im Test auch der Autofokus der Ultraweitwinkelkamera, um damit im Nahbereich Makrofotos zu schießen. Bei Motorola hat sich über die letzten Jahre viel zum Positiven im Bereich Kamera entwickelt.
Beim Zoomen kommt das Smartphone ohne dediziertes Teleobjektiv hingegen relativ schnell an seine Grenzen. Zweifaches Vergrößern im Sensor sieht noch okay aus, in den höheren Stufen, die digital bis zu einer 30-fachen Vergrößerung reichen, wirken die Aufnahmen aber schwammig oder detailarm. Außerdem muss man grundsätzlich mit einer allgemein etwas schlechteren Qualität leben, wenn nicht mit der nativen Brennweite gearbeitet wird, da dann das Pixel-Binning nicht mehr auf dem Sensor durchgeführt werden kann, die Bilder aber weiterhin mit 12,6 MP ausgegeben werden.
Video in bis zu 8K und mit Dolby Vision
Für Videoaufnahmen bringt Motorola das volle Spektrum an Fähigkeiten des Bildprozessors aus dem Snapdragon 8 Elite zum Einsatz, sodass man in bis zu 4K60 mit Dolby Vision oder 8K30 ohne HDR filmen kann. Ein wenig in die 90er Jahre zurückversetzt wird man mit der Camcorder-Funktion, bei der man das Smartphone nur bis 90 Grad aufklappt und es dann wie einen alten Camcorder umgreift. Das Smartphone erkennt diese Scharnierposition automatisch und verschiebt den Sucher entsprechend in der obere Bildschirmhälfte.
Gute Batterielaufzeiten dank 4.700 mAh
Die Batterielaufzeiten des Razr 60 Ultra sind die längsten, die die Redaktion bislang für ein faltbares Flip Phone ermittelt hat. Absolut betrachtet stößt Motorola mit den 4.700 mAh und 13:33 Stunden im PCMark und 24:14 Stunden in YouTube aber „nur“ bis zum oberen Drittel der Rangliste vor, Geräte klassischer Bauform wie ein Galaxy S25, Pixel 9, iPhone 16 Pro Max oder Xiaomi 15 und andere schaffen noch mehr. Dennoch: Rund anderthalb Tage sind eine realistische Laufzeit. Wenn man sparsam mit dem Smartphone umgeht, sind auch zwei Tage zu schaffen. Will man sicher durch jeden Tag kommen, hängt das Razr 60 Ultra dennoch eher jeden Abend an der Steckdose.
Das lässt sich dank Schnellladefunktion mit 68 Watt in wenigen Minuten erledigen. Nach 10 Minuten ist das Smartphone wieder für mehrere Stunden Nutzung bereit, nach 40 Minuten ist es vollständig geladen. Dafür braucht es aber das passende Netzteil (ab 25 Euro), zum Lieferumfang gehört das nämlich nicht. Drahtloses Laden unterstützt das Razr 60 Ultra mit maximal 30 Watt ebenso, entgegengesetzt sind noch 5 Watt möglich.
Fazit
Das Motorola Razr 60 Ultra ist das derzeit beste „Flip Phone“ auf dem Markt. Und anders als zuletzt das Oppo Find N5 (Test) kann man es ganz regulär in Deutschland erwerben. Motorola hat mit dem Razr 60 Ultra eine über weite Bereiche gute Harmonie aus Lifestyle-Smartphone und High-End-Gerät mit viel Leistung gefunden. Der Gesamtaufbau passt einfach, auch wenn der Preis jetzt direkt zum Start hoch ausfällt und die vier Jahre Software-Support nicht ganz dazu und zum restlichen, überwiegend sehr positiven Eindruck passen wollen.
Der Vorgänger Razr 50 Ultra ist zwischenzeitlich ab 549 Euro zu haben, das Konkurrenzmodell Galaxy Z Flip 6 liegt mit gleich viel Speicher bei ab 698 Euro.
Mit diesen Modellen lässt sich somit Geld sparen, dann erhält man jedoch Hard- und teils Software der vorherigen Generation. Wenn es aber ein 2025er Modell und ein Flip Phone sein muss, dann führt kaum ein Weg am Razr 60 Ultra vorbei. Deshalb hat sich das Smartphone in seiner Kategorie auch eine Empfehlung der Redaktion verdient.
- Tolle Farb- und Materialwahl
- Hochwertige Verarbeitung
- Großes äußeres Display
- Allgemein sehr gute Bildschirme
- Hohe Leistung
- IP48-Schutz
- Gute Kameras
- Aufgeräumte Software
- Gute Batterielaufzeiten
- Schnelles (drahtloses) Laden
- Nur vier Jahre Software-Updates
- Kamera limitiert beim Zoomen
- Moto AI nicht auf Deutsch verfügbar
ComputerBase wurde das Motorola Razr 60 Ultra leihweise vom Hersteller zum Testen zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.
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