Der Grund, neben jenen Gründen, die schon genannt wurden, wieso nicht mehr bei der Klage mit machen könnte auch sein, dass viele Angst haben. Ich bin mir selbst nämlich auch nicht sicher. Ich bin jetzt seit 25 Jahren bei Amazon Kunde und habe dort ein hervorragendes Standing. Ich mache enorme Umsätze und umgekehrt profitiere ich von einem hervorragendem Kundenservice. Insbesondere, weil ich auch eine sehr geringe Rücksendequote habe (eigentlich zu 99% nur, wenn die Ware nicht in Ordnung war). Bei mir werden also problemlos auch mal Kaufpreise von etlichen hunderten Euro kurz vor Ende der Gewährleistung zurück erstattet, ohne, dass man den Artikel wieder haben will und ohne, dass man irgendetwas prüft. Man glaubt mir einfach, dass ein Defekt vorliegt. Auch ein iPhone 14 Pro wurde mir damals nach wenigen Monaten komplett umgetauscht, nachdem dort vom Cover das schwarze Edelstahl überall abgerieben war. Ohne Wenn und Aber war man von meiner Argumentation überzeugt, dass es ein Materialfehler sein muss.
Kunden haben also garantiert anhand der Umsätze, anhand von Rücksendequote, etc. ein unterschiedliches Standing. Man muss dann unterscheiden, was Kulanz ist und wozu Amazon gesetzlich verpflichtet ist. Kulanz habe ich schon unfassbar oft von Amazon erhalten. Wegen kleinster Kratzer direkt dreistellige Erstattungen erhalten, usw. usf.
Wenn ich nun bei solch einer Klage mitmache und mir dann Geld zurück erstattet wird, fragt man sich eben, ob solche Kunden im System vermerkt werden. Gleiches gilt für die andere Amazon-Sammelklage wegen der Prime-Video-Werbung. Entsteht mir also nachher ein Nachteil, weil Amazon mich nicht mehr mag? Wird man weiterhin so super kulant bei mir sein, dass man einfach so Geld zurückerstattet, Ware dennoch behalten darf, usw.? Ich befürchte, dass mein Standing dort dann schlechter sein wird - mal abgesehen davon, dass Amazon sowieso nicht verpflichtet ist mir etwas zu verkaufen und auch die Geschäftsbeziehung jederzeit mit mir einstellen kann und darf.
Wichtig für viele ist daher vielleicht auch, dass es ausführlich erklärt wird, wie das ganze vonstatten geht. Also erfährt Amazon jemals, wer sich an der Klage beteiligt hat? Zahlt Amazon einfach nur die Strafe an einen Treuhand und dieser verteilt das Geld dann an die Kunden, sodass Amazon nie erfährt, welche Kunden mitgemacht haben und etwas erhalten haben?