Oppo Find N5 im Test: Das Smartphone aus der Zukunft
Das Oppo Find N5 wirkt wie ein Smartphone aus der Zukunft. Trotz der Faltmechanik ist dem Hersteller eine unglaublich dünne Bauweise gelungen, in der dennoch aktuelle Technik und eine große Batterie unterkommen. So müssen faltbare Smartphones konstruiert sein, um Erfolg zu haben. Nur kaufen kann man das Find N5 offiziell nicht.
Globaler Launch ohne globalen Launch
Oppo hatte das Find N5 am 20. Februar im Rahmen eines „globalen“ Launch-Events in Singapur vorgestellt. Der Launch war aber alles andere als global, denn nach Europa wird das faltbare Smartphone nicht kommen, wie der Hersteller offiziell gegenüber ComputerBase erklärte. Für Februar stand in Europa stattdessen die Reno13-Serie an.
At OPPO, we carefully tailor our product launches to each region based on in-depth market research and strategic priorities. The Find N5 will not be launching in Europe. Instead, in Q1 2025, we will introduce the Reno13 Series across Europe on February 24, offering consumers more choices with cutting-edge AI features and stylish, trend-forward designs. Stay tuned for updates.
Oppo
Kaufen kann man das Find N5 in Deutschland (so gut wie) nicht. In China ist das Smartphone ab umgerechnet 1.100 Euro zu bekommen. Im ComputerBase-Preisvergleich findet sich lediglich ein Platzhalter für das Smartphone, auf Idealo wird auf Galaxus (2.459 Euro*), auf eBay (1.802 Euro* (eBay)) und auf Electronis (1.899 Euro) verwiesen. TradingShenzhen führt die chinesische Variante ohne Google-Dienste für 1.477 Euro. Darauf müssen Käufer stets ganz genau achten.
Technische Daten des Oppo Find N5
| Oppo Find N5 | Samsung Galaxy Z Fold 6 | |||
|---|---|---|---|---|
| Software (zum Start) | Android 15 | Android 14 | ||
| Display | innen | 8,12 Zoll, 2.480 × 2.248, AMOLED, HDR, 120 Hz | 7,6 Zoll, 2.160 × 1.856, AMOLED, HDR, 120 Hz | |
| außen | 6,62 Zoll, 2.616 × 1.140, AMOLED, HDR, 120 Hz | 6,3 Zoll, 2.376 × 968, AMOLED, HDR, 120 Hz | ||
| Bedienung | Touch, Fingerabdrucksensor, Gesichtsscanner | Touch, Stylus, Fingerabdrucksensor, Gesichtsscanner | ||
| SoC | Qualcomm Snapdragon 8 Elite (7-Core-Version) | Qualcomm Snapdragon 8 Gen 3 for Galaxy | ||
| GPU | Adreno 830 | Adreno 750 | ||
| RAM | 12 GB/16 GB LPDDR5X | 12 GB LPDDR5X | ||
| Speicher | 256 GB/512 GB, UFS 4.0 | 256 GB/512 GB/1 TB, UFS 4.0 | ||
| Kameras | hinten | Weitwinkel | 50 MP, f/1.8, Dual-Pixel-AF, OIS, 21 mm | 50 MP, f/1.8, Dual-Pixel-AF, OIS, 23 mm |
| Ultraweitwinkel | 8 MP, f/2.2, AF, 15 mm | 12 MP, f/2.2, 12 mm | ||
| Tele | 50 MP, f/2.7, AF, OIS, 70 mm | 10 MP, f/2.4, AF, OIS, 70 mm | ||
| vorne | 8 MP, f/2.4 | 10 MP, f/2.2 | ||
| innen | 8 MP, f/2.4 | 4 MP, f/1.8, UDC | ||
| Mobilfunk | GPRS/EDGE, HSPA+, LTE Advanced Pro, 5G NSA/SA | |||
| WLAN/BT | Wi-Fi 7, Bluetooth 5.4 | Wi-Fi 6E, Bluetooth 5.3, UWB | ||
| Ortung | A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo, QZSS | |||
| Weitere Standards | USB-C 3.2 Gen 2, NFC | USB-C 3.2 Gen 1, NFC | ||
| SIM | 2 × Nano-SIM + 1 × eSIM | |||
| Akku | 5.600 mAh (fest verbaut), 80 W, kabelloses Laden (50 W) | 4.400 mAh (fest verbaut), 25 W, kabelloses Laden (15 W) | ||
| Größe | aufgeklappt | 160,9 × 146,6 × 4,21 mm | 153,5 × 132,6 × 5,60 mm | |
| zugeklappt | 160,9 × 74,4 × 8,93 mm | 153,5 × 68,1 × 12,10 mm | ||
| Gewicht | 229 g | 239 g | ||
| Schutzart | IPX9 | IP48 | ||
| Preis | UVP | – | 1.999 Euro (256 GB) 2.119 Euro (512 GB) 2.359 Euro (1 TB) |
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| Preisvergleich | – | ab 1.029 Euro (256 GB) ab 1.165 Euro (512 GB) ab 3.309 Euro (1 TB) |
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Diese Hardware sorgt für Staunen
Blendet man die Beschaffungsproblematik einmal aus, ist das Find N5 nach vielen Jahren der Tristesse und gefühlt immer wieder gleich aussehender Smartphones mal wie ein Gerät, dessen Hardware für Staunen sorgt. Die Momente, in denen Hardware noch für Begeisterung sorgen kann, waren zuletzt rar. Aber was Oppo mit dem Find N5 auf die Beine gestellt hat, sucht seinesgleichen und markiert einen neuen Benchmark.
Dünn, dünner, Find N5
Neues Terrain betritt Oppo in erster Linie mit der unfassbar dünnen Bauweise des Find N5. War in diesem Punkt bislang das Honor Magic V3 die Messlatte, setzt Oppo jetzt noch einen oben drauf – oder besser gesagt drunter. Lediglich 4,21 mm geöffnet und 8,93 mm geschlossen misst das Find N5. Dünner geht es praktisch kaum noch, da eine Hälfte des Smartphones in etwa die Dicke einer USB-C-Buchse aufweist. Viel Material zur Einfassung des Anschlusses bleibt da nicht übrig.
Den „Erfinder des faltbaren Smartphones“, nämlich Samsung, lässt Oppo ziemlich alt aussehen. Deren aktuelles Topmodell Galaxy Z Fold 6 (Test) kommt auf 5,6 mm geöffnet und 12,1 mm geschlossen. Das ist eine vollständig andere Liga, in der Oppo spielt. Das Find N5 ist das erste faltbare Smartphone, das ComputerBase getestet hat, das sich in der Hosentasche eben nicht mehr wie ein faltbares Smartphone, sondern ganz normal anfühlt. Ein iPhone 16 Pro Max mit Hülle spürt man in der Tasche sogar eher. Das liegt auch am Gewicht, das mit 229 g nicht höher als bei anderen Flaggschiffen ausfällt.
IPX9-Schutz gegen Strahlwasser
Die schlanke Bauweise verbindet Oppo mit einer dennoch soliden Konstruktion, sie geht demnach nicht auf Kosten der Stabilität. Das Find N5 ist durch und durch hochwertig verarbeitet, das Scharnier fühlt sich belastbar an und öffnet und schließt mit einer Mechanik, die für ein sattes „Schnappen“ sorgt. Oppo hat das Smartphone bis zu IPX9 zertifizieren lassen, es soll demnach starkes Strahlwasser, zeitweiliges und dauerndes Untertauchen und sogar Wasser bei Hochdruck-/Dampfstrahlreinigung aushalten – mehr als fließendes Wasser hat sich die Redaktion beim Testgerät aber nicht getraut. Bei Samsung gibt es seit der aktuellen Generation hingegen einen IP48-Schutz, der auch feste Fremdkörper mit einem Durchmesser ≥ 1,0 mm fernhalten soll.
OLED-Displays mit 6,62 und 8,12 Zoll
Zwei Bildschirme stellt das Find N5 dem Anwender zur Verfügung, die mit 6,62 Zoll außen und 8,12 Zoll innen größer als etwa beim Galaxy Z Fold 6 ausfallen. Auf die Fläche bezogen überragt das Oppo-Modell deshalb den koreanischen Konkurrenten, es ist demnach nicht in jedem Aspekt kleiner. Beide Bildschirme setzen auf AMOLED-Panels, unterstützen bis zu 120 Hz und sollen besonders hell leuchten. 2.450 cd/m² und 2.100 cd/m² seien in der Spitze für den äußeren respektive inneren Bildschirm möglich.
Herstellerangaben nicht erreicht
Die Herstellerangaben hat die Redaktion im Test nicht erreicht, zumal hohe Helligkeitswerte auch nur unter Verwendung der automatischen Regulierung abgerufen werden können. Bei manueller Einstellung waren 513 cd/m² außen und 529 cd/m² innen möglich – jeweils bei 100 Prozent Weißanteil. Nimmt man das Pro-Farbprofil anstelle des voreingestellten „Natürlich“, wird der Weißpunkt korrekt auf D65 mit 6.500 statt 7.200 Kelvin gestellt, die Helligkeit reduziert sich damit aber auf 500 cd/m². Im Automatikmodus waren außen 1.365 cd/m² und innen 1.227 cd/m² möglich, bei reduziertem Weißanteil (10 Prozent) ließen sich weitere ~200 cd/m² aus den Panels kitzeln. Die Herstellerangabe von bis zu 2.450 cd/m² und 2.100 cd/m² ist damit nicht nachvollziehbar, sie bezieht sich unter Umständen auf extrem kleine Bildbereiche unterhalb von 10 Prozent Weißanteil.
Zwei Bildschirme in der Praxis
Der äußere Bildschirm ist dabei mit dem normaler Smartphones vergleichbar, da er eine reguläre Glasabdeckung bietet und sich nicht anders anfühlt als das, was man bei anderen Herstellern in regulärer Bauform findet. Zum Scharnier hin fällt die schwarze Einfassung auch nicht breiter aus als auf der rechten Seite. Geschlossen ist das Find N5 von der Bedienung her ein ganz normales „Barren“-Smartphone. Es lässt sich über den Fingerabdrucksensor in der Power-Taste oder über eine 2D-Kamera-basierte Gesichtserkennung mittels 8-MP-Kamera im Frontbildschirm entsperren.
Das Thema Falz mal wieder
Der große Unterschied zu einem regulären Smartphone offenbart sich nach dem Öffnen. 8,12 Zoll und damit viel Fläche für mehrere parallel geöffnete Apps und wahlweise auch schwebende App-Fenster bietet das Find N5 dann. Oppo hat für das faltbare AMOLED-Panel versucht, den vertikal verlaufenden Falz auf ein Minimum zu reduzieren und hat dafür auch mehrfach im Vergleich zur vermeintlich schlechteren Konkurrenz geworben. In der Praxis muss man aber sagen, dass dies Oppo nur teils gelungen ist. Der Falz mag marginal weniger hervorstechen als etwa bei Samsung, er ist aber nach wie vor da und genau genommen gibt es sogar zwei kleine Wellen im Display. Von jeder der beiden Hälften aus bildet sich zur Mitte hin eine minimale Vertiefung, bevor exakt in der Mitte eine minimale Erhöhung verläuft. Eine Falz bleibt bei dieser Art von Smartphone mit dem aktuellen Stand der Technik weiterhin unvermeidbar.
Unverändert fällt auch nach wie vor die Haptik dieser flexiblen Panels aus, da aufgrund der Faltmechanik kein klassisches Schutzglas angebracht werden kann. Stattdessen sitzt über dem Panel eine ab Werk aufgebrachte dünne Schutzfolie, die man tunlichst nicht abziehen sollte. Fettfinger hinterlassen auf dem inneren Bildschirm eher Spuren als auf dem äußeren, das Panel sieht deshalb stets etwas schmutziger aus.
Viel Platz für Apps
Das innere Display spielt immer dann seine Vorteile aus, wenn eine Anwendung dafür angepasst wurde respektive generell Vorteile bietet, die sich aus einem größeren Bildschirm und damit mehr Platz in der App ergeben. Ein Paradebeispiel ist Google Maps, das beim Erkunden von Karten, Routen, Sehenswürdigkeiten, Hotels und Restaurants auf dem inneren Displays viel interaktiver wirkt und mehr zur längeren Nutzung einlädt. Damit unterwegs eine neue Stadt erkunden ist fast so, als würde man wie früher eine analoge Karte aus Papier in der Hand halten – nur eben mit viel mehr Informationen gespickt. Durch die Fortsetzen-Funktion lässt sich zudem unterbrechungsfrei zwischen den beiden Bildschirmen wechseln, ohne eine App neu öffnen zu müssen.
Chrome wiederum agiert auf dem Find N5 mehr wie ein Browser auf Tablets oder Desktop-PCs, die Tabs, die Suchleiste und Bedientasten werden zum Beispiel dauerhaft sichtbar oben dargestellt, was praktisch im Alltag ist. Für die meisten Websites ist das Find N5 allerdings nicht breit genug und wird weiterhin als normales Smartphone erkannt, sodass die mobile Ansicht ausgespielt wird. Responsive Designs, wie sie auch ComputerBase nutzt, wechseln oftmals erst zur Tablet- respektive Desktop-Ansicht mit mehr gleichzeitig sichtbaren Inhalten, wenn man das Find N5 um 90 Grad dreht. Gerade diese Bewegung will man bei einem Foldable aber die meiste Zeit vermeiden.
Videos profitieren kaum
Und es gibt selbstverständlich auch diejenigen Apps, die zwar initial mehr in der Übersicht anzeigen, beim eigentlichen Inhalt dann aber kaum vom großen Bildschirm profitieren. Das sind vor allem Streaming-Apps, da Inhalte dort meistens in 16:9 oder noch schmaleren Formaten wie 21:9 vorliegen. Das Find N5 kommt innen aber eher auf das Format 8:9, ist also höher als breiter und fast quadratisch ausgelegt. Bei Filmen, Serien und YouTube-Videos bleibt deshalb extrem viel schwarze ungenutzte Fläche übrig – egal wie man es dreht und wendet.
Multitasking mit mehreren Apps
Multitasker kommen mit dem inneren Bildschirm hingegen voll auf ihre Kosten, da sich sehr gut zwei Apps nebeneinander in der jeweils üblichen Smartphone-Ansicht darstellen lassen. Diese App-Paare lassen sich auch zusammengefügt ablegen, sodass man sie nicht jedes Mal aufs Neue konfigurieren muss. Ein vergleichbares Feature bietet auch Samsungs One UI für das Galaxy Z Fold 6. Dabei lässt sich über einen Schieberegler definieren, wie viel Fläche jede App einnehmen darf. Bei Bedarf lassen sich zusätzlich schwebende Fenster erstellen, um dort zusätzliche Inhalte anzuzeigen.
Android 15 mit sechs Jahren Updates
Das Find N5 läuft ab Werk mit Android 15 und dem eigenen Aufsatz ColorOS 15 und war zum Zeitpunkt des Tests mit den aktuellen Sicherheitspatches von April 2025 ausgestattet. Oppo hat dem Smartphone für vier Jahre neue Android-Hauptversionen und für sechs Jahre Sicherheitspatches zugesagt. Inwiefern das auch bei in Deutschland genutzten importierten Geräten eingehalten werden kann, bleibt abzuwarten und sollte im Hinterkopf behalten werden.
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