Wie schon bei Nvidia, ergibt dieses Vorgehen auch hier wirtschaftlichen Sinn. Ändert aber leider nichts daran, dass Einsteiger- und Mittelklasse-Käufer darunter leiden werden.
Vielleicht ändert sich in ein paar Jahren wieder etwas, wenn der KI-Hype vorbei ist, wir werden sehen. Auf mich persönlich machen die aktuellen Marktentwicklungen aber erstmal den Eindruck, dass sie das Ende dedizierter Gaming-Grafikkarten im unteren Preisbereich beschleunigen werden - und möglicherweise ist diese Entwicklung auch nachhaltig. Schnelle integrierte Grafik wird dadurch umso wichtiger werden. AMD hat damit vor langer Zeit den Anfang gemacht, Intel zieht mit Panther Lake nunmehr beschleunigt nach. AMD könnte daher absehbar ebenfalls beschleunigen und seine integrierten Einheiten von RDNA3.5 auf RDNA4 und neuer bringen müssen, um mitzuhalten. Die Zahl der Ausführungseinheiten wird weiter zunehmen, die bisherige langsame Entwicklungsgeschwindigkeit könnte nicht länger ausreichend sein - das wiederum wäre ein für den Verbraucher positiver Nebeneffekt, denn bisher lässt sicht AMD aus meiner Sicht sehr viel Zeit damit, aktuelle GPU-Technik in das zu bringen, was sie früher "APU" nannten.
Die Krux ist natürlich: Integrierte Grafikeinheiten benötigen Zugriff auf schnellen Hauptspeicher, der absehbar ebenfalls Preisprobleme hat. Umso mehr allerdings könnte es für künftige erschwingliche PCs notwendig sein, die Kosten für eine dedizierte Grafikkarte einzusparen, um irgendwie erschwinglich zu bleiben. Der Trend zum schnellen SoC, möglicherweise zunehmend hochintegriert, wie etwa Strix Halo, den es nur mit fest verlöteten Speicherkonfigurationen auf Basis schneller LPDDRX-Standards gibt, dürfte sich so auch im x86-Bereich beschleunigen (im ARM-Bereich freilich ist das längst der Standard, siehe etwa jedes Smartphone der letzten zehn Jahre und mehr und jeder moderne Apple-Rechner). Dedizierte Grafikkarten könnten so zum Luxusprodukt werden, mit einer Klasse unter 1000 €, die die "neue (und einzige) Mittelklasse" (analog zur heutigen RX 9070 XT- und RTX 5070 Ti-Klasse) und Karten über 1000 € als High-End-Optionen (RTX 5080-Analog). Der "Siegeszug" der Handhelds lässt grüßen, die auf Basis relativ schwacher Hardware Spielerlebnisse möglich machen, die für 90% der Spieler zufriedenstellend zu sein scheinen.
Gleichzeitig gehört zu den möglichen Folgeszenarios ironischerweise auch eine steigende Nachfrage nach Konsolenhardware, die die Lebensspanne der aktuellen Generation verlängern oder die Begehrlichkeiten für Folgegenerationen steigern könnte, so dass das, was mancher seit vielen Jahren kommen sieht, nämlich das Ende der Konsolen, in weitere Ferne rückt. Ja, auch Konsolen-SoCs nehmen Fertigungskapazitäten ein und auch Konsolen benötigen VRAM, entwickeln sich aber, wenn veröffentlicht, für eine lange Zeit nicht mehr weiter und könnten so langfristig einigermaßen stabile Preise garantieren.
Eine andere Möglichkeit wäre ein Siegeszug des Game-Streamings, wie er gerade Nvidia sicherlich nur recht wäre, da man dort mit Geforce NOW eine der wenigen leistungsfähigen Optionen im Programm hat, während die althergebrachte direkte Konkurrenz hier blank dasteht. Vielmehr wären wohl Riesen wie Amazon die Gegenspieler, mit denen man aber ohnehin in Symbiose zu arbeiten hätte - denn genauso wie Nvidia auf die Webinfrastruktur eines AWS angewiesen ist, ist es Amazon möglicherweise auf Nvidia-Grafikkarten.
Wie dem auch sei ... leider ergibt diese Entwicklung auch vor dem Hintergrund des zunehmenden Marktwertes von GPUs als Beschleuniger für Computing-Anwendungen nur allzu viel Sinn. Eine Beschleunigerkarte erzielt nun einmal weit höhere Margen als eine Grafikkarte, die in einem Gaming-Rechner landet und daher letztendlich oft "nur" ein Spielzeug ist. Solange die Nachfrage hier so hoch bleibt, oder auch nur so hoch, dass sie einen Großteil der Produktionskapazitäten der Einzelkomponenten auffrisst, haben weder Nvidia noch AMD oder Intel einen Grund, den Fokus erneut auf den Endkundenmarkt zu richten. Bei ausreichend starker Videospielnachfrage werden die Marktmechanismen für Ersatz sorgen, die Hardware, auf der wir spielen, könnte sich dabei stark verändern.
LTT hat zur Gesamtsituation kürzlich ein Video veröffentlicht. Sicher ist es für den Channel auch ein großes Problem, dass ein nicht kleiner Teil der Kundschaft absehbar aus dem Gaming-Segment "herausgepreist" werden könnte, also kann ein Video zu dieser Entwicklung ja nicht schaden - erst recht nicht, wenn man seine "base of operations" im guten, alten Kanada hat, wo die "cost of living crisis" unlängst dafür gesorgt hat, dass durchschnittlich fast 90% der Nettogehälter für Lebenshaltung aufgewandt werden müssen, was entsprechend weniger Raum zum Konsumieren lässt. Und das, wie wir wissen, ist für jeden Influencer Gift: