Aufgeweichtes US-Embargo: Nvidia darf H20 und RTX Pro 6000D wieder nach China liefern
Jensen Huangs Bemühungen in Washington hatten Erfolg: Nvidia darf H20-AI-Karten wieder nach China verkaufen. Die Aktie reagiert prompt mit einem Sprung nach oben. Ob diese Thematik jedoch von Dauer ist, darin bestehen Zweifel. Erst einmal hilft es Nvidia jedoch, von Milliarden schweren Inventarbeständen herunter zu kommen.
In den letzten Tagen war es bereits erwartet worden, in der vergangenen Nacht wurde es Realität. Nvidia-CEO Jensen Huang hat bei seinem Besuch in China verkündet, dass Nvidia die Lieferungen der H20 genannten AI-Beschleuniger wieder aufnehmen darf und wird.
NEWS: NVIDIA will resume H20 sales to China.
— NVIDIA Newsroom (@nvidianewsroom) July 15, 2025
The U.S. government has assured licenses will be granted, with deliveries expected soon.
NVIDIA CEO Jensen Huang also announced a new, fully compliant RTX PRO GPU for China.
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Zuvor waren Jensen Huang – im Anzug – und hochrangige Mitarbeiter mehrmals in Washington bei der Trump-Administration sowie in China vorstellig geworden. In den letzten Wochen wurden die Töne von Nvidia stets versöhnlicher, das Unternehmen lobte Vorhaben hier und US-Ausbauten dort. Das Ziel wurde nie aus den Augen verloren: Verkäufe nach China wieder zu ermöglichen. Für Nvidia war und ist der Markt sehr wichtig, das Potenzial für Verkäufe sehr groß.
Der plötzliche Bann auf die Lösungen hatte im April dieses Jahres volle Lager zurückgelassen. Insgesamt bezifferte Nvidia die möglichen Verluste durch nicht verkaufte Bestände beziehungsweise verlorene Aufträge auf bis zu 15 Milliarden US-Dollar. Die Aktie ging daraufhin auf Talfahrt – doch nach der Meldung in der vergangenen Nacht erreichte sie neue Rekordwerte.
$NVDA is now trading at ~$171, about $4.2T market valuation
— The AI Investor (@The_AI_Investor) July 15, 2025
I think I was the only one predicting Nvidia to hold on to H20 inventory to sell later in China.
3 months ago on our discord's nvda channel:
"I can't wrap my head around the earlier report that the CFO said Nvidia… pic.twitter.com/ZB7JVyHhbx
Auch neue RTX Pro dürfen nach China verkauft werden
Die H20-Lösungen werden zudem nicht die einzigen Chips sein, die Nvidia nach China verkaufen darf. In der Nacht bestätigte das Unternehmen, auch neue RTX-Pro-GPUs zu liefern.
The U.S. government has assured NVIDIA that licenses will be granted, and NVIDIA hopes to start deliveries soon. Finally, Huang announced a new, fully compliant NVIDIA RTX PRO GPU that “is ideal for digital twin AI for smart factories and logistics.
Nvidia
Dabei dürfte es sich um die RTX Pro 6000D handeln, eine für China angepassten Variante der RTX Pro 6000 auf Blackwell-Basis. Laut DigiTimes aus Asien könnte der Umfang im ersten Jahr zwei Millionen Stück erreichen.
Wie die exakten Spezifikationen aussehen, dazu gibt es heute noch keine Angaben. In der Regel muss Nvidia die Skalierbarkeit über multiple GPUs eingrenzen, auch beim Speicher etwas anpassen. Denn die Sanktionen der US-Regierung sind weiterhin nicht vollständig aufgehoben.
Gemäß weiterer Informationen wurden Nvidias Exporte wohl im Austausch gegen Lieferungen von wichtigen Mineralien aus China an die USA genehmigt. Eine Vereinbarung zwischen den USA und China soll hier als nächstes anstehen.
Treasury Secretary Scott Bessent last month: “There is no quid pro quo in terms of chips for rare earths”
— Mackenzie Hawkins (@mackhawk) July 15, 2025
And on Bloomberg TV just now, asked whether the US is allowing Nvidia H20 sales to China as a quid pro quo for rare earths: “Yeah, I think it was all part of a mosaic.” pic.twitter.com/WKlRULOGWu
Insofern hatten auch Chinas Exportbeschränkungen auf Erze, Mineralien und Co. Erfolg: Nvidia zum Spielball in der Politik geworden. Fragen dürfte dies dann aber durchaus nach der Laufzeit und Haltbarkeit der neuen Regelung aufwerfen. So schnell wie zuletzt Entscheidungen gekommen waren, sind sie oft auch wieder gegangen.
Gemäß Nachrichten aus China wird Nvidia nur die Inventarbestände der H20-Chips abverkaufen, aber keine neuen mehr produzieren. Angepasste Blackwell-Chips sollen später im Jahr übernehmen, wenngleich diese zum Teil aber nicht so leistungsstark wie H20 sind.
"H20 will only be sold from existing stock, and there will be no additional production once it's depleted. Large customers applying for BIS (Bureau of Industry and Security) export control exemptions must submit detailed quantities, and some are considering applying indirectly…
— Jukan (@Jukanlosreve) July 16, 2025