Welcome To The Rileys (2010)
Das Ehepaar Riley hat den tragischen Verlust ihrer Tochter auch nach Jahren nicht verkraftet. Während Lois (Melissa Leo) in Depressionen versunken ist und das Haus nicht mehr verlässt, versucht Doug (James Gandolfini) den Schein der Normalität zu bewahren und seinen Schmerz bei einer Affäre zu vergessen. Auf einer Geschäftsreise nach Chicago trifft er die junge Stripperin Mallory (Kristen Stewart), die in ihrem zarten Alter bereits jede Menge emotionalen Ballast angehäuft hat und beschließt, sich fortan um sie zu kümmern.
Der Film hat mich in vielerlei Hinsicht positiv überrascht. Die Prämisse ist eher simpel und auch etwas unglaubwürdig, aber die Handlung schrammt immer haarscharf am Kitsch vorbei und hat für mich damit genau den richtigen Ton getroffen. In melanchonische Bilder verpackt und mit einem schön zurückhaltenden Soundtrack untermalt, erzeugt Welcome To The Rileys eine bittersüße Stimmung, die mich dann doch mehr mitgenommen hat, als ich am Anfang gedacht hätte.
Nachdem ich in letzter Zeit eher aktuelle Filme aus den letzten 2 Jahren geschaut habe, war ich auch von der Kameraarbeit sehr angetan. Während heutzutage 90% der Cinematografie aus wackliger Beliebigkeit zu bestehen scheint, bei der man das Gefühl hat, der Kameramann würde durchgehend auf einem Bein stehen und gleichzeitig auch noch dringend auf's Klo müssen, gibt es hier angenehm ruhige Aufnahmen und fantastische Einstellungen, die niemals zum Selbstzweck verkommen.
Die Schauspiel-Leistungen sind durch die Bank großartig. Zu James Gandolfini muss ich vermutlich nicht viel sagen, er hat meiner Meinung nach immer abgeliefert und wird weiterhin schmerzlich vermisst. Kristen Stewart fand ich absolut überzeugend und authentisch, aber ich konnte die Abneigung gegen sie und die Kritik an ihrer Arbeit noch nie nachvollziehen. Vermutlich weil ich Twilight nie gesehen und sie zuvor bereits durch "Into The Wild" und vor allem "Speak" schätzen gelernt habe. Melissa Leo war für mich die größte Überraschung, hauptsächlich weil sie sehr lange im Hintergrund bleibt und dann trotz der vergleichweise geringen Screentime eine großartige Charakterentwicklung transportiert. So einer Aufgabe sind auch nicht viele Schauspieler gewachsen.
Von mir gibt es die mittlerweile relativ selten vergebene 8/10.