Gesetzentwurf in Taiwan: TSMCs Übersee-Fabs sollen nicht State-of-the-Art sein dürfen

Volker Rißka
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Gesetzentwurf in Taiwan: TSMCs Übersee-Fabs sollen nicht State-of-the-Art sein dürfen

Der „Silicon Shield“ bekommt Rückendeckung: Taiwans Regierung verabschiedet einen Gesetzentwurf, der TSMC beste Fabs stets in Taiwan vorsieht. Für Überseefabriken, allen voran natürlich inzwischen die in den USA, bedeutet dies, dass sie mit N+1 (eine Generation zurück) oder erst bei N+2 (zwei zurück) starten dürfen.

Der sogenannte „Silicon Shield“

Bisher war dieser Ansatz bestenfalls schwammig formuliert, das wird sich nun ändern. Taiwans Regierung weiß um TSMC und den daraus entstanden sogenannten „Silicon Shield“. Das ist zwar kein offizieller Begriff, aber in der Branche steht er dafür, dass vor allem TSMC, aber auch andere lokale Unternehmen mit ihren unzähligen Halbleiterfabriken und darin produzierten Produkten für den Weltmarkt so etwas wie ein Schutzschild für Taiwan bedeutet. Ob das China allerdings wirklich abhält, Worten in Zukunft Taten folgen zu lassen, steht auf einem anderen Papier.

Um diesen Status dennoch etwas weiter zu zementieren, hat die Regierung nun einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der bis zum Jahresende abgesegnet sein soll. Darin ist explizit vermerkt, dass TSMC in Taiwan die Fabriken für die besten Fertigungsprozesse errichten muss. Im Ausland ist bestenfalls N+1 erlaubt, als ein Fertigungsschritt älter als das aktuell in Taiwan gefertigte State-of-the-Art-Produkt. Der Export neuerer Technologie soll demnach sogar untersagt sein.

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Für die USA war mehr erwartet worden

Vor allem für die USA ist dies ein kleiner Rückschlag. Einige US-Medien und Analysten hatten nach der letzten Investitonsbekanntgabe für drei zusätzliche Fabriken gehofft und zum Teil bereits behauptet, dass TSMC nun direkt in den USA die besten Fertigungsschritte umsetzen würde. Mit der neuesten Entwicklung stehen auch Aussagen von Firmen wie Apple auf den Prüfstand, denn ein neues iPhone mit neuem SoC als Herzstück kommt wohl auch in den nächsten Jahren weiterhin aus Taiwan. Made in the USA werden dann andere Produkte sein.

Denn N+1 heißt in der Branche nicht, dass ein neuer Fertigungsprozess nur ein Jahr später in den USA erscheinen könnte. Zuletzt sind die Lücken größer geworden. N3 war bereits spät dran und zum Start auch noch problembehaftet, N2 wird nun ab diesem Jahr ausgeliefert. Der echte Nachfolger von N2 ist aber nicht A16 (das ist eigentlich ein N2P+), sondern A14, hier bleibt abzuwarten, wie strikt die Auslegung am Ende ist.

TSMCs Roadmap (Stand April 2025)
TSMCs Roadmap (Stand April 2025) (Bild: TSMC)

Schnell könnte das aber einen Unterschied von zwei bis drei Jahren bedeuten. Das dürfte sogar das Ziel sein, denn nur ein Jahr später es aus den USA zu haben, wäre sogar leicht verschmerzbar und würde die Position von Taiwan eher aufweichen. Aktuell baut TSMC 15 Anlagen in Taiwan. Jedes Jahr wurden es zuletzt mehr – trotz Übersee-Anlagen.

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