chillipepper schrieb:
Grundsätzlich möchte man eine Unix-Installation nicht regelmäßig wechseln. Über die Zeit entstehen zahlreiche individuelle Anpassungen, die bei jedem Wechsel erneut nachvollzogen, überprüft und gepflegt werden müssten.
Das haengt sehr vom jeweiligen Nutzungsstil ab. Da gibt's einerseits Leute, die ihre Installation ewig behalten wollen, und die nehmen dann RHEL mit 10 Jahren Support, und haben dann Schmerzen, wenn die 10 Jahre um sind. Und andererseits Leute, die schmerzfrei immer das allerneueste wollen, und die nehmen eine rolling release. Dazwischen gibt's noch die Moeglichkeit (wie bei Debian und Ubuntu) von einer Release zur naechsten ein Upgrade zu machen, und dabei moeglichst die Anpassungen mitzunehmen (ist aber bei Debian nicht besonders praktikabel, wenn es viele Anpassungen sind). Wenn man der einzige Benutzer des Systems ist, muss man die individuellen Anpassungen nicht beim Wechsel pruefen etc., sondern dann, wenn man sie braucht.
Viele von den individuellen Anpassungen sind auch tatsaechlich individuell, und wandern mit dem home-Verzeichnis mit. So verwende ich seit 1992 twm als Window Manager und ein seither gepflegtes .twmrc. Und da twm nicht von modebewussten Entwicklern geplagt wird wie MacOS, Windows, Gnome, KDE etc. funktioniert das von einem Release zum naechsten ohne Probleme.
Die andere Art, an sowas heranzugehen, ist es, keine individuellen Anpassungen zu machen, sondern einfach das zu fressen, was einem vorgesetzt wird, wie in MacOS, Windows, Gnome, KDE etc. ueblich. Das ist der Ansatz, den ich beim Laptop verwende. Damit arbeite ich nicht soviel, da wuerde sich die Zeit fuer individuelle Anpassungen nicht amortisieren, also lasse ich es (nur focus-follows-mouse muss sein!). Der Ansatz ist fuer Dich zuhause auf Windows gut genug, wieso nicht auch auf Linux?
Es ist zudem reine Zeitverschwendung, sich immer wieder mit distributionsspezifischen Unterschieden bei Startup-Skripten, Shell-Umgebungen, Pfadstrukturen und Systemkonventionen auseinandersetzen zu müssen.
Dann lass es. Mir sind da aber keine besonderen Unterschiede zwischen Distributionen aufgefallen, nur Suse mit seinem Yast hat bei mir als altem Unix-Menschen sofort die rote Karte gesehen (genau derselbe Mist wie MacOS).
Bei Linux ist man faktisch dazu gezwungen, Distributionen zu vergleichen und zu wechseln,
Wer zwingt Dich dazu? Ich verwende seit 2007 Debian zuhause und seit 2011 Ubuntu auf dem Laptop, und habe nie verglichen und gewechselt. Ok, davor habe ich ein paar mal gewechselt: z.B. 2004 auf Fedora Core 1, weil das die erste Distribution mit AMD64-Support war; dann 2005 auf Gentoo, weil ich die Idee mit dem Compilieren von Source ansprechend fand. Dann wurde es mir zu anstrengend, bei jedem emerge (update) zu pruefen, ob meine Anpassungen richtig uebernommen werden, also ging's dann schliesslich zu Debian, und dabei bin ich geblieben.
[edit:]Fazit: Solange die Distribution das tut, was Du willst, brauchst Du nicht wechseln. Und wenn's irgendwo hakt, dann wechselst Du zu einer Distribution, von der bekannt ist, dass der Haken da nicht vorhanden oder zumindest kleiner ist.[/edit]
Wer auf klassischen Unix-Systemen gearbeitet hat (Interactive, SunOS, Solaris, FreeBSD, NetBSD etc.), erkennt schnell, dass dieses Distributionsgewirr bei Linux keinen Mehrwert liefert. Es erreicht nicht die konsistente Qualität kommerzieller Unix-Systeme.
Interactive ja; SunOS, Solaris, BSDs ein bisschen; HP/UX, DG/UX, Ultrix, Digital OSF/1 (das spaeter ein paar Umbenennungen hinter sich gebracht hat) relativ viel, IRIX und AIX ein bisschen. Ich wuerde Linux fuer keines von denen hergeben.
Benötigt wird im Kern ein sauber gepflegtes Basissystem mit dem üblichen Unix-Werkzeugumfang. Alles Weitere ist Aufgabe eines ausgereiften Package-Managements – so wie es beispielsweise bei FreeBSD konsequent und vorbildlich umgesetzt ist.
Kriegst Du bei Debian, Ubuntu, und sicher auch bei anderen Linux-Distributionen. Einfach jeweils die Minimal-Installation machen.
Allein aufgrund unterschiedlicher Zusammenstellungen und Customizations von Third-Party-Komponenten (Window-Manager, Applikationen) jeweils neue Distributionen zu schaffen, ist von der Sache her nicht sinnvoll.
Das sehen die, die das machen, und die, die diese Distributionen dann verwenden, offenbar anders. Ich brauche das zwar im Normalfall auch nicht, aber z.B. enthaelt Antix ein Paket fuer xmms, das bei Debian schon vor ~20 Jahren ausgemustert wurde. Dank des ausgereiften Paketmanagements, das bei Antix auch auf .deb-Dateien basiert, habe ich das einfach auf meinem Debian-System installiert.
Wegen dieser unnötigen und unvorteilhaften Diversität ist Linux im Vergleich zu Windows und macOS nach wie vor kein besonders populäres Betriebssystem, weshalb das Softwareangebot an kommerzieller Software gering ist, obwohl es Linux nun schon so lange gibt.
Interessiert mich eigentlich nicht besonders, aber tatsaechlich habe ich proprietaere (und kommerzielle) Software zu Vergleichszwecken auf Linux-Systemen installiert (und diese Software gibt es nicht und gab es nie fuer Interactive, SunOS, Solaris, FreeBSD, NetBSD, trotz (oder wegen?) der fehlenden Distributionsvielfalt). Die Hersteller verteilen die einfach als tarball, denen sind die Distributionen voellig egal. Wenn's komplizierter wird, ist der aktuelle Weg docker, auch da ist die Distribution (und teilweise sogar das Betriebssystem) egal.