Erzherzog schrieb:
Hier im Forum werden viele auch für Hardware sparen und hauen alle paar Jahre 5k raus, das hat noch lange nix damit zu tun das man irgendwie reich wäre.
Stimme mit dem meisten überein, was Du schreibst, nur nicht mit den "5k".
"Hier im Forum" tummeln sich - da hast Du sicher recht - vermutlich viele "Technik-Lover" (in dem Zusammenhang vielleicht passender als "Nerds" oder "Geeks"), die einen technischen Beruf ausüben oder eine technische Ausbildung absolvieren.
Als solcher mag ich "elegante" Hardware/Gadgets - nicht "teure/dekadente". Unter "elegant" verstehe ich u. a. ein wirklich gutes P/L-Verhältnis und hohe Effizienz (also Performance/Watt). Dazu kommt als weitere Motivation der DIY-Faktor: der Ausdruck des Individualismus ("das gewisse Etwas" des eigenen Builds) und der
Respekt, wer's selber macht!
Technik-Lover sind sich außerdem der Tatsache bewusst, dass der Wertverlust bei Hardware enorm ist und regelmäßige Upgrades notwendig sind, wenn man immer bei AAA @ High Settings dabei sein will. Seinen DIY-PC sieht man also mit anderen Augen als z. B. das restaurierte Motorrad … mehr Affäre als Liebesbeziehung.
Insofern bin ich mir sicher, dass sehr viele an einem Mainboard > 300 Euro keinerlei Interesse haben und die Beschäftigung damit als Zeitverschwendung ansehen. Natürlich verstehen die Technik-Lover, dass es solche dekadenten Produkte geben muss (Trickle-Down-Effekt in der Technik), kaufen würden sie sie aber niemals.
Mit dem Einkommen der Leute hat das natürlich Alles herzlich wenig zu tun, das ist eine Frage der Haltung/Einstellung. P/L-Verhältnis und Effizienz von dekadenter Hardware sind grottenschlecht und im Sortiment der Hersteller erfüllen sie als "Machbarkeitsstudien" und "Showpieces" lediglich eine bestimmte Marketing-Funktion.
So gesehen frage ich mich auch eher, warum die "normalen" Sachen - über alle Marksegmente hinweg und inflationsbereinigt - immer teurer werden.
Einen DIY-Desktop mit den Chips "nachzubauen", die
in einem aktuellen Gamer-Laptop verbaut sind, ist im Moment zu dem Preis eben dieses Laptops nicht mehr möglich. Warum ist das so? (Ich kann mich noch daran erinnern, dass Desktops lange Zeit preiswerter als Laptops waren.)
- DIY-Desktop = (aussterbende) Nische / viel R&D für geringe Stückzahlen?
- Zu hoher technischer Aufwand für (letztendlich überbewertetes) OC / Featuritis?
- Ausgereizte Architekturen?
- Miner-Konkurrenz?
- Kartellabsprachen / Margengier?
- Schweinezyklus?
- Retouren im Online-Handel ("Personal Binning" / "Probieren geht über Studieren")?
- Gegenwärtige Beschaffungs- und Logistikkrise?
Das sind die Fragen, die unsereins umtreiben, zusammen mit Befürchtungen, dass sich die Preissituation bei den Desktop-Komponenten nicht mehr bessern wird … also letztendlich die Frage, ob ich ein Hobby
aufgeben werde, weil es nicht mehr mit meiner Haltung/Einstellung in Einklang zu bringen ist.
Bevor ich nämlich selbst "dekadent" werde, greife ich dann lieber zum (nicht gerade individuellen) Gamer-Laptop oder zur Konsole. Damit kann ich immerhin noch spielen …
Mein Vater hat irgendwann mal sein Hobby SLR-Fotografie (Leica R) aufgegeben und seine Ausrüstung an Sammler verkauft, als die Bilder mehr und mehr digital wurden. Heute fotografiert und filmt er meistens mit dem Smartphone (statt mit seiner DSLR) … dafür mehr als früher. Man muss wohl einfach lernen loszulassen.