Qualcomm-Prozessor: Das verbraucht der Snapdragon X2 Elite
4/4Die Architektur des Snapdragon X2 Elite (Extreme) lässt in mehreren Bereichen erkennen, dass Qualcomm aus dem Mobile-Umfeld kommt und ein niedriger Verbrauch häufig im Fokus der Entwicklung stand. Darauf basierend skaliert der Hersteller in Richtung Leistung, jedoch ohne die Prinzipien über Bord zu werfen. Aber was verbraucht der Snapdragon X2 Elite denn nun in der Praxis? Das war zur Vorstellung auch im Forum von ComputerBase eine mehrfach gestellte Frage, die sich mit den zur Verfügung stehenden Informationen bislang aber nur eingeschränkt beantworten ließ.
Die OEMs spezifizieren die TDP
Warum bislang keine Angaben gemacht wurden, hat mehrere Gründe. Zum einen sagt Qualcomm, dass sie schlichtweg keine TDP spezifizieren und die Auslegung des Chips den OEMs überlassen. Was der Snapdragon X2 Elite (Extreme) bei einem OEM verbrauchen darf, hängt vom individuellen Design ab. Zu beachten sind Faktoren wie Abmessungen, Gewicht, Kostenziele, Oberflächen- und Luftauslass-Temperaturen und Geräuschniveau. Diese Stellschrauben eines Notebook-Designs ergeben die „Platform Sustained SoC Power Dissipation Capability“.
Referenzdesigns ohne Limit und mit 22 Watt
Da es noch keine OEM-Lösungen gibt, übernimmt den Teil der Spezifizierung derzeit noch Qualcomm selbst mit zwei Compute Reference Designs (CRD), eigenen Referenzdesigns also. Den größten Snapdragon X2 Elite Extreme (X2E-96-100) demonstriert Qualcomm in einem 16-Zoll-Chassis mit „unconstrained“ SoC Power Dissipation Capability. In diesem Fall sind Gerät und Kühlsystem demnach so ausgelegt, dass der Chip voll aufdrehen kann, ohne in Restriktionen etwa durch die Temperaturen zu laufen. Das kleinere 18-Kern-Modell (X2E-88-100) und die 12-Kern-Variante (X2E-80-100) demonstriert Qualcomm in einem kleineren 14-Zoll-Chassis, das 22 Watt SoC Power Dissipation Capability aufweist.
Das verbraucht der Chip in ausgewählten Apps
Praxisbeispiele für den X2E-96-100 zeigen, mit welchem Verbrauch Anwender rechnen können, sofern das Serien-Notebook ebenfalls „unconstrained“ laufen sollte.
| All-Core Workload (X2E-96-100) | SoC Power |
|---|---|
| Memory Test | 107,94 W |
| Handbrake | 84,78 W |
| Cinebench 2024 MT | 70,31 W |
| Integer Spinloop | 30,19 W |
| Geekbench 6 MT | 8,41 W |
Erste Designs mit 20 bis 40 Watt erwartet
Qualcomm erwartet zum Marktstart der Plattform im ersten Halbjahr 2026 vor allem Notebooks aus der Kategorie „Thin & Light“ mit aktiver Kühlung und einer „Platform Sustained SoC Power Dissipation Capability“ von 20 bis 40 Watt. Darüber positioniert das Unternehmen „Premium Thin“ mit der Option auf eine dedizierte GPU und 60 bis 100 Watt. In der Kategorie „Desktop Replacement Laptop“ werden die neuen Chips wohl eher nicht zu sehen sein, wenngleich die PCIe-Schnittstelle durchaus die Anbindung großer Grafikkarten ermöglichen würde.
OEMs können SBO durchführen
Der Chip-Entwickler bietet OEMs auch eine „Scenario-based Optimization“ (SBO) mittels von Qualcomm erstellter System-Software. Die SBO soll spezifische Anwendungen erkennen und Leistung und Verbrauch optimieren. Zum Beispiel lässt sich das Gerät für schnelle App-Starts und eine hohe Browser-Leistung und zugleich für einen niedrigen Verbrauch bei der lokalen Videowiedergabe oder beim Spielen optimieren.
Definierbare Power-Limits für SoC und System
Qualcomms neue Plattform arbeitet mit „System Power & Electrical Limits“ (SPEL), die SoC- und System-Verbrauch definieren und ähnlich wie das PL1 und PL2 zum Beispiel bei Intel arbeiten. Dabei gibt es mit dem SOC PL2 ein Power-Limit für den Burst-Modus des Chips und mit dem SOC PL1 ein kontinuierliches Power-Limit, um die für das jeweilige System vom OEM definierte maximale Oberflächentemperatur einzuhalten.
Über das SoC hinaus gibt es auch „System Power Limits Definitions“ für das gesamte System. Mittels SYS PL3 wird das Burst-Power-Limit bei der Nutzung ausschließlich über die Batterie definiert. Das SYS PL2 entspricht dem kontinuierlichen Power-Limit bei der Nutzung mit Batterie oder am Netzteil. Über das zuvor erklärte SOC PL1 legt Qualcomm zusätzlich das SYS PL1 fest, das die Grenze des Systemverbrauchs unter Berücksichtigung der maximal erlaubten Oberflächentemperatur des Notebook-Designs darstellt.
HWiNFO unterstützt Snapdragon-Prozessoren
Mit den SPEL schafft Qualcomm erstmals auch ein Software-Interface für Telemetriedaten, damit Tools den Verbrauch des Chips und Notebooks auslesen können. Das (auch in Redaktionen) beliebte Werkzeug HWiNFO unterstützt seit Version 8.32 vom 14. Oktober erstmals offiziell die Prozessoren von Qualcomm. Mit der jüngst veröffentlichten Version 8.34 vom 11. November kamen für die Verbrauchsmessungen „detailed descriptions for power items monitored on Qualcomm Snapdragon“ hinzu.
Qualcomm und HWiNFO feilen noch am Support
Der Support von Qualcomms Prozessoren in HWiNFO war lange Zeit überfällig, er befindet sich aktuell aber noch in einem frühen Stadium. Wie Qualcomm auf Nachfrage von ComputerBase erklärte, könne es beim Auslesen zu Abweichungen von 10 bis 15 Prozent zum echten Verbrauch kommen. Maßnahmen zur Verbesserung der Daten seien aber bereits auf den Weg gebracht worden und sollen in künftige Versionen fließen. Qualcomm arbeitet dafür mit dem HWiNFO-Entwickler Martin Malik zusammen.
Gleiche Leistung mit Balanced-Profil und Batterie
Beim Thema Verbrauch war es Qualcomm zum Architecture Day auch wichtig zu zeigen, dass Snapdragon-Notebooks im Batteriebetrieb mit Balanced-Profil bis auf wenige Ausnahmen praktisch keine Leistung gegenüber der Nutzung am Netzteil verlieren. Im Regelfall soll die gleiche Leistung mit 1 bis 2 Prozent Abweichung geboten werden. Notebooks mit Snapdragon sollen sich wie Smartphones mit Snapdragon verhalten. Das zeigt die Wurzeln des Konzerns und untermauert, dass mit den Snapdragon X2 eine Balance aus Leistung und Verbrauch gefunden wurde.
ComputerBase hat Informationen zu diesem Artikel von Qualcomm im Rahmen einer Veranstaltung des Herstellers in San Diego unter NDA erhalten. Die Kosten für Anreise, Abreise und drei Hotelübernachtungen wurden von dem Unternehmen getragen. Eine Einflussnahme des Herstellers auf die oder eine Verpflichtung zur Berichterstattung bestand nicht. Die einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt.
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