Jaco_E schrieb:
Nach 2-3 Stunden, wenn sich die Welt richtig öffnet, wird dann offensichtlich dass alles nur Kulisse und lieblos mit Fleißarbeit zugestopft ist.
Willkommen bei der Ubisoft-Formel – oder besser gesagt: Genau das ist die Ubisoft-Formel.
Eine optisch beeindruckende Welt, inhaltlich aber leer. Vollgestopft mit Sammelobjekten, belanglosen Nebenaufgaben und einer Story, die so vorhersehbar ist, dass man mit drei funktionierenden Gehirnzellen problemlos weiß, was als Nächstes passiert. Ubisoft übertrifft sich da regelmäßig selbst – und zwar in Sachen Belanglosigkeit.
Das Charakterdesign? Vergiss es. Nach fünf Minuten oder dem nächsten Dialog ist der Name schon wieder aus dem Kopf – weil’s einfach komplett egal ist. Mir ist es oft passiert, dass ich dachte: Wer ist das nochmal? Oder: Hab ich den überhaupt schon mal gesehen? Antwort: Ja, wahrscheinlich – aber es spielt eh keine Rolle. Wer bei Story oder Figuren mitdenken will, ist bei Ubisoft-Spielen an der falschen Adresse. Hirn aus, Dialoge skippen – man verpasst eh nichts.
Fairerweise muss man sagen: Die Welt in Avatar ist wirklich hübsch geworden. Sie wirkt deutlich liebevoller gestaltet als vieles andere, was man sonst von Ubisoft kennt. Nur: Das reißt den Rest eben nicht raus.
Ich hab Avatar damals mit neuer Hardware kostenlos bekommen und vielleicht bis zur Hälfte gespielt. Gekauft hätte ich es mir ehrlich gesagt nie – vor allem nicht zum Vollpreis. Ich hab’s wirklich nur gespielt, weil’s gratis war. Und dafür war’s okay – aber mehr auch nicht.
Das Befreien der Außenposten hatte ganz klar Far-Cry-Vibes, was auch mit am meisten Spaß gemacht hat. Unterm Strich ist Avatar für mich ein Far Cry mit anderem Skin. Ich mochte das Schleichen mit dem Bogen und das Chaos-Stiften – das war cool. Auch das Fliegen mit dem Vogel (dessen Name mir schon wieder entfallen ist) war nett, wenn auch von der Steuerung her etwas gewöhnungsbedürftig.
Interessant ist: Dass Ubisoft auch fast zwei Jahre nach Release noch große Updates ankündigt. Das ist eher untypisch – normalerweise gibt’s vielleicht mal einen 4K-Texture-Patch für die neue Konsolengeneration, wie bei AC Origins. Aber neue Spielelemente? Eher selten. Umso erstaunlicher, dass sie hier nochmal nachlegen wollen – gerade in Anbetracht der angespannten Lage von Ubisoft.
Noch ein Punkt: Die Ego-Perspektive passt bei Far Cry, keine Frage. Aber bei Avatar – gerade bei den Kletterpassagen – wirkte sie irgendwie falsch. Da hat sie mich eher genervt.
Ob ich das Spiel mit dem Update nochmal anfasse? Eher unwahrscheinlich. Ich hab aktuell kaum Zeit zum Zocken – und mein nächstes Game steht eigentlich auch schon fest.