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Apple gibt der EU die Schuld: Warum Siri AI vorerst nicht in Europa erscheint

Dennis Krause
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Apple gibt der EU die Schuld: Warum Siri AI vorerst nicht in Europa erscheint
Bild: Apple

Gestern Abend hat Apple mit iOS 27 eine komplett überarbeitete KI-Siri vorgestellt. In der vorab aufgezeichneten Keynote erklärte Apple noch an Ort und Stelle, dass die neue Assistentin nicht in der EU und in China verfügbar sein wird. Jetzt liefert Apple eine Begründung nach – und greift die EU scharf an.

Siri AI nicht in der EU*

Das Wichtigste zuerst: Während Apples neue KI-Modelle mit iOS 27 auch in der EU verfügbar sein werden, verzögert Apple die Veröffentlichung der neuen Siri AI in der EU auf unbestimmte Zeit für iPhone und iPad. Veröffentlicht wird die KI-Siri daher *vorerst nur für den Mac und die Vision Pro sowie nur auf Englisch innerhalb der EU.

Wir sind sehr enttäuscht, dass unsere Nutzer:innen in der EU Siri AI auf dem iPhone oder iPad nicht nutzen können, wenn wir unsere neuen Softwareversionen später in diesem Jahr veröffentlichen.

Craig Federighi, Software-Chef bei Apple

Wo das Problem liegt

Hintergrund ist erneut ein Streit um die Auslegung des Gesetzes über digitale Märkte (DMA): Die EU möchte, dass Apple Drittanbieter-KIs denselben Zugang zu den Daten des Nutzers gewährt, wie sie Apple auch Siri AI gewährt.

Die EU möchte also, dass Apple das Betriebssystem weiter öffnet und Apps wie ChatGPT oder Claude den theoretischen Zugang zu Nachrichten, Mails, dem Steuern des iPhones und mehr ermöglichen – denn dann könnte der Nutzer frei wählen, mit welchem Produkt bzw. Unternehmen es täglich zusammenarbeitet. Aktuell würde nur Siri eine so tiefe Integration bieten, eine Wahl hätte der Nutzer dann nicht mehr, hier dürfte die EU den DMA verletzt sehen, so wie es der Konzern schildert.

Laut den EU-Regulierungsbehörden verpflichtet der DMA Apple dazu, jedem KI-System einen nahezu unbegrenzten Zugriff auf das Gerät der Nutzer:innen zu geben sowie die Möglichkeit, diesen Zugriff autonom zu nutzen – ohne dass die Nutzer:innen dies durchgängig erkennen und kontrollieren können. Das beinhaltet die Möglich­keit, Nach­richten zu lesen und zu senden, Käufe zu tätigen, auf Dateien zuzugreifen und Aktionen in beliebigen Apps auszuführen.

Craig Federighi, Software-Chef bei Apple

Apple soll nach eigenen Angaben hierzu bereits Lösungsvorschläge angebracht haben. Laut dem Konzern „weigere“ sich die EU hier jedoch, „konstruktiv“ an Lösungen zu arbeiten. Die EU soll „keinem der Vorschläge von Apple zugestimmt“ haben. Einen Zeitplan für eine Veröffentlichung der Funktionen gibt es daher noch nicht.

Wir hoffen, Siri AI bald auch in der EU anbieten zu können, und werden weiterhin mit den EU-Regulierungsbehörden an einer Lösung arbeiten. Da sie sich jedoch weigern, konstruktiv mit uns auf Lösungen hinzuarbeiten, die Datenschutz und Sicherheit gewährleisten, können wir derzeit keinen Zeitplan für die Verfügbarkeit von Siri AI in iOS und iPadOS in der EU nennen.

Craig Federighi, Software-Chef bei Apple

Was Apple vorschlägt

Apple führt erneut Sicherheitsbedenken bezüglich des DMA an, will dieses Mal jedoch bereits konkrete Vorschläge zur Lösung angebracht haben. Zwar verzichtet der Konzern auf technische Details, allerdings soll wohl ein weiteres KI-Modell von Apple für die Drittanbieter-Modelle auf das iPhone zugreifen können. Die Einführung dieser Funktion soll über einen Zeitraum von 18 Monaten erfolgen, doch die EU habe diese Umsetzung als nicht DMA-konform bezeichnet, so der Konzern.

Angesichts der erheblichen Risiken für Nutzer:innen hat Apple eine Lösung namens Trusted System Agent entwickelt. Dabei handelt es sich um eine Art Mittler, der es virtuellen Assistenten ermöglichen würde, für Geräte in der EU sicher auf dieselben Features und Fähigkeiten zuzugreifen wie Siri AI. Apple hat außerdem einen Plan zur Einführung von Siri AI in der EU vorgestellt, nach dem diese neue Lösung schrittweise über einen Zeitraum von 18 Monaten eingeführt werden soll. Die Europäische Kommission hat dies abgelehnt.

Craig Federighi, Software-Chef bei Apple

Déjà-Vu für Nutzer?

Für Nutzer gleicht die Ankündigung einem Déjà-vu, denn schon vor zwei Jahren hatte Apple von Schwierigkeiten mit Regulierungsbehörden gesprochen und den Start von Apple Intelligence auf unbekannte Zeit verzögert. Die Funktionen wurden dann ein paar Monate später lokal ausgerollt, als auch die größten europäischen Sprachen neben Englisch unterstützt wurden.

Meinung von Dennis Krause
Dennis Krause

Apples Anschuldigungen sind massiv und praktischerweise unüberprüfbar. Der Konzern liefert eine dramatische Erzählung, verzichtet aber genau dort auf Details, wo es zählt: bei der technischen Umsetzung. Wer die Gegenseite des Schweigens bezichtigt, sollte selbst nicht im Nebel argumentieren.

Das Muster ist altbekannt: Schon beim Start von Apple Intelligence vor zwei Jahren war die EU schuld. Am Ende waren die Funktionen in Europa exakt dieselben wie in den USA, eine dedizierte Anpassung nicht erkennbar. Bei Apple ist das Datenschutz-Argument selten weit weg, wenn der Walled Garden, das Kerngeschäft, auf dem Spiel steht. In China wird die neue Version übrigens auch nicht veröffentlicht, doch eine dedizierte Pressemitteilung, die die chinesische Regierung wie die EU angreift, fehlt bislang.

Und doch bleiben Fragen auch für die Gegenseite offen. Die EU muss erklären, ob und warum Apples „Trusted System Agent" unzureichend ist. Solange Brüssel nichts sagt, profitiert vorwiegend der US-Konzern von der Intransparenz – denn am Ende sitzen die Nutzer vor einem iPhone, das weniger kann als anderswo, und sind sauer auf ein Gesetz, das ihnen eigentlich mehr Auswahl geben sollte.

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